Busbrand „Alles ging so schnell“ - Busbrand schockiert die Schweiz
Sechs Tote und viele offene Fragen: Ein Linienbus brennt völlig aus. Der Vorfall löst Entsetzen aus - auch weil die Schweiz noch immer um die Opfer des Infernos von Crans-Montana trauert.
Nur wenige Monate nach dem tödlichen Brand in einer Bar in der Schweiz wird das Land von einem weiteren Inferno erschüttert. Bei einem Feuer in einem Linienbus starben nach Angaben der Polizei in Kerzers im Kanton Freiburg sechs Menschen, fünf Menschen wurden verletzt.
Augenzeugen sprachen laut Medienberichten von einem Mann, der sich am Dienstagabend in dem Bus angezündet habe. Die Kantonspolizei Freiburg sagte dazu vorerst nur so viel: Er werde eine vorsätzliche Tat vermutet. Es lägen aber derzeit keine Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund vor, erklärte Martial Pugin, Kommunikationschef der Kantonspolizei Freiburg im öffentlich-rechtlichen Radio RTS. „Zeugenaussagen werden angehört, um die genauen Umstände des Dramas zu ermitteln“, sagte der Sprecher.
Beklemmende Bilder und Aussagen von Augenzeugen
Schweizer Medien wie „Blick“ und „20 Minuten“ verbreiten mutmaßliche Augenzeugen-Videos von dem Inferno. Die Aufnahmen sind beklemmend. Eines der Videos zeigt, wie der Bus an einem Zebrastreifen in Kerzers steht. Zunächst steigt dunkler Rauch aus dem Fahrzeug in den Abendhimmel. Dann flackern auch Flammen auf. Aus einer anderen Perspektive ist zu sehen, dass das Feuer zunächst offenbar in der Mitte des Busses loderte. In einer weiteren Aufnahme brennt bereits das ganze Fahrzeug lichterloh. Die Videos konnten nicht unabhängig verifiziert werden.
„Alles ging so schnell - und dann stand binnen Augenblicken alles in Flammen“, sagte ein Zeuge, dessen Autowerkstatt unweit des Unglücksortes liegt. „Von der Hitze explodierten sogar die Reifen und flogen bis zu 200 Meter weit“, erzählte er der Zeitung „Blick“.
Ein Rentner, der neben dem Brandort im Zentrum von Kerzers wohnt, schilderte gegenüber „Blick“, dass ein Mann mit einem Stein eine Scheibe des Busses eingeschlagen habe. Kurz darauf habe sich jemand aus dem Fahrzeug befreien können. „Das ist einfach nur schlimm und traurig“, sagte er.
Viele offene Fragen
Sechs Menschen kamen ums Leben. Wer sie sind, und ob auch der mutmaßliche Auslöser des Brandes darunter war, blieb vorerst unklar. Die Identifizierung der Leichen werde mehrere Tage dauern, sagte ein Sprecher der Kantonspolizei Freiburg der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren eröffnet. Die Behörden wollen um 14.00 Uhr über die aktuelle Lage informieren.
Fünf weitere Personen, darunter ein Sanitäter, wurden verletzt. Zwei davon wurden schwer verletzt, wie Keystone-SDA unter Berufung auf die Polizei berichtete.
Der völlig ausgebrannte Bus gehört dem Unternehmen Postauto, das in der Schweiz vor allem ländliche Gebiete verbindet. Der Bus verkehrte auf einer Strecke zwischen den zwei kleinen Gemeinden Düdingen und Kerzers.
„Die Gemeindebehörde von Kerzers bekundet ihre Betroffenheit mit den Familien und Angehörigen der Opfer“, hieß es auf der offiziellen Homepage des Ortes. Die Gemeinde mit knapp 5.600 Einwohnern liegt in einem der wichtigsten Gemüseanbau-Gebiete der Schweiz.
Nächstes Inferno nach Brand von Crans-Montana
Die Schweizer Politik reagierte entsetzt. Im etwa 26 Kilometer entfernten Bern gedachten beide Kammern des Parlaments der Todesopfer, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. „Wie aus dem Nichts nimmt eine alltägliche Situation eine unvorstellbare Wende, vielleicht auf dem Heimweg von der Arbeit oder von der Schule“, sagte Stefan Engler, der Präsident des Ständerates, in dem die Schweizer Kantone vertreten sind. „Dieses tragische Ereignis erschüttert nicht nur eine Region, einen Kanton, sondern weit darüber hinaus“, sagte Nationalratspräsident Pierre-André Page.
Der Busbrand folgt auf das Silvester-Inferno von Crans-Montana, das noch immer die Öffentlichkeit und die Behörden in der Schweiz beschäftigt. Zum Jahreswechsel brach in einer Bar ein verheerender Brand aus. Es gab 41 Todesopfer, Dutzende Menschen wurden verletzt. „Es bestürzt mich und macht traurig, dass wiederum Menschen in der CH (Schweiz, Anm.) bei einem schweren Brand ums Leben gekommen sind“, schrieb Bundespräsident Guy Parmelin auf der Plattform X.