Washington  „Trump wurde von Jesus gesalbt“: US-Kommandeure erklären Iran-Krieg zu Plan Gottes

Matti Gerstenlauer
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Von Matti Gerstenlauer
| 05.03.2026 10:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Pete Hegseth und sein Ministerium stehen in der Kritik: Nutzen Kommandeure das Christentum, um die Angriffe auf den Iran zu rechtfertigen? Foto: dpa/Kevin Wolf
Pete Hegseth und sein Ministerium stehen in der Kritik: Nutzen Kommandeure das Christentum, um die Angriffe auf den Iran zu rechtfertigen? Foto: dpa/Kevin Wolf
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Ist der Krieg gegen den Iran Teil von Gottes Plan für die Vereinigten Staaten von Amerika? Manche Kommandeure der US-Armee scheinen das zu glauben. Nutzen ultrareligiöse Christen die Religion, um den Einsatz zu rechtfertigen?

Im Zuge der laufenden US-israelischen Angriffe gegen den Iran sieht sich das US-„Kriegsministerium“, wie das Verteidigungsministerium seit Neuestem heißt, mit Vorwürfen konfrontiert. Bei Besprechungen über die „Operation Epic Fury“, zu deutsch „Operation Epischer Zorn“, sollen Kommandeure extremistische christliche Rhetorik genutzt haben, um den Einsatz zu rechtfertigen.

Wie die bereits mehrfach für den Friedensnobelpreis nominierte Stiftung für Religionsfreiheit im Militär (MRFF) mitteilt, liegen inzwischen mehr als 200 Beschwerden von aktiven Soldaten aus mehr als 50 Stützpunkten vor. Die Stiftung kümmert sich um die religiösen Freiheiten von US-Soldaten und schützt sie vor Diskriminierung. Ob die Beschwerden echt sind, lässt sich jedoch nicht unabhängig überprüfen.

Ein mutmaßlich Betroffener berichtete der Organisation stellvertretend für 15 weitere Soldaten, dass der Kommandeur seiner Einheit bei einer Besprechung den Appell an seine Soldaten richtete, keine Angst vor den Operationen im Iran zu haben. „Er drängte uns dazu, unseren Truppen zu sagen, dass dies alles Teil von Gottes göttlichem Plan sei, und bezog sich dabei spezifisch auf zahlreiche Zitate aus der Offenbarung des Johannes“.

Diese Teile der Bibel spielen auf Armageddon, den Ort der letzten Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse, an und prophezeien die unmittelbar bevorstehende Wiederkunft Jesu Christi. Der Kommandeur soll gesagt haben: „Präsident Trump wurde von Jesus gesalbt, um das Signalfeuer im Iran zu entzünden, Armageddon herbeizuführen und seine Rückkehr auf die Erde einzuleiten.“

Laut Angaben des MRFF-Präsidenten Mikey Weinstein, einem Veteranen der US Air Force, beschreiben Soldaten eine Atmosphäre der „uneingeschränkten Euphorie“ unter einigen Kommandeuren, die mit extremen Ausprägungen des Christentums in Verbindung stehen. Ob die Ansprachen auf Anweisung stattfinden, ist unklar. Jedoch ist auch Kriegsminister Pete Hegseth, Veteran und ehemaliger Fernsehmoderator, Teil einer christlich-nationalistischen Gruppierung.

Die Gemeinschaft Reformierter Evangelikaler Kirchen tritt für eine streng patriarchalische Gesellschaftsordnung und den Vorrang biblischen Rechts vor staatlichen Gesetzen ein. Die Gruppe vertritt außerdem einen christlichen Nationalismus, der die USA als Gottes Werkzeug sieht.

Hegseth verbreitet diese Ideologie, teils in abgeschwächter Form, in seinen Büchern und fordert eine religiöse Erneuerung des Militärs und Bildungssystems im Sinne eines modernen „Kreuzzugs“, die auch in einigen seiner Tätowierungen wiederzufinden ist.

Die politischen Begründungen für den Kriegseintritt bleiben derweil innerhalb der US-Regierung umstritten. Während Außenminister Marco Rubio angab, der Angriff sei erfolgt, nachdem Israel Pläne für einen Alleingang signalisiert hatte, widersprach Präsident Donald Trump dieser Darstellung.

Trump betonte, die USA hätten präventiv gehandelt, da der Iran selbst kurz vor einem Angriff gestanden habe. In einer Erklärung sagte der US-Präsident, er habe „das Gefühl gehabt, dass der Iran angreifen könnte“.

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