Osnabrück  Mythen im Faktencheck: Was sagt das Ei über das Huhn aus? Osnabrücker Experte klärt auf

Janis Sophie Grosser
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Von Janis Sophie Grosser
| 31.03.2026 09:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Welches Huhn legt welches Ei? Ein kurzer Faktencheck. Foto: dpa/Victoria Bonn-Meuser
Welches Huhn legt welches Ei? Ein kurzer Faktencheck. Foto: dpa/Victoria Bonn-Meuser
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Braune Federn, braune Eier – stimmt das? Gregor Bextermöller vom Kreisverband der Rassegeflügelzüchter in Osnabrück räumt mit fünf Mythen rund ums Hühnerei auf. Was Eifarbe und Stempelcode verraten.

Hühnereier gehören zu den alltäglichen Lebensmitteln, doch das Wissen über ihre Eigenschaften ist oft von überlieferten Halbwahrheiten geprägt. Ob es um die Bedeutung des Stempelcodes, die Färbung des Eidotters oder die angebliche Verbindung zwischen Gefieder- und Eierfarbe geht – vieles, was offensichtlich erscheint, hält einer genauen Prüfung nicht stand.

Gregor Bextermöller, Vorsitzender des Kreisverbandes der Rassegeflügelzüchter Osnabrück e. V., bringt als Experte Licht in dieses spannende Thema. Der folgende Faktencheck räumt mit fünf hartnäckigen Mythen rund um die Huhn-Ei-Beziehung auf und zeigt, welche biologischen Fakten wirklich dahinterstecken.

Falsch. Der Glaube, dass das Gefieder eines Huhns die Farbe seiner Eier bestimmt, ist weit verbreitet, aber unkorrekt. Laut Bextermöller ist dies vielmehr eine Frage der Anatomie am Kopf des Tieres: „Die Schalenfarbe der Eier ist von der Farbe der Ohrscheiben der Hühner abhängig.“ Ohrscheibe ist der Fachbegriff für jenen Teil des Huhns, den der Laie wohl als Ohrläppchen bezeichnen würde. Als Faustregel erklärt der Experte: „Hühner mit weißen Ohrscheiben legen weiße Eier, Hühner mit roten Ohrscheiben legen beigefarbene beziehungsweise überwiegend braune Eier.“ Die Gefiederfarbe spiele dabei überhaupt keine Rolle.

Falsch. Da die Ohrscheiben die Farben vorgeben und der Großteil der Tiere rote oder weiße Ohrscheiben besitzt, dominieren im Handel zwar Weiß und Braun, doch die Natur hat weit mehr zu bieten. Bextermöller stellt klar: „Hühnereier sind nicht immer weiß oder braun.“ Die Farbpalette reiche von Weiß, Beige, Mittelbraun und Dunkelbraun bis hin zu exotischeren Tönen wie Oliv und in äußerst seltenen Fällen sogar einem blassen Rosa. Der Experte nennt zwei konkrete Beispiele: „Marans, eine alte französische Rasse, legen schokoladenbraune Eier.“ Und:„Hühner der Rasse Araucana – nach den Araucana-Indianern in Chile benannt – legen türkisfarbene Eier“.

Wer allerdings hofft, am Ei sofort das Huhn erkennen zu können, wird enttäuscht. Bextermöller weist darauf hin, dass man „an der Farbe der Eier nicht auf Anhieb die Rasse erkennen“ kann und auch der Unterschied zwischen Rasse- und Hybridhuhn daran nicht direkt ersichtlich ist.

Richtig. Wenn man sich nun die Schale eines Eis genauer ansieht, verrät einem die Natur zwar nicht immer die Rasse, aber der aufgedruckte Code liefert garantierte Fakten zur Herkunft. Bextermöller bestätigt, dass es sich hierbei um eine EU-weite Verordnung handelt und der Code die Haltungsform angibt.

Der Code liefert zudem weitere Details, denn auch „das Erzeugerland und die Betriebsnummer des Produzenten sind im Code enthalten“.

Falsch. Während der Stempelcode viel über die Lebensbedingungen aussagt, lässt das Innere des Eis keine Rückschlüsse auf das Wohlbefinden des Tieres zu. Bextermöller verweist diesen Mythos deutlich ins Reich der Fabeln: „Die Farbe des Eidotters hat keine Aussagekraft auf die Qualität des Eis, noch auf den Gesundheitszustand der Henne.“

Verantwortlich für die Färbung sind stattdessen sogenannte Carotinoide. Diese Farbstoffe sind „vor allem in Gras, Mais und Paprika vorhanden“, werden aber auch durch die Futtermittelhersteller als Zusatzstoffe beigemischt.

Wer nach Indikatoren für den Gesundheitszustand sucht, sollte stattdessen wieder auf die Schale schauen. Zwar ist deren Grundstruktur leicht rasseabhängig, aber „wenn die Schale extreme Verformungen und eine sehr raue Oberfläche aufweist, so sind Kalk- und Nährstoffmangel die Ursache“, erklärt Bextermöller.

Richtig. Zum Abschluss noch ein Blick auf die Größe: Es stimmt tatsächlich, dass Hennen „im zweiten Lebensjahr und älter“ größere Eier legen. Das Alter ist jedoch nicht der einzige Faktor. Bextermöller betont: „Die Eigröße ist von Rasse zu Rasse unterschiedlich. Es legen nicht unbedingt die größten Hühner die größten Eier.“

Der Experte veranschaulicht dies an einem Beispiel: Die Rasse Brahma gehöre zu den größten Hühnerrassen, habe aber nur ein Brutei-Gewicht von 53 Gramm. Kleinere Italiener-Hühner hingegen legen 60 Gramm schwere Eier, während es verzwergte Rassen wie die Zwerg-Welsumer auf 47 Gramm bringen.

Eine genaue Größenklassifizierung – S, M, L, XL – suche man bei Hobbyzüchtern übrigens vergeblich: „Eine Klassifizierung gibt es in der Rassegeflügelzucht nicht. Die gibt es nur in der gewerblichen Hühnerhaltung.“

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