Sportpolitik IOC: Geschlechtertests und Olympia-Bann für Transfrauen

Christian Hollmann, dpa
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Von Christian Hollmann, dpa
| 26.03.2026 14:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das IOC fordert Geschlechtstests von allen Sportlerinnen für die Teilnahme an internationalen Wettbewerben. (Archivbild) Foto: Martial Trezzini/KEYSTONE/dpa
Das IOC fordert Geschlechtstests von allen Sportlerinnen für die Teilnahme an internationalen Wettbewerben. (Archivbild) Foto: Martial Trezzini/KEYSTONE/dpa
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Nach heftigen Geschlechter-Debatten im Sport beschließt das IOC neue Richtlinien: Athletinnen müssen sich einmalig vor Wettbewerben testen lassen. Verschärft werden die Regeln für Transfrauen.

Unter dem Druck des nächsten Olympia-Gastgebers Donald Trump verlangt das IOC künftig einen einmaligen Geschlechtertest von Sportlerinnen für die Teilnahme an Frauen-Wettbewerben. Transfrauen ist ein Start in den Frauen-Konkurrenzen von den Sommerspielen in Los Angeles 2028 an untersagt, wie das Internationale Olympische Komitee mitteilte. Die neue Richtlinie ist das Ergebnis einer von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry eingesetzten Arbeitsgruppe zum „Schutz der Frauen-Kategorie“.

„Die Zulassung für alle Wettkämpfe in Frauen-Kategorien bei den Olympischen Spielen oder anderen IOC-Veranstaltungen, einschließlich Einzel- und Mannschaftssportarten, ist nun auf biologische Frauen beschränkt“, heißt es in den neuen IOC-Bestimmungen. Diese seien laut Coventry von medizinischen Experten ausgearbeitet worden. Bei dem Geschlechtertest könne via Wangenabstrich oder Blutabnahme zuverlässig festgestellt werden, ob eine Sportlerin eine männliche Geschlechtsentwicklung durchlaufen habe.

„Bei den Olympischen Spielen können selbst kleinste Unterschiede über Sieg oder Niederlage entscheiden. Es ist daher völlig klar, dass es nicht fair wäre, wenn biologische Männer in der Frauenklasse antreten würden. Zudem wäre dies in manchen Sportarten schlichtweg nicht sicher“, erklärte die IOC-Präsidentin, die selbst Doppel-Olympiasiegerin im Schwimmen ist.

Für IOC-Chefin Kirsty Coventry ist der Schutz der Frauen-Kategorie ein Kernthema. (Archivbild) Foto: Peter Kneffel
Für IOC-Chefin Kirsty Coventry ist der Schutz der Frauen-Kategorie ein Kernthema. (Archivbild) Foto: Peter Kneffel

Die neuen Richtlinien gelten nicht rückwirkend und sollen nach dem Willen keine Anwendung im Breiten- und Freizeitsport finden. Der IOC-Beschluss kommt den Forderungen von US-Präsident Trump entgegen. Dieser hatte immer wieder versprochen, „Männer aus dem Frauensport herauszuhalten“.

Anfang des Vorjahres hatte der Republikaner ein Dekret unterzeichnet, das Transmenschen von der Teilnahme am Frauensport ausschließt. Das Olympische und Paralympische Komitee der USA hatte Mitte 2025 seine „Athleten-Sicherheits-Richtlinien“ so überarbeitet, dass Transfrauen die Teilnahme an olympischen Sportarten de facto verboten ist.

Hitzige Debatte um Boxerin Imane Khelif

Auslöser für die Diskussionen und die nun verschärfte IOC-Politik war eine Geschlechterdebatte bei den Sommerspielen in Paris 2024, in deren Zentrum die Olympiasiegerinnen Imane Khelif und Lin Yu-ting standen. Beide waren zuvor vom Weltverband Iba von der WM ausgeschlossen worden, da sie auf der Basis eines nicht näher erklärten Geschlechtertests angeblich die Teilnahme-Kriterien nicht erfüllt hatten.

Bei Olympia durften beide starten. Der damalige IOC-Präsident Thomas Bach sagte unter Verweis auf die damals geltenden Regeln: „Es bestand nie ein Zweifel daran, dass sie Frauen sind.“ Khelif betonte zuletzt noch einmal: „Ich bin keine Transsexuelle, ich bin ein Mädchen.“ Transmenschen oder Transgender sind Personen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde.

Test muss nur einmal gemacht werden

Khelif kündigte bereits vor der Neuregelung des IOC an, sich vor Olympia 2028 in Los Angeles einem Geschlechtertest zu unterziehen. Laut der neuen IOC-Richtlinie müssen Athletinnen nur einmal den Test vornehmen lassen, sofern es keine Zweifel am Ergebnis gibt. Danach seien sie dauerhaft für Wettbewerbe zugelassen, hieß es.

Boxerin Imane Khelif stand bei Olympia in Paris im Zentrum einer Geschlechterdebatte. (Archivbild) Foto: Mauro Pimentel/AFP/dpa
Boxerin Imane Khelif stand bei Olympia in Paris im Zentrum einer Geschlechterdebatte. (Archivbild) Foto: Mauro Pimentel/AFP/dpa

Offiziell hatte in Paris 2024 keine Frau, die als Mann geboren wurde, an den Spielen teilgenommen. 2021 in Tokio hatte die Teilnahme von Laurel Hubbard im Gewichtheben viel Aufsehen erregt. Die Neuseeländerin lebte 35 Jahre lang mit einer männlichen Zuschreibung, trat bei den Sommerspielen in Japan nach einer Geschlechtsanpassung aber im Frauen-Wettkampf an.

Das IOC stellte in seinen neuen Richtlinien fest, dass als Männer geborene Sportler körperliche Vorteile haben, die sie auch nach der Geschlechtsanpassung als Frau behalten. In Männer-Wettbewerben oder Events, in denen es keine Einteilung nach Geschlecht gibt, dürften Transfrauen auch in Zukunft nach erfolgreicher Qualifikation starten.

Fall Caster Semenya sorgte für Aufregung

In der Leichtathletik hatte es in jüngerer Vergangenheit viel Aufregung um den Fall Caster Semenya gegeben. Die dreimalige Weltmeisterin kämpfte dagegen, sich vor Starts einer Hormonbehandlung zur Senkung ihres natürlichen Testosteronspiegels zu unterziehen. Sie betonte, sie sei eine Frau. Nach Angaben in ihrer Autobiografie hat sie keine Gebärmutter und keinen Eileiter.

Als Reaktion auf die Debatten durften bei den Weltmeisterschaften im Boxen in Liverpool und in der Leichtathletik in Tokio im vergangenen Jahr nur Sportlerinnen in der Frauen-Kategorie starten, die sich einem sogenannten SRY-Gentest zur Bestimmung des biologischen Geschlechts unterziehen und das Ergebnis „weiblich“ vorweisen. 

Die Sportlerinnen werden bei diesem Test auf ein Gen auf dem Y-Chromosom untersucht, das für die Entwicklung männlicher Geschlechtsmerkmale entscheidend ist. Auch das IOC will diese Methode anwenden. Diese sei verlässlich und im Vergleich zu anderen Optionen nicht invasiv.

Scharfe Kritik von Menschenrechtlern

Unter Athletinnen gehen die Meinungen über das Vorgehen auseinander, viele deutsche Sportlerinnen äußerten sich kritisch zu Geschlechtertests. Eine große Gruppe von Menschenrechtsorganisationen hatte das IOC vorab mit scharfen Worten aufgefordert, die Regel nicht in Kraft zu setzen.

Die Kritiker verweisen darauf, dass die Tests die Privatsphäre verletzen würden. Die bloße Fokussierung auf biologische Merkmale werde zudem der Komplexität der Geschlechtsidentität nicht gerecht. „Geschlechtsspezifische Kontrollen und Ausgrenzung schaden allen Frauen und Mädchen und untergraben genau jene Würde und Fairness, für die sich das IOC angeblich einsetzt“, sagte die Direktorin der „Sport & Rights Alliance“, Andrea Flores.

Schon früher gab es in der olympischen Welt Geschlechtertests. So führte das IOC vor den Olympischen Spielen 1968 Abstrich-Tests zur Bestimmung der Geschlechts-Chromosomen ein. Nach Problemen und Widerständen stellte das IOC die generelle Testung 1999 ein.

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