Alpiner Weltcup Kugel-Showdown rückt näher: Ski-Ass Aicher wieder auf Podest
Deutschlands Ski-Juwel Emma Aicher ist kaum noch zu stoppen. Mit Platz zwei bei der Abfahrt von Val di Fassa gelingt ein großer Schritt zum Disziplin-Triumph in diesem Winter. Geht gar noch mehr?
Emma Aicher ist drauf und dran, dem alpinen Ski-Zirkus einen unerwarteten Saison-Showdown zu bescheren - sie selbst nimmt dabei funkelnde Kristalltrophäen ins Visier. Die beste deutsche Skirennfahrerin ist im Weltcup erneut auf das Podest gefahren und hat damit einen weiteren großen Schritt hin zum Gewinn der Abfahrts-Gesamtwertung geschafft.
Bei der Schussfahrt von Val di Fassa musste sie sich als Zweite nur um eine Hundertstelsekunde der Italienerin Laura Pirovano geschlagen geben. Dritte wurde Olympiasiegerin und Weltmeisterin Breezy Johnson aus den USA (+0,29 Sekunden) knapp vor Aichers Teamkollegin Kira Weidle-Winkelmann (+0,32).
Zurückhaltung nur in Interviews: „Okay-Fahrt“
„Ich bin wieder ganz zufrieden mit meiner Fahrt“, resümierte die zweimalige Olympia-Medaillengewinnerin und wich damit einmal mehr nicht ab von ihrer zurückhaltenden und bisweilen maulfaulen Art bei Interviews. Im TV-Sender ORF sprach die 22-Jährige von einer „Okay-Fahrt“, die sie am Passo San Pellegrino unweit des Olympia-Ortes Cortina d’Ampezzo gezeigt hatte.
Dass Aicher den Sieg denkbar knapp verpasste, schien sie nur bedingt zu grämen. „Eine Hundertstelsekunde ist halt nichts“, sagte sie, „aber ich gönne es Laura, sie hat es sich verdient.“ Pirovano feierte ihren ersten Sieg.
Aicher tröstet sich damit, in der Disziplinwertung 80 Punkte gutzumachen und zwei Rennen vor dem Saisonende nur noch 14 Zähler hinter Lindsey Vonn zu liegen. Die Amerikanerin kann nach ihrem Sturz bei Olympia und der schweren Unterschenkel- sowie Knieverletzung in diesem Winter nicht mehr antreten.
Führungswechsel im Kugelkampf schon am Samstag?
Schon an diesem Samstag (10.45 Uhr/ZDF und Eurosport) könnte Aicher bei der nächsten Abfahrt die Führung übernehmen und sogar den Triumph im Kampf um die kleine Kristallkugel rechnerisch perfekt machen: Hinter der 22-Jährigen folgen Pirovano mit 50 und Weidle-Winkelmann mit 80 Punkten Rückstand. Die bis dato letzte deutsche Skirennfahrerin, die eine kleine Disziplin-Kristallkugel gewinnen konnte, war Viktoria Rebensburg 2018 im Riesenslalom.
Falls Aicher ihre Form hält und weiter signifikant punktet, ist sogar der ganz große Coup in der Gesamtwertung möglich: Dort nämlich rückte sie auf den zweiten Platz hinter Mikaela Shiffrin vor - zum US-Star fehlen ihr noch 139 Punkte. Weil Shiffrin bei den beiden Abfahrten und dem Super-G in Val di Fassa nicht antritt, könnte Aicher sogar als Führende im Ringen um die große Kristallkugel aus diesem Speed-Wochenende hervorgehen. Vor 15 Jahren hatte Maria Höfl-Riesch die Gesamtwertung im Alpin-Weltcup gewonnen.
Showdown mit Shiffrin winkt beim Weltcupfinale
Shiffrin müsste dann vor allem in den verbleibenden zwei Slaloms und zwei Riesenslaloms punkten - allerdings gehört Aicher auch in den technischen Disziplinen inzwischen zur Weltspitze.
„Ich glaube, Mikaela gerät etwas ins Schwitzen und spürt Emmas Atem in ihrem Nacken“, sagte Ex-Athletin Rebensburg zuletzt als Eurosport-Expertin. Es deutet sich ein Showdown beim Weltcup-Finale Ende März im norwegischen Lillehammer an.