Osnabrück Beton für Osnabrücker Neumarkt: Das ist anders als beim Bruchbeton vom Rosenplatz
Der Neumarkt bekommt wieder Beton – obwohl genau das in Osnabrück schon schiefging. Nun ist entschieden, wie der Belag gebaut wird, warum er 30 Jahre halten soll und wann die Baustelle beginnt.
Den Neumarkt erwarten 30 Zentimeter Beton – einlagig, durchgefärbt und auf 30 Jahre ausgelegt. Sieben Jahre nach dem Rosenplatz-Desaster hat die Stadt jetzt entschieden, wie der Belag gebaut werden soll. Die Botschaft ist klar: Eine solche Panne soll sich am Neumarkt nicht wiederholen.
6,3 Millionen Euro hat die Stadt für den Beton in der Fahrbahn, die Fertigteilplatten in den Nebenanlagen und den Asphalt in Neumarkt und Kollegienwall angesetzt. Wie hoch die Kosten tatsächlich sind, könne allerdings erst nach erfolgter Ausschreibung benannt werden, wie Stadtsprecher Simon Vonstein auf Nachfrage erklärt.
Stadtbaurat Thimo Weitemeier formuliert den Anspruch offensiv: „Wir machen das jetzt so, dass wir die nächsten 30 Jahre Ruhe haben.“ Damit dieser Satz mehr ist als Zweckoptimismus, hat die Stadt in den vergangenen Monaten testen, prüfen und rechnen lassen – auf einer Teststrecke am Piesberg, mit Bohrkernen, Laborwerten und Fachgutachtern. Wie der neue Belag aussehen und funktionieren soll, zeigte sie am Dienstag, 14. April, auf dem Gelände der Dyckerhoff Beton GmbH am Süberweg 62, nur wenige hundert Meter von der Teststrecke auf der Zufahrt zum Abfallwirtschaftszentrum Piesberg entfernt. Vor Ort erläuterten Vertreter der Stadt und des Ingenieurbüros bpr die rund 100 Quadratmeter große Musterfläche.
Zu sehen war dort der künftige Charakter des Platzes: großformatiger, grau abgestufter Streifenbeton. Die kleinsten Platten haben eine Kantenlänge von einem Meter, die größten von knapp zwei auf zweieinhalb Meter. Diese Grundidee steht seit dem Gestaltungswettbewerb von 2013. Neu entschieden wurde nun die Art des Betons. Die Stadt setzt auf durchgefärbten Beton. Nach Angaben aus dem Termin wird der Farbstoff als Pulver beigemischt und nicht flüssig, damit die Poren nicht zugesetzt werden. Beschichtete Varianten mit Epoxidharz sind raus, ebenso kleinteilige Muster. Auch der sogenannte Grinding-Beton mit Rillen, der zum Beispiel auf dem erneuerten Abschnitt der Johannisstraße verbaut ist, hat sich für den Neumarkt nicht durchgesetzt.
Der Knackpunkt ist der Aufbau. 2019 stoppte der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Griesert den schon vorbereiteten Umbau, weil nach den Schäden am Rosenplatz jedes Restrisiko zu groß schien. Wie sich später zeigte, lag die Schwachstelle am Rosenplatz in der zweilagigen Bauweise. Am Neumarkt soll der Belag deshalb einlagig eingebaut werden. „Wir haben ein monolithisches Bauwerk geschaffen“, sagt Bauleiter Daniel Farr, betont aber auch: „Das ist kein Experiment, sondern ganz normaler Straßenbau.“
Unter den Fahrbahnen ist ein massiver Aufbau vorgesehen: 30 Zentimeter gebundene Schotterschicht, 10 Zentimeter Asphalttragschicht und darüber eine 30 Zentimeter starke Betondecke. Die Fahrbahnen werden in Ortbeton hergestellt, die Nebenflächen mit Betonfertigteilen. Farr verweist auf Belastungstests, Bohrkerne und Laborprüfungen; so seien die Werte für die Ausschreibung festgelegt worden.
Auch für den künftigen Busbahnhof ist die Oberfläche mehr als nur Belag. Auf der Musterfläche waren Piktogramme und Leitelemente zu sehen, mit denen die stark belasteten Fahrbereiche gegliedert und Wege besser lesbar gemacht werden sollen. Die Stadt will damit die Orientierung für Fahrgäste, Fußgänger und Menschen mit Sehbeeinträchtigung verbessern. Zwei Arten standen zur Auswahl: Der „Standard“, wie er von Bahnhöfen bekannt ist, und eine optisch gefälligere Variante aus Metall. Die Entscheidung fiel auf letztere, trotz höherer Kosten.
Der Aufwand hat einen Grund. „Wir haben hier eine Fläche, da steigen am Tag 30.000 Menschen in Busse ein und aus“, sagt Weitemeier. Der Neumarkt ist eben nicht nur Platz, sondern auch einer der wichtigsten Verkehrsknoten der Stadt. Vor dem Landgericht soll künftig eher eine Fußgänger- und Flanierfläche entstehen. Auf der anderen Seite, gegenüber dem leerstehenden Ypso-Gebäude, liegt der eigentliche Busbahnhof – also genau der Bereich, in dem Busse anfahren, abbremsen und wieder losziehen. Gerade diese Mischung aus Aufenthaltsort und hoch belasteter Verkehrsfläche machte die Materialfrage so heikel.
Als Nächstes soll die europaweite Ausschreibung vorbereitet werden. Vorbereitende Maßnahmen sollen schon in den nächsten Wochen anlaufen: Leitungen, Baustelleneinrichtung und Provisorien für den Busverkehr. Bis September dürfte rund um den Neumarkt deutlich mehr zu sehen sein, die eigentlichen Bauarbeiten sollen im vierten Quartal 2026 beginnen. Fertig werden soll das Projekt Mitte 2029. Bis dahin heißt es am Neumarkt erst einmal Ersatzhaltestellen, geänderte Wege und eine Großbaustelle über Jahre.