Osnabrück  Osnabrücker Tätowierer erklärt: Diese Tattoos liegen aktuell total im Trend

Franziska Blattner
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Von Franziska Blattner
| 15.03.2026 15:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Weg von Standardmotiven, hin zu Individualität und Qualität: Im Vacuo-Studio in Osnabrück werden Tattoo-Wünsche spezifischer. Was ist derzeit besonders gefragt? Wir haben uns bei Artist und Inhaber Fabian Semrau erkundigt.

Trends kommen und gehen – das gilt für Frisuren und Kleidungsstile ebenso wie für Tattoos. Letzteres jedoch bleibt in der Regel für immer unter der Haut und sollte daher wohlüberlegt sein. Welche Tattoos sind momentan besonders beliebt?

Aktuell sind es unter anderem Fineline- und Realismus-Tattoos, erklärt Fabian Semrau, Artist und Inhaber des Tattoo-Studios Vacuo in Osnabrück. Kunden setzen zunehmend auf konkrete Stilwünsche und eine persönliche Note statt auf Standardmotive. Lettering, also Schriftzüge jeglicher Art, aber auch „größere Geschichten“, die sich „Concept Art“ nennen und auf einem Konzept basieren, statt nur ein einzelnes Motiv abzubilden, seien ebenso gefragt wie die zeitlosen „Oldschool-Tattoos“, also größere Motive mit dickeren Linien und viel schwarzer Fläche.

Im Vergleich zu noch vor wenigen Jahren seien die Anfragen für Tattoo-Wünsche im Studio sehr viel spezifischer geworden. Ein Grund dafür sei, dass bei Vacuo jeder Tätowierer seinem eigenen Stil treu bleibt. „Die Kunden wissen mittlerweile, was sie bei uns bekommen können“, sagt Semrau. Dadurch wachse das Vertrauen zum Tätowierer.

Zwar gibt es Motive wie etwa Schmetterlinge, Löwen oder Taschenuhren, die zeitlos sind und immer wieder gewünscht werden, jedoch werde dies zunehmend weniger. Die Körperkunst ist viel individueller, aber auch extremer geworden, so der Artist. Als Beispiel nennt er den „Blackout“-Tattoo-Stil, welcher sich immer weiter ausbreitet. Dabei werden ganze Körperteile geschwärzt und Arme oder Beine lückenlos in schwarze Farbe gehüllt.

Diese Trends seien „global sehr ähnlich verbreitet“, erklärt Semrau. „Es gibt zwar Länder, die immer noch etwas hinterher sind“, erzählt der Besitzer vom Vacuo-Studio. „Die globalen Kontraste bei Trends, die es früher gab, sind aber nicht mehr so stark.“

Der Altersdurchschnitt der Kunden, die sich für die aktuell sehr beliebten Fineline-Tattoos entscheiden, liegt bei Anfang bis Mitte 20, berichtet Semrau. Anders, als man es vielleicht erwarten mag, gebe es wenig Unterschiede bei der Motivauswahl der älteren im Vergleich zur jüngeren Generation. Auch hier werde sich den Trends ein Stück weit angepasst.

Was jedoch auffalle: Männer tendieren eher zu großen Motiven und ganzen „Sleeve-Konzepten“ – was bedeutet, dass zum Beispiel ein ganzer Arm zusammenhängend bedeckt ist. Sie gehen also oft „all in“, sagt Fabian Semrau. Die weibliche Kundschaft hingegen habe eine Vorliebe zu vereinzelten, kleineren Motiven, dem sogenannten „Patchwork“.

Wenn man sich die Welt der Farbe anschaut, liege der Trend ganz klar bei schwarzer Tinte. Farbtattoos seien ein spezielleres Feld, dessen Nachfrage leicht zurückgegangen ist.

Das klassische „Arschgeweih“ der späten 1990er-Jahre dürfte vielen noch bekannt sein. Ähnlich wie die Schlaghose kam auch dieser Trend wieder: Heutzutage ist es jedoch keine Jugendsünde mehr. Tribals, die als abgewandelte Form des „Arschgeweihs“ gestochen werden, sind beliebter denn je. Auch Oldschool-Tattoos sind – entgegen des Namens – längst wieder angesagt.

Für die Zukunft sieht Semrau „ganz feine Tattoos eher auf der Kippe“. Es würde wieder kräftiger und experimentierfreudiger werden. Vom starken Minimalismus, der die letzten Jahre sehr gefragt war, sei man schon wieder weiter weg.

Gibt es heute eigentlich noch „Tabus“ oder Motive, die gesellschaftlich als gewagt gelten? Laut dem Tätowierer geht es dabei eher um Körperregionen als um spezielle Motive. „Hals und Hand sind immer noch die seltenen Stellen.“

Es sei jedoch ein gesellschaftlicher Wandel spürbar, auch Arbeitgeber würden entspannter werden. Polizisten etwa lassen sich bis zum Handgelenk tätowieren, ein angehender Beamter zum Beispiel sagte Semrau, dass er sich nach seiner Verbeamtung die Hand vornehmen wolle. Insgesamt sei die Gesellschaft toleranter und offener geworden, das Interesse an Tattoos sei gestiegen.

„Kunden wollen etwas finden, was kein anderer so auf der Haut trägt“, weiß Semrau. „Die Leute werden kreativer.“ Trotz aller Trends ist es dem Vacuo-Studio wichtig zu betonen, dass ein Tattoo nicht aufgrund eines kurzweiligen Trends gestochen werden sollte, „sondern vielmehr ein Ausdruck und Spiegel deiner Selbst sein sollte.“ Für Fabian Semrau ist es daher eine positive Entwicklung, dass Tattoos immer mehr als Kunst angesehen werden. Körperkunst eben.

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