Kriminalität So lief die Großkontrolle auf dem Rastplatz Rheiderland
Mehrere Behörden unter Führung der Autobahnpolizei Leer haben auf dem Rastplatz Rheiderland zahlreiche Verkehrsteilnehmer kontrolliert. Wir waren vor Ort und erläutern, wie das Ganze ablief.
Leer - Koffer und Taschen liegen auf dem Boden des Rastplatzes Rheiderland an der Autobahn 31. Sie wurden gerade von Beamten des Zolls und der Polizei aus einem Transporter geholt. Jetzt ist Drogenspürhund Barry an der Reihe. Aufgeregt schnüffelt er an den Gepäckstücken. Dann leitet ihn sein Hundeführer vom Zoll zum Fahrzeug. Der Kofferraum wird überprüft. Barry stellt sich auf die Hinterpfoten und macht sich an die Arbeit. Wenig später ist klar: In diesem Auto sind keine Drogen zu finden. „Wenn er etwas entdeckt hat, friert Barry ein“, erklärt sein Hundeführer.
An diesem Freitag, 13. März 2026, sind Dutzende Beamte auf dem Rastplatz in Fahrtrichtung Leer im Einsatz. Unter der Federführung der Autobahnpolizei Leer gehen ab 14 Uhr mehrere Behörden gegen grenzüberschreitende Kriminalität vor, wie Melina Trey, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, erläutert. Vor Ort sind Einsatzkräfte der Polizeidirektion Osnabrück, der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen, des Hauptzollamtes, des Grenzüberschreitenden Polizeiteams, der Bundespolizei sowie Beamte des Ordnungsamtes vom Landkreis Leer und der Steuerfahndung Oldenburg. Auch drei Spürhunde sind vor Ort – zwei zur Suche nach Drogen und einer zur Suche nach Bargeld.
So wählen Beamte die Fahrzeuge aus – und darum geht es bei der Aktion
An der Einfahrt zum Rastplatz stehen zwei Polizeibeamte und winken einzelne Fahrzeuge raus. „Wen man rauswinkt, entscheidet meist das Bauchgefühl“, sagt ein anderer Beamter auf dem Parkplatz. Kontrolliert werde stichprobenartig, erklärt Melina Trey. Nicht alle Verkehrsteilnehmer müssen auf den Rastplatz abbiegen. Es gehe unter anderem um die Bekämpfung von Betäubungsmittelkriminalität und Autoverschiebung, aber auch um Urkunden-, Eigentums- sowie Schleusungskriminalität.
Ein paar Meter weiter wird gerade der Kofferraum eines Autos unter die Lupe genommen. „Wir suchen nach illegalen Substanzen, nach großen Mengen Bargeld, aber auch Waffen“, erklärt ein Beamter des Zolls. Fündig werden sie hier nicht. Der Autofahrer nimmt die Kontrolle gelassen. „Es gehört dazu“, sagt er. „So etwas muss ja gemacht werden.“ Andere ärgern sich hingegen über den Zeitverlust auf dem Weg in den Feierabend. Ungehalten wird allerdings niemand.
Von fehlendem Verbandskasten bis Röntgenwagen
„Ich nehme nie wieder dieses Auto“, sagt eine Frau, die gerade mit einem modernen weißen Audi in die Kontrolle geraten ist. Es wirkt, als ob sie das Familienauto sonst nicht fährt. Man merkt ihr auch an, dass sie das Ganze schnell hinter sich bringen will. „Ich wurde noch nie kontrolliert“, sagt sie. Verbotenes finden die Beamten hier ebenfalls nicht. Nur der vorgeschriebene Verbandskasten fehlt. Die mögliche 20-Euro-Strafe muss die Frau aus dem Kreis Leer nicht zahlen, sie bekommt eine mündliche Verwarnung. „Die 20 Euro kann sie in einen neuen Verbandskasten investieren“, sagt der Beamte.
Immer werden Koffer und Taschen zu einem Fahrzeug am Rand des Rastplatzes gerollt oder getragen. Es ist ein mobiler Röntgenwagen des Zolls. Wie am Flughafen werden die Koffer auf der einen Seite auf ein Laufband gelegt und dann durchleuchtet. „Organische Substanzen wie Lebensmittel und Kleidung mit einer geringeren Dichte werden heller dargestellt“, erklärt ein Zollbeamter, der an einem Monitor die Ergebnisse begutachtet. Metallteile hingegen sind in blauer Farbe zu sehen. Auch hier werde nach Drogen, Waffen, Zigaretten oder Bargeld gesucht. Der mobile Röntgenwagen ist eigentlich in Bremerhaven stationiert. „Dort sind wir häufig am Hafen im Einsatz“, sagt der Beamte. Allerdings kontrolliere man auch bei Festivals oder bei Großkontrollen wie jetzt im Rheiderland. „Der Vorteil ist die große Zeitersparnis“, sagt er. Koffer und Taschen bräuchten nicht extra aufgemacht zu werden.
Spezialist zur Kontrolle von Dokumenten vor Ort
Auch die Ladungssicherung wird an diesem Nachmittag kontrolliert. Auf einem Kleintransporter stehen auf der Ladefläche zwei kleine Container, der Anhänger ist hingegen leer. Dadurch ist allerdings der Kleintransporter zu schwer. Der Fahrer und sein Begleiter müssen einen Container auf den Anhänger wuchten. Sie seien privat unterwegs gewesen, hätten sie zu Beginn der Kontrolle gesagt, erläutert ein Beamter. Es stellte sich jedoch heraus, dass es eine gewerbliche Tour ist. Nachdem sie die Ladung ausreichend gesichert haben, dürfen sie zwar weiterfahren. Es kommt aber noch eine Strafzahlung auf sie zu.
Unter den vielen Beamten ist auch ein Mann, der ein Auge für gefälschte Dokumente hat. Egal ob Reisepass, Personalausweis oder Tüv-Plakette, er nimmt sie genau unter die Lupe. Gut eine Stunde nach Beginn der Kontrolle hat er aber noch keine Fälschung entdeckt.
Zwischenbilanz am Nachmittag: Verstöße bei Aufenthalt und Tierschutz
Verstöße gibt es dennoch. So wurde ein illegaler Aufenthalt in Deutschland sowie ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz festgestellt, zieht Melina Trey gegen 15.30 Uhr eine Zwischenbilanz. Nach Informationen vor Ort wurden in einem Kleintransporter lebende Hühner in Kartons gefunden. Außerdem sei die Ladung nicht ausreichend gesichert gewesen.
Solche Großkontrollen werden regelmäßig durchgeführt. „Dadurch wird ein gewisser Kontrolldruck aufgebaut“, erklärt die Pressesprecherin. Ein positiver Nebeneffekt sei zudem, dass die Zusammenarbeit der einzelnen Behörden gestärkt werde. Bis in den Abend hinein kontrollieren die Beamten noch auf dem Rastplatz Rheiderland. Im Anschluss wird dann Bilanz der Großkontrolle gezogen.