Wilde Müllkippen  Ekelfunde und Gefahrenobjekte ärgern Fehntjer Bauhof

| | 09.03.2026 12:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Holger Brandt (von links), Udo Haskamp und Frank Kappernagel ärgern sich über wilde Müllkippen. Fotos: Dirk Hellmers
Holger Brandt (von links), Udo Haskamp und Frank Kappernagel ärgern sich über wilde Müllkippen. Fotos: Dirk Hellmers
Artikel teilen:

Der Bauhof in Rhauderfehn ärgert sich. Wilde Müllkippen werden zum Problem. Dabei geht es um bestimmte Ekelfunde und einen gefährlichen Trend. Außerdem gilt eine Straße als Brennpunkt.

Rhauderfehn - Oft ärgern sich Frank Kappernagel und seine Mitarbeiter vom Bauhof der Gemeinde Rhauderfehn. Manches ist ekelig, anders gefährlich und manches unnötig schwer – und auf jeden Fall wären die Ärgernisse vermeidbar. Die Rede ist von wilden Müllkippen. „Wir könnten mit der Zeit Besseres anfangen“, sagt Kappernagel – und schlussendlich zahlt das die Allgemeinheit. Er ist Leiter des Bauhofes der Gemeinde.

Die Kartuschen werden vom Bauhof immer öfter gefunden.
Die Kartuschen werden vom Bauhof immer öfter gefunden.

Holger Brandt und Udo Haskamp sind gerade von ihrer Tour zurück. Auf ihrem Lastwagen liegen die Fundstücke des Tages. „Wir wurden gerufen, weil jemand Altöl entsorgt hat“, sagt Haskamp. Zwei Behälter davon liegen auf der Ladefläche. Was sich darin befindet? Anders als der Entsorger wissen die Bauhofmitarbeiter nicht, was sich in den Behältern befindet. Der Beschriftung nach ist es Öl. Aber stimmt das auch? Leiter Kappernagel erklärt, dass es sich dabei um Gefahrenstoffe handelt. Die Entsorgung ist für den Bauhof aufwendig.

Kupferdiebstahl-Verdacht durch Kabelreste und Gummischläuche

Brandt und Haskamp haben aber nicht nur die beiden Behälter mitgebracht. Kappernagel zeigt auf Gummischläuche, aufgeschlitzte Kabelisolierungen. Kappernagel vermutet, dass jemand scharf auf das Kupferkabel, das lasse sich zu Geld machen. Besonders ärgerlich: Kabelummantelung könne auch kostenlos im gelben Sack entsorgt werden.

Immer wieder werden Altreifen entsorgt.
Immer wieder werden Altreifen entsorgt.

Torfstraße als Müll-Hotspot: Reifen und Sperrmüll landen im Graben

Auf der Ladefläche liegen auch zwei entsorgte Reifen. Solche gehören regelmäßig zu den Fundstücken seiner Mitarbeiter, sagt Kappernagel. Oftmals würden die auch in größeren Mengen oftmals entsorgt werden. Ein Brennpunkt für Reifen und anderen Sperrmüll sei die Torfstraße nahe der Teststrecke. „Die ist von allen Seiten gut einsehbar“, sagt Kappernagel. Dort würde oft Müll entsorgt. Ein weiteres Problem: „Wenn die Sachen in den Graben geworfen werden, saugen sie sich mit Wasser voll“, sagt Kappernagel. Umso schwerer sei es dann für seine Mitarbeiter den Müll aufzusammeln. Zumal die Reifen dann auch über mehrere hundert Meter verteilt wurden. Zuletzt sei eine mit Wasser vollgesogene Matratze mit einem Kran aus dem Graben gezogen worden. „Für zwei Mann war die zu schwer.“ Viel Aufwand für achtlos entsorgter Müll. Dann sei es ihm schon lieber – wenn man das überhaupt so sagen könne – wenn der Müll sorgfältig abgestellt würde.

Dieser Müll wurde bei der Dr. Douwes-Straße gefunden.
Dieser Müll wurde bei der Dr. Douwes-Straße gefunden.

Schlachtabfälle im öffentlichen Mülleimer sorgen für Ekel und Gestank

Was Haskamp und Brandt besonders ärgert, ist wenn es ekelig wird. Es sei schon öfter vorgekommen, dass Schlachtabfälle wild entsorgt würden – oder auch in den den knapp 200 grünen Mülleimern der Gemeinde. Haskamp berichtet, dass sie vor einiger Zeit einen Schweinekopf gefunden hätten. Kappernagel ergänzt: „Im Sommer kriechen da nach ein oder zwei Tagen schon die Maden raus. Das ist richtig ekelig.“ So etwas idealerweise in Restmüllsäcken entsorgen.

Sperrmüll neben Mülleimern

Eine Beobachtung, die der Bauhof regelmäßig macht: Sperrmüll wird neben den grünen Mülleimern der Gemeinde entsorgt. Auch, wenn das schneller geht, als Reifen aus Gräben aufzusammeln, sei das nicht Zweck der Sache. Dass der Landkreis vor einiger Zeit die Gebühren für Sperrmüll erhöht hat, würden sie schon im Bauhof merken, sagt Kappernagel. Die Zahl der wilden Müllkippen würde steigen.

Die Kartuschen werden vom Bauhof immer öfter gefunden.
Die Kartuschen werden vom Bauhof immer öfter gefunden.

Lachgas Kartuschen werden zur Gefahr für Verkehrsteilnehmer

Gefährlich sei der Lachgas-Trend, sagt Kappernagel. Seit November seien vermehrt Kartuschen am Straßenrand aufgetaucht. Anfang seien März wurden aus einem Graben gleich zehn dieser Kartuschen – groß wie eine Literflasche Limonade – entsorgt worden. „Die sind aus Eisen und schwer“, sagt Kappernagel. Während das für seine Mitarbeiter zunächst nur ein Ärgernis ist, kann dies für Verkehrsteilnehmer lebensgefährlich sein, etwa wenn Motorrad- oder Fahrradfahrer dadurch stürzen. Bei Pkw können die Kartuschen Schäden verursachen. Zuletzt wurden sie mehrfach an Friedhöfen etwa in Rhaudermoor oder Hahnentange gefunden. „An stillen Plätzen“, wie Haskamp sagt – aber eben auch an Straßenrändern. Allein in den vergangenen drei Wochen sei ein ganzer Bottich voll mit den Gasflaschen zusammengekommen. Auch hier sei die Entsorgung nicht ganz so einfach. „Da ist Druck drauf“, sagt Kappernagel. Das könnten sie nicht einfach so in den Container werfen. Und dann wieder kommt ein Satz, den der Bauhofleiter in diesem Zusammenhang mehrfach sagt: „Wilde Müllkippen bezahlt die Allgemeinheit“. Größere Fälle würden deshalb auch regelmäßig zur Anzeige gebracht.

Röhrenfernseher und andere Elektrogeräte gehören zu den Fundstücken auf wilden Müllkippen.
Röhrenfernseher und andere Elektrogeräte gehören zu den Fundstücken auf wilden Müllkippen.

Abgerechnet werden die Kosten zwar beim Landkreis, erklärt Kappernagel. Der Bauhof müsse kein Geld überweisen. Aber auch der Landkreis wird durch Steuern finanziert. Und noch etwas: Es geht auch um Arbeitskraft, betont Kappernagel. Selbst wenn die Leerung der grünen Mülleimeer rausgerechnet würde, gehen hochgerechnet zwei Arbeitstage pro Woche für wilden Müll drauf. „Wir haben genug zu tun“, sagt Kappernagel. Das sei Zeit, die etwa bei der Instandhaltung von Windschutzhütten, Spielplätzen oder der Pflege von Außenanlagen und Gemeindestraßen fehlt. Überspitzt bedeutet dies: Wenn es weniger wilden Müll gibt, steht mehr Zeit zur Verfügung um Schlaglöcher zu beseitigen.

Ähnliche Artikel