Berlin So werden wir glücklich wie die Finnen – ein Besuch beim Botschafter
Zum neunten Mal in Folge ist Finnland das Land mit den glücklichsten Menschen. Wie machen sie das? Wir haben den finnischen Botschafter in Berlin gefragt.
Ins Besprechungszimmer in der finnischen Botschaft in Berlin kommt der Botschafter des glücklichsten Landes der Welt zum Gespräch an diesem denkwürdigen Donnerstag. Zum neunten Mal in Folge ist Finnland laut dem World Happiness Report auf Platz eins gelandet. Deutschland hat sich von Rang 22 auf Rang 17 verbessert, immerhin. Aber da ist noch Luft nach oben. Wie also wird man zufrieden wie ein Finne?
Botschafter Kai Sauer bietet Kaffee an, nimmt Platz, er ist eher der ernste Mann, groß, dunkle Augen. Neben dem Besprechungsraum befindet sich die Sauna der Botschaft. Doch von all den Verweisen auf die Leidenschaft der Finnen für Eisschwimmen, das Saunieren als Volkssport, die schöne Natur, die vielen Seen hält Sauer als Erklärung nicht so viel.
Aus seiner Sicht gibt es so viele verschiedene „Glücklichkeiten“, wie es Länder gibt. Das südamerikanische Costa Rica, kein reiches Land, liegt immerhin im Ranking auf Platz vier. Er habe auch die Erfahrung gemacht, dass Länder, in denen viel gelächelt wird, nicht unbedingt die glücklichsten sind.
Bei den Finnen aber sei es so, dass „sie schon die Abwesenheit von Unglück als Glück empfinden“. „Der Finne, als Mensch und auch als Staat, legt großen Wert auf seine Privatsphäre und Integrität. Und wenn das respektiert wird, ist er schon ganz zufrieden.“ Sind die Finnen also einfach nur bescheidener als alle anderen? Und während sie glücklich sind in ihrem Land, wäre ein Deutscher, nach Finnland verpflanzt, genauso miesepetrig wie daheim? Dann könnte Deutschland sich eigentlich nicht verbessern.
Sauer sieht aber noch einen anderen Grund für die Zufriedenheit der Finnen. Sie hätten, und das bestätigt der Report, ein großes Vertrauen in ihre staatlichen Institutionen, und diese würden auch einiges unternehmen, damit das so ist. Die Finnen mögen ihre Beamten! Die Finanzämter etwa hätten vor einigen Jahren eine große Image-Kampagne gestartet: Der Finanzbeamte als Freund und Helfer und nicht als Endgegner in einem Zettelkrieg.
Die gelungene Digitalisierung der Verwaltungen sorge außerdem dafür, dass die Menschen wenig Berührungspunkte hätten mit Behörden und Bürokratie. In Deutschland, so komme es ihm vor, sei das wohl noch anders. Diplomatischer hätte man es wohl nicht formulieren können.
Aber offensichtlich ist ja etwas in Bewegung gekommen, wenn Deutschland um ganze fünf Plätze vorgerückt ist. Vielleicht tüftelt Finanzminister Lars Klingbeil schon an der Plakatkampagne: „Dein Finanzbeamter und du. Da passt kein Blatt Papier dazwischen.“ Da geht noch was! Finnland, wir kommen!