Osnabrück  Schnelle Polizei-Eingriffe durch Kameras: Steigt die Sicherheit in Osnabrücks Innenstadt?

Jakob Rüter
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Von Jakob Rüter
| 03.04.2026 05:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Videoüberwachung, Waffen- und Alkoholverbotszonen am Neumarkt und der Johannisstraße Osnabrück zeigen laut Kriminalstatistik der Polizei für 2025 erste Wirkungen. Foto: Michael Gründel
Videoüberwachung, Waffen- und Alkoholverbotszonen am Neumarkt und der Johannisstraße Osnabrück zeigen laut Kriminalstatistik der Polizei für 2025 erste Wirkungen. Foto: Michael Gründel
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Seit April 2025 überwacht die Polizei die Osnabrücker Innenstadt per Kamera. Die Bilanz der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 zeigt nun, wie oft die Beamten dadurch eingreifen konnten und wie es allgemein um die Sicherheit im Stadtkern steht.

In der Osnabrücker Innenstadt sind im vergangenen Jahr insgesamt 4169 Straftaten registriert worden. Das geht aus der Kriminalstatistik der Polizeiinspektion Osnabrück für 2025 hervor. Damit liegt das Kriminalitätsaufkommen in diesem Bereich im Vergleich zu den Vorjahren auf einem ähnlich hohen Niveau.

Die Kriminalität in der Innenstadt setzt sich aus verschiedenen Schwerpunkten zusammen. Den größten Anteil nehmen mit 32 Prozent Diebstahlsdelikte, vor allem Ladendiebstähle, ohne erschwerende Umstände ein. „Wir rechnen hier mit einer hohen Dunkelziffer“, sagt Oliver Voges, Leiter der Polizeiinspektion Osnabrück. Zudem habe es 2025 etwa 350 Sachbeschädigungen in der Innenstadt gegeben, von denen 172 mit Graffiti zu tun hatten.

Rohheitsdelikte sowie Straftaten gegen die persönliche Freiheit machen 17 Prozent des Geschehens aus. Vermögens- und Fälschungsdelikte schlagen mit zehn Prozent zu Buche, während Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung einen Anteil von ein Prozent am Gesamtaufkommen haben.

Um die Sicherheit zu erhöhen setzt die Polizeiinspektion Osnabrück seit einem Jahr auch auf technische Überwachung. Durch die Inbetriebnahme der Videoüberwachung am 23. April 2025 am Neumarkt und in der Johannisstraße konnten die Polizei in 47 Fällen Daten sichern, die der Strafverfolgung helfen.

In etwa 30 Prozent der Fälle wurden Straftaten im Livebild festgestellt, sodass die Einsatzkräfte umgehend eingreifen konnten. In drei Situationen wurden Streitigkeiten bereits im Vorfeld erkannt und verhindert, bevor es zu einer Straftat kam. In den anderen 70 Prozent konnte die Polizei die Daten laut Voges nutzen, um den Täter „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ zu identifizieren.

Die seit Juni 2024 geltende Waffenverbotszone zielt insbesondere auf Personen mit Messern und Tierabwehrsprays. Im Jahr 2025 leitete die Polizei hierzu 66 Ordnungswidrigkeitsverfahren sowie vier Strafverfahren nach dem Waffengesetz ein. Vom ersten ins zweite Quartal schrumpfte die Anzahl der Ordnungswidrigkeiten von 34 auf 16 Fälle. „Das Verbot schüchtert ein, aber eine gezielte Tat kann auch eine Waffenverbotszone nicht verhindern“, sagt Voges.

Um „störende Gruppenbildungen“ und „alkoholbedingte Eskalationen“ am Neumarkt und der Johannisstraße zu verhindern ist der Alkoholkonsum dort seit Juni 2024 ebenfalls verboten. Im Jahresverlauf 2025 wurden basierend darauf 457 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Voges betont jedoch: „Wir haben gegen niemanden wegen einer Dose Bier ermittelt“. Diese führe nur zum Verweis aus der Zone.

Durch verstärkte Fußstreifen von Kontaktbereichsbeamten sowie Unterstützung durch die Bereitschaftspolizei an 77 Tagen wurde die polizeiliche Sichtbarkeit laut Voges im Bereich der Johannisstraße deutlich erhöht.

Trotz der intensiven Maßnahmen in den Verbotszonen hat die Polizei laut Voges keine nennenswerte Verdrängung der Kriminalität in angrenzende Bereiche wie die Altstadt feststellen können. Lediglich im Schlossgarten zeigt sich im Sommer eine starke Frequentierung, die jedoch von der Polizei als saisonal typisch bewertet wird.

Weitere videoüberwachte Straßen in Osnabrück schließt Voges für die Zukunft nicht aus – wenn hohe Fallzahlen es rechtfertigen. „Aktuell sehe ich aber keine Gebiete, wo das dringend notwendig ist“, sagt der Leiter der Polizeiinspektion.

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