Alpiner Weltcup Frust im Kugel-Kampf: Ski-Juwel Aicher hadert
Für Emma Aicher enden die Tage in Val di Fassa mit einer bitteren Nullnummer. Was geht noch im Kampf um die Kristallkugeln? Für den DSV-Sportchef ist der Olympia-Star schon jetzt eine „Kultfigur“.
Emma Aicher saß tief enttäuscht in einer Ecke des Zielraums. So hatte sich das deutsche Ski-Juwel den Abschluss des Speed-Wochenendes in Val di Fassa nicht vorgestellt. „Ich bin einfach nur angepisst von mir selbst heute“, sagte die zweimalige Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo später dem ZDF.
Mit ihrem Aus im Super-G hat sich Aicher eine empfindliche Nullnummer im Kampf um den Gesamtweltcupsieg geleistet. Mikaela Shiffrin fuhr beim Heimerfolg der Italienerin Elena Curtoni zwar auch nur auf Rang 23. In die finalen Wochen der Saison geht der US-Superstar nun aber wieder als klare Favoritin auf die große Kristallkugel - und mit 125 Punkten Vorsprung auf Aicher.
„Dummer“ Fehler kostet wertvolle Punkte
So vielversprechend die Tage in den Dolomiten für Aicher begonnen hatten, so frustrierend gingen sie zu Ende. Platz zwei in der ersten Abfahrt am Freitag, Rang zwölf in der zweiten am Samstag - dann der grobe Schnitzer am Sonntag. „Dumm“ sei ihr Fahrfehler gewesen, sagte die 22-Jährige. Sie war an einer Bodenwelle ausgehoben worden und hatte den Kurs nicht mehr halten können. „Das sollte nicht passieren“. Und kostete sie wertvolle Punkte im Kugel-Kampf.
Kann sie Shiffrin im Gesamtweltcup trotzdem noch abfangen? Die dreimalige Olympiasiegerin und achtmalige Weltmeisterin tritt mittlerweile fast nur noch in den technischen Disziplinen an. Da ihr Aicher im Rennen um die große Kristallkugel zuletzt aber immer näher gekommen war, hatte sie sich kurzfristig dazu entschlossen, auch den Super-G in Val di Fassa zu bestreiten.
Vor dem Saisonfinale in Norwegen stehen noch ein Riesenslalom und ein Slalom im schwedischen Are an. Hier könnte Shiffrin entscheidende Weichen stellen und Kurs auf ihren insgesamt sechsten Triumph im Gesamtweltcup nehmen.
In Abfahrts-Wertung knapp hinter Pirovano
Sie freue sich darauf, nach Schweden, ihr Geburtsland und die Heimat ihrer Mutter, zu fahren, sagte Aicher. Erst mal den Kopf freibekommen - und dann rein in den Endspurt. Womöglich gibt’s ja doch noch ein furioses Finale.
Im Abfahrts-Weltcup jagt der neue deutsche Alpin-Star jetzt nicht mehr die bei Olympia schwer gestürzte und verletzte Amerikanerin Lindsey Vonn, sondern die Italienerin Laura Pirovano. 28 Punkte liegt das Duo auseinander. Pirovano sei ja auch „keine Seriensiegerin“, sagte Wolfgang Maier, der langjährige Sportchef des Deutschen Skiverbands, im ZDF. Entscheiden am Ende die Nerven?
DSV-Sportchef Maier adelt die „Kultfigur“
Geht es nach Maier, sollte sich Aicher im Saisonendspurt ohnehin nicht zu sehr unter Druck setzen. Die Entwicklung der jungen Allrounderin könne man „nur in höchstem Maße wertschätzen“, meinte er. Aicher sei nicht nur für die Deutschen, sondern den gesamten Skisport „ein Glücksfall“, so der 65-Jährige. „Die Art und Weise, wie sie den Sport repräsentiert, trifft viele Menschen.“ Sie werde allmählich schon eine Art „Kultfigur“, meinte Maier. „Wenn du das Wort Emma sagst, verbindet jeder Emma Aicher, die Skifahrerin, damit.“
So viel scheint sicher: Aicher wird sich auch im Showdown um die Kristallkugeln nicht verbiegen. Ob sie die Welle, die sie in Val di Fassa vom Kurs abbrachte, länger besichtigen sollen hätte? „Wenn ich länger besichtige, habe ich sowieso nur Scheiße im Kopf“, sagte der Olympia-Star in gewohnt trockener Art. Abhaken und dranbleiben, heißt das Motto. Für das Finale im Kugel-Kampf.