Fußball-Bundesliga Wolfsburg räumt auf: Trainer und Sportchef weg
Mit einem der teuersten Kader der Bundesliga droht dem VfL Wolfsburg der Abstieg. Deshalb greift der Verein jetzt massiv durch. Neben dem Trainer muss auch der Geschäftsführer gehen.
Der VfL Wolfsburg hat im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga zu einer Radikalmaßnahme gegriffen. Nach dem 1:2 (1:1) gegen den Hamburger SV muss neben Trainer Daniel Bauer auch der Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen gehen.
Neuer Chefcoach soll nach übereinstimmenden Medienberichten ein alter Bekannter werden: Dieter Hecking. Hecking führte die Wolfsburger 2015 zum DFB-Pokalsieg und in die Champions League. Jetzt soll er den ersten Abstieg seit der Wolfsburger Bundesliga-Premiere 1997 verhindern. Mit einem der teuersten Kader der Liga ist der VfL nur noch Tabellenvorletzter.
Christiansen schon lange in der Kritik
Wolfsburgs Aufsichtsratsvorsitzender Sebastian Rudolph lobte Christiansens Arbeit für die Fußballerinnen des VfL. „Bei den Männern fehlten leider die sportlichen Ergebnisse. Deswegen haben wir entschieden, die Zusammenarbeit mit ihm zu beenden“, sagte Rudolph. Über eine Nachfolge des schon länger umstrittenen Dänen soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Erst einmal übernimmt der erst im Dezember verpflichtete Sportdirektor Pirmin Schwegler mehr Verantwortung.
Bauer schafft Wende nicht
Bauer hatte im November des vergangenen Jahres die Nachfolge von Paul Simonis angetreten und war kurz vor Weihnachten zum Cheftrainer befördert worden. Zuletzt gab es in den vergangenen sieben Spielen aber sechs Niederlagen.
„Diese Entscheidung ist uns alles andere als leichtgefallen. Wir haben gehofft, die Wende gemeinsam hinzubekommen. In der Analyse der Gesamtsituation sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir der Mannschaft einen neuen Impuls geben müssen, um den Klassenerhalt zu schaffen“, sagte Schwegler.
Der 61-jährige Hecking dagegen kennt sich seit Jahren mit allen sportlichen Lagen aus. Vor und nach seiner ersten Wolfsburger Zeit trainierte er unter anderem Hannover 96, den 1. FC Nürnberg, Borussia Mönchengladbach und auch den Hamburger SV. Zuletzt musste er am 15. September jedoch beim VfL Bochum gehen, weil es nach dem Bundesliga-Abstieg auch beim Neuaufbau der Mannschaft hakte.
Als der 51 Jahre alte Christiansen im Sommer 2024 vom FC Kopenhagen nach Wolfsburg kam, musste er zunächst mit dem Personal arbeiten, das er dort vorfand. Als er vor dieser Saison deutlich mehr Einfluss nahm, wurde nichts besser, sondern vieles nur noch schlimmer.
Bundesliga-Debütant Simonis war mit seinem ersten Trainerjob im Ausland überfordert. Das aktuelle Aufgebot des VfL umfasst 32 Spieler plus weitere Talente. Doch dem Kader mangelt es an Einstellung und Teamgeist - das beklagten schon mehrere Spieler öffentlich.
Die großen Schwachstellen in Angriff und Abwehr wurden auch in diesem Winter nicht behoben. Ein dringend benötigter Mittelstürmer kam weder im August noch im Januar. Verstärkung für die Abwehr erst am letzten Abend der Transferfrist. Im Ergebnis sind die Wolfsburger so akut vom Abstieg bedroht wie seit den beiden Relegations-Teilnahmen 2017 und 2018 nicht mehr.
Radikalmaßnahme wie 2011
Nach dem ersten Trainerwechsel im November war erst einmal nur der Sportdirektor auf der Ebene unter Christiansen ausgetauscht worden: Der Schweizer Schwegler kam für Sebastian Schindzielorz.
Jetzt aber greift der vom Mutterkonzern Volkswagen dominierte Aufsichtsrat beim VfL so stark durch wie seit dem Frühjahr 2011 nicht mehr. Damals verloren der Geschäftsführer Dieter Hoeneß sowie Interimstrainer Pierre Littbarski auf einen Schlag ihre bisherigen Jobs. Für sie kehrte mitten im Abstiegskampf der Wolfsburger Meistertrainer Felix Magath noch einmal zurück.