Osnabrück Dank Doppelschlag in drei Minuten: VfL Osnabrück springt nach 3:1 in Aue an die Tabellenspitze
Der VfL Osnabrück hat in der 3. Fußball-Liga mit 3:1 (1:1) bei Erzgebirge Aue gewonnen. Dank eines Doppelschlags in den letzten 20 Minuten fuhr der VfL bereits den achten Auswärtssieg ein und grüßt vorübergehend von der Tabellenspitze. Der Spielbericht.
Bereits viermal war der VfL Osnabrück in der 3. Liga beim FC Erzgebirge Aue zu Gast, noch nie konnten die Lila-Weißen als Sieger vom Platz gehen (eine Niederlage, drei Remis) – das änderte sich im fünften Anlauf. Dank eines Doppelschlags in den letzten 20 Minuten fuhr der VfL einen 3:1-Sieg in Aue ein. Während die „Veilchen“ weiterhin auf den ersten Sieg in der Rückrunde warten und im Tabellenkeller feststecken, baut der VfL seine Ungeschlagen-Serie im Jahr 2026 weiter aus und grüßt vorübergehend von der Tabellenspitze.
Die Reise ins Erzgebirge nicht mit antreten konnte Mittelfeldanker Bjarke Jacobsen, der sich seit Donnerstag mit einem Infekt herumplagt. Auch Dauerbrenner Patrick Kammerbauer, der unter der Woche leichte Adduktorenprobleme hatte und diese Saison in jedem Ligaspiel auf der rechten Schiene zum Einsatz kam, hat es nicht in das Spieltagsaufgebot geschafft. Für ihn rückte Kai Pröger in die erste Elf, der zuletzt gegen RW Essen sein erstes Tor für den VfL erzielt hat. Für Jacobsen spielte der offensivfreudige Kevin Wiethaup, der zum achten Mal in dieser Spielzeit in der Startelf stand. Sonst vertraute VfL-Trainer Timo Schultz der gleichen Elf wie beim 3:0-Heimsieg gegen Essen.
Aues Cheftrainer Christoph Dabrowski, der seit Anfang Februar im Amt ist und noch keinen Sieg einfahren konnte (zwei Remis, eine Niederlage), nahm gegenüber der knappen 1:2-Niederlage im Ost-Derby gegen Energie Cottbus zwei Änderungen in der Anfangsformation vor: Julian Günther-Schmidt und Eric Uhlmann ersetzten Julian Guttau und Jonah Fabisch (beide Bank). Im Tor stand das Auer Urgestein Martin Männel. Vorne sollte Marcel Bär, der in den vergangenen beiden Spielen jeweils einmal traf, im zweitschlechtesten Angriff der Liga für Torgefahr sorgen.
Bei bestem Fußballwetter mit Sonnenschein und Temperaturen bis zu 17 Grad übernahm der VfL sofort die Spielkontrolle und kam direkt nach vier Minuten zur ersten großen Möglichkeit: Pröger und Fridolin Wagner spielten sich auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durch. Die scharfe Hereingabe von Wagner verpasste zunächst Ismail Badjie, dahinter lauerte aber Frederic Christensen, der aus sieben Metern zu zentral auf Aues Torhüter Männel zielte. Kurze Zeit später lag sein Teamkollege Eric Uhlmann nach einem Foul von Lars Kehl auf dem Boden, der sich damit seine fünfte Gelbe Karte in der Saison abholte und in der Englischen Woche gegen Viktoria Köln (Dienstag, 19 Uhr) fehlt.
Die abstiegsgefährdeten Erzgebirgler versteckten sich nicht und kamen vor allem über Standards und Schleudereinwürfe von Ryan Malone in Tornähe – ohne jedoch große Gefahr auszustrahlen. Nachdem die Auer etwas im Spiel angekommen schienen, erlaubten sie sich in der Hintermannschaft einen groben Fehler, den der Tabellendritte aus Osnabrück eiskalt ausnutzte: Christensen schlug den Ball unkontrolliert weit hinter die Kette und stellte Malone und Tristan Zobel dabei vor größere Probleme.
Die Auer Verteidiger konnten sich nicht einigen und liefen sich gegenseitig über den Haufen. Nutznießer war der lauernde Badjie, der dazwischen spritzte, Männel umkurvte und zur frühen Führung einschob (17.) – sein sechstes Saisontor, das vierte Mal erzielte der Flügelflitzer das 1:0. Die „Veilchen“, denen man die Verunsicherung der letzten Wochen anmerkte, antworteten fast im Gegenzug: Nach einem verlängerten Malone-Einwurf auf den zweiten Pfosten köpfte Stürmer Marcel Bär gegen die Laufrichtung von Lukas Jonsson, der den Ball reaktionsschnell aus der Ecke kratzte (19.).
Auf der Tribüne machte sich schon früh im Spiel bei den Auer Fans eine große Unzufriedenheit breit, die sich auf die Spieler übertrug. Das Dabrowski-Team war zwar bemüht, aber zu nervös im Passspiel – und hatte in der 27. Minute Glück. Bei Christensens Versuch, sich den Ball im Strafraum an Pascal Fallmann vorbeizulegen, hielt der Auer Rechtsverteidiger den Ball mit dem ausgestreckten Stützarm auf – doch der junge Schiedsrichter Justin Hasmann ließ weiterlaufen.
Während der VfL mehrere gute Kontersituationen und Chancen zu fahrlässig ausspielte, schlug Aue mit dem zweiten Torschuss kurz vor der Pause (42.) zu: Stefaniak setzte Jannic Ehlers mit einem Steckpass in Szene, der Pröger im Rücken entwischte. Der Auer Offensivmann bediente im Rückraum Günther-Schmidt, der sich von Wiethaup absetzte und den Ball aus neun Metern unter die Latte schoss – ein schmeichelhafter Ausgleich, den sich das Schultz-Team auf die eigene Fahne schreiben musste.
Ohne Wechsel auf beiden Seiten ging es in die zweiten 45 Minuten, in denen die „Veilchen“ in Person von Ehlers den ersten Warnschuss abgaben (46.). Der VfL ließ sich auf dem trockenen, stumpfen Rasen etwas von der Hektik auf den Rängen anstecken. Gerade im Passspiel war der VfL auffällig unsauber, vorne fehlte zudem die Geradlinigkeit. So entwickelte sich eine offene Partie, die zunehmend wilder wurde. Müller rettete im eigenen Sechzehner in höchster Not vor dem einschussbereiten Günther-Schmidt (51.). Fünf Minuten später ließ sich Robin Meißner nach einem gravierenden Fehlpass im Auer Spielaufbau zu einfach im Eins-gegen-eins-Duell abkochen.
Schultz reagierte auf das schleppende Offensivspiel und brachte Tony Lesueur für Torschütze Badjie (62.). In beiden Strafräumen passierte auch danach erstmal nicht viel, bis Jonsson für ein Raunen im Erzgebirgsstadion sorgte, als er Stefaniak den Ball im Spielaufbau in die Füße spielte. Der Auer brachte jedoch keinen gefährlichen Abschluss zustande (66.).
Nachdem Jamilu Collins einen Kopfball von Müller noch auf der Linie rettete, ging der VfL ein paar Sekunden später zum zweiten Mal in diesem Spiel in Führung (73.): Kehl wurde nicht richtig angegangen und brachte eine Halbfeldflanke auf den ersten Pfosten, an dem der eingewechselte Lesueur stark einlief und den Ball ins Tor drückte.
Jetzt war der VfL auf Betriebstemperatur angekommen und machte – nicht wie in Halbzeit eins – den Sack zu und brachte die Auer Fans zum Schweigen: Lesueur brach mit seinem Tempo auf rechts außen in den Strafraum ein und bediente im Rückraum Meißner, der in Stürmermanier links unten einschob (76.) und sein neuntes Saisontor erzielte – gleichzeitig der achte Treffer in der Fremde. Vor dem 3:1 hatte der VfL Glück, dass der Unparteiische beim Angriff ein Handspiel von Pröger nicht erkannte.
Die Auer bäumten sich noch mal etwas auf, aber der Doppelschlag traf den Tabellensiebzehnten zu hart. Der VfL spielte den Vorsprung in der Schlussviertelstunde, bei der Bashkim Ajdini in seinem 200. Einsatz für die Lila-Weißen erstmals in dieser Saison eingewechselt wurde, souverän über die Zeit. Mit dem achten Auswärtssieg springt der VfL vorübergehend an die Tabellenspitze der 3. Liga, jedoch können die Lila-Weißen noch von Energie Cottbus (Samstag gegen SC Verl, 16.30 Uhr) und dem MSV Duisburg (Sonntag gegen TSV Havelse, 16.30 Uhr) überholt werden.
Damit bleibt der VfL gegen die unteren fünf Teams weiterhin ohne Punktverlust (acht Spiele, acht Siege). Bereits am Dienstag (19 Uhr) kann der VfL nachlegen, wenn in der Englischen Woche der FC Viktoria Köln an der Bremer Brücke zu Gast ist.