Melle  Meller Geflügelzucht in drei Generationen: Darum kümmern sich auch die Jüngsten gern um die Tiere

Janis Sophie Grosser
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Von Janis Sophie Grosser
| 03.04.2026 14:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Max Grever ist besonders stolz auf seine Tiere. Er gewann die Bundes-Jugend-Medaille für eine kennfarbige Henne der Rasse Holländische Zwerghühner. Foto: Janis Sophie Grosser
Max Grever ist besonders stolz auf seine Tiere. Er gewann die Bundes-Jugend-Medaille für eine kennfarbige Henne der Rasse Holländische Zwerghühner. Foto: Janis Sophie Grosser
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Hühnerzucht nur für Rentner? Von wegen! Bei Familie Grever aus Melle teilen drei Generationen die Passion und zeigen, wie aus Eierzählern echte Champions werden.

Wenn man an Rassegeflügelzucht denkt, haben viele zunächst das Bild der älteren Generation vor Augen. Doch auf dem Hof der Familie Grever in Melle-Westerhausen zeigt sich ein ganz anderes Motiv: Hier ist die Begeisterung für Hühner eine echte Familienangelegenheit, die von den Großeltern bis zu den Enkeln reicht.

Für den 14-jährigen Max und seinen 19-jährigen Bruder Felix war der Weg in den örtlichen Geflügelzuchtverein Westerhausen quasi vorbestimmt. „Sobald sie vier waren, das ist das Mindestalter, wollten sie halt auch Hühner ausstellen“, berichtet ihre Mutter Stefanie Grever. Sie selbst ist stellvertretende Jugendleiterin und Schriftführerin im Rassegeflügelzuchtverein Westerhausen und Umgebung, während ihr Mann, Carsten Grever, als Jugendleiter fungiert. Ihr Vater, Hermann Assmann, war ehemals Vorsitzender des örtlichen Rassegeflügelzuchtvereins. Der erinnert sich: Geflügel gibt es auf dem Hof der Familie bereits seit 1914. Assmann, heute fast 70 Jahre alt, trat 1970 in den Verein ein und begann schon als kleiner Junge mit der Zucht von Fasanen.

Der Einstieg in die Geflügelzucht beginnt für die Jüngsten auf dem Hof ganz spielerisch. „Das Eiersuchen ist etwas, was mein Mann abends immer macht“, erzählt die Stefanie. Dabei haben nicht nur Max und Felix, sondern fast alle – ebenfalls heute erwachsenen – Kinder der Familie das Zählen gelernt: „Die mussten zählen, wie viele Eier wir hatten“, berichtet Vater Carsten schmunzelnd.

Mit dem Älterwerden wachsen auch die Aufgaben. Aus dem reinen Eiersuchen wurde schnell Füttern und Wassergeben. Heute wissen Max und Felix ganz genau, worauf es ankommt. Sie helfen dabei, die Tiere für Ausstellungen auszusuchen und bewerten Kamm, Federn und Zehen nach den strengen Vorgaben des Standards. Der Standard in der Rassegeflügelzucht ist eine detaillierte, schriftliche Beschreibung des „idealen“ Tieres einer bestimmten Rasse. Er definiert, wie ein Tier in Bezug auf Form, Farbe, Größe, Gewicht, Charakter, Eigröße und Legeleistung aussehen und beschaffen sein muss. Vor einer Schau packen sie tatkräftig mit an, etwa wenn den Tieren die Füße gewaschen werden müssen, damit sie sich den Preisrichtern makellos präsentieren.

Doch was fasziniert Jugendliche an der Hühnerzucht? Auf die Frage, was am meisten Spaß macht, antworten die Jungs ehrlich: „Die Wahrheit? Gewinnen“. Es sei ein besonderes Gefühl, zu sehen, wie aus einem kleinen Küken ein prächtiges Tier heranwächst, das auf Kreis-, Landes- oder gar Bundesebene gute Preise abräumt. Max konnte beispielsweise im vergangenen Jahr große Erfolge auf der Kreisjugendschau feiern.

Dabei gehe es der Familie Grever nicht um wirtschaftlichen Profit oder massenhafte Eierproduktion, sondern um den Erhalt alter Rassen. „Das ist unser Bestreben, dass wir Rassen erhalten“, betont Assmann. Für Familien mit Kindern eignen sich ihm zufolge besonders die holländischen Zwerghühner, die die Grevers halten. Diese Rasse sei nicht nur handlicher als andere, sondern auch sehr zutraulich. „Für Kinder sind die schöner“, erklärt der Großvater, da die Kinder die kleinen Hühner problemlos auf den Arm nehmen können.

Neben den Erfolgen gibt es jedoch auch ernste Themen. Die Vogelgrippe und die Newcastle-Krankheit, eine hochgradig ansteckende und oft tödliche Viruserkrankung bei Hühnern, machen auch vor Hobbyzüchtern nicht halt. Mittlerweile müssen die Tiere alle sechs Wochen geimpft werden. Ein Ausbruch auf dem Hof wäre nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern vor allem ein emotionaler und züchterischer Totalschaden. „Wenn die Zuchttiere verloren gehen, ist das ein enormer Schaden. Es dauert Zeit, bis man sich eine entsprechende Linie herangezüchtet hat“, erklärt der Assmann. Einige Farbschläge – in der Geflügelzucht der Fachbegriff für die Farbe des Gefieders – , wie die kennfarbigen holländischen Zwerge, seien so selten, dass man fast von null anfangen müsste. Kennfarbig bei Hühnern bedeutet, dass das Geschlecht der Küken direkt nach dem Schlüpfen anhand ihrer Flaumfarbe und Zeichnung sicher bestimmt werden kann.

Zudem weiß die Familie, dass das Interesse bei Jugendlichen zwischen 16 und Mitte 20 oft etwas nachlässt, wenn andere Hobbys wie Fußball in den Vordergrund rücken. Doch die Erfahrung zeigt: Wer als Kind eine enge Bindung zu den Tieren aufgebaut hat, kehrt oft später in den Verein zurück – spätestens nach der Gründung einer eigenen Familie, wie es bei Mutter Stefanie der Fall war. Felix beispielsweise ist dem Hobby treu geblieben und altersbedingt in die Seniorengruppe des Vereins gewechselt.

Die Zukunft der Geflügelzucht im Hause Grever scheint gesichert. Die nächsten Hühnerexperten der Familie wachsen bereits heran. Stefanie Grever berichtet von ihrem Neffen und ihrer Nichte, beide im Grundschulalter, die ebenfalls schon auf dem Hof mit den Hühnern Kontakt haben. Auch sie lernen beim Eiersuchen das Zählen und haben bereits Küken ihre Namen gegeben. Auf dem Hof der Familie Grever ist die Geflügelzucht eben mehr als nur ein Hobby – sie ist ein lebendiges Stück Familientradition, das mit großer Leidenschaft von Generation zu Generation weitergegeben wird.

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