Landkreis Leer Kreisrätin gewählt – CDU zieht nicht mit
Der Kreistag Leer hat Dr. Anna Meincke mit 33 Stimmen gewählt. CDU moniert das Verfahren – auch der Applaus im Sparkassenforum fällt spürbar geteilt aus.
Leer - Als „Führungspersönlichkeit mit Wurzeln in Leer“, die einen „exzellenten Eindruck hinterlassen“ habe, beschrieb Landrat Matthias Groote seine neue Allgemeine Vertreterin: Dr. Anna Meincke wurde am Montag, 9. März 2026, vom Kreistag zur neuen Ersten Kreisrätin gewählt. 28 Stimmen mussten es mindestens sein, tatsächlich stimmten 33 Kreistagsmitglieder für Meincke. 18 enthielten sich der Stimme – die CDU kritisierte das Auswahlverfahren.
Offenbar fühlte sich die Fraktion im Vorfeld übergangen. „Es wurde vom Landrat zugesagt, dass wir fraktionsübergreifend miteinander sprechen und gemeinsam nach einer geeigneten Kandidatin oder einem geeigneten Kandidaten suchen“, sagte Fraktionsvorsitzende Grietje Oldigs-Nannen. Das habe jedoch nicht stattgefunden. Es liege ein Vorschlag vor, der allein vom Landrat getroffen wurde. Damit begründete Oldigs-Nannen die Enthaltung ihrer Fraktion, doch auch bei Moin und AfD hoben nicht alle die Hand für die neue Erste Kreisrätin.
SPD/Grüne weisen Vorwürfe zurück und werben für Zusammenarbeit
Helmut Geuken (Gruppe SPD/Grüne) widersprach in einer Antwort der Darstellung der CDU: „Für uns gab es keinen Moment, in dem wir daran gezweifelt haben, nicht richtig informiert zu werden.“ Zu einer guten Zusammenarbeit gehöre, dass man selbst ebenfalls „über den eigenen Schatten springen könne“, so Geuken. Die angekündigte Enthaltung bewertete er als „ganz schlechten Weg“ und appellierte an die CDU: „Überlegen Sie sich das noch mal.“
Es folgte die Abstimmung per Handzeichen, dann wurde Dr. Anna Meincke in den Sitzungsraum im Sparkassenforum geholt. Beim Applaus zur Begrüßung der neuen Spitzenkraft in der Kreisverwaltung enthielten sich wiederum viele Abgeordnete oder sie klatschten eher müde. Für Beobachter war der Beifall auf der Seite der Gruppe SPD/Grüne jedenfalls hörbar lauter als auf der anderen Seite, wo die Mitglieder von CDU, FDP, Moin und AfD sitzen.
Meincke wechselt zum 1. Juli aus der Staatskanzlei ins Kreishaus
Nach dem Ende der Sitzung erschienen dennoch nahezu alle Kreistagsabgeordneten, um Meincke zur Begrüßung die Hand zu reichen, sie „herzlich willkommen“ zu heißen und „auf gute Zusammenarbeit“ zu wünschen. Die neue Erste Kreisrätin wird ihren Dienst im Kreishaus zum 1. Juli 2026 antreten. Derzeit leitet sie die Stabsstelle Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in der niedersächsischen Staatskanzlei. Übergeordnet sind lediglich der Chef der Staatskanzlei, Frank Doods, und Ministerpräsident Olaf Lies. Der Stabsstelle selbst sind drei Referate zugeordnet.
Meincke stellte sich in der Sitzung kurz vor. Leer sei nicht „irgendein Landkreis“ für sie, denn ihre Mutter sei Leeranerin und sie selbst habe als Kind jeden Sommer in der Stadt verbracht. Daher habe sie sich bewusst für ihren neuen Arbeitsort entschieden. Aufgewachsen ist sie in Süddeutschland. Anders als ihre Vorgängerin Jenny Daun wird Meincke nicht das Baudezernat führen, sondern das Dezernat 1, zu dem die Kämmerei sowie Digitalisierung und Wirtschaft gehören. Meincke kündigte als Ziele an, die Handlungsfähigkeit zu sichern, Bürokratie abzubauen und mit allen Beteiligten zusammenzuarbeiten.
Neuer Dezernent Jörn Reich übernimmt Bauen und Umwelt
Ebenfalls neu gewählt, und dieses Mal von allen, wurde der Bauoberrat Jörn Reich, der vom Niedersächsischen Landesamt für Bau und Liegenschaften, Staatliches Baumanagement Region Nord-West in Aurich, übernommen wurde. Gebürtig aus Dielerheide im Rheiderland, übernimmt Reich das bisherige Dezernat von Jenny Daun, Bauen und Umwelt. Ihr dankte Reich in einem Statement für ihre langjährige Arbeit. Er versprach den Fraktionen „eine konstruktive Zusammenarbeit“ und die „aktive Mitgestaltung des Landkreises als moderne und lebenswerte Heimat“.