Teneriffa  Stärkstes Erdbeben seit Jahren: Droht ein Vulkanausbruch auf Teneriffa?

Ralph Schulze
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Von Ralph Schulze
| 27.02.2026 19:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Seit Kurzem sorgen Erdbeben und vermehrte vulkanische Aktivitäten auf Teneriffa für Aufregung – was steckt dahinter? Foto: IMAGO/Zoonar
Seit Kurzem sorgen Erdbeben und vermehrte vulkanische Aktivitäten auf Teneriffa für Aufregung – was steckt dahinter? Foto: IMAGO/Zoonar
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Ein Erdbeben erschüttert die Kanareninsel Teneriffa, wo zugleich Tausende Mikrobeben unter dem Vulkan Teide gemessen werden. Experten bewerten nun die Gefahr eines neuen Ausbruchs.

Kurz nach halb eins mittags begann es zu wackeln. In Wohnungen schwankten Stühle, Gläser klirrten, viele Bewohner und Touristen spürten, wie der Boden mehrere Sekunden vibrierte.

Das Erdbeben der Stärke 4,1 ist am Donnerstag, 26. Februar, im Meer zwischen Teneriffa und Gran Canaria registriert worden und war auf beiden Inseln deutlich vernehmbar. Das Epizentrum lag in fünf bis zehn Kilometern Tiefe.

Es war das stärkste Beben in der Region der Kanarischen Inseln seit mehreren Jahren. Verletzte und Schäden gab es nach Behördenangaben nicht. Doch die Unruhe wächst.

Denn für die Bevölkerung Teneriffas kam dieser Erdstoß nicht ganz unerwartet. Seit Wochen informieren die Behörden darüber, dass in der Tiefe Teneriffas ungewöhnliche kleine Erschütterungen gemessen werden, die allerdings an der Erdoberfläche nicht spürbar sind.

Allein im jüngsten „Erdbebenschwarm“, wie die Wissenschaftler dieses gehäufte Auftreten nennen, wurden Ende Februar mehr als 6000 einzelne Mikrobeben erfasst – in nur gut 30 Stunden. Die meisten lagen acht bis zehn Kilometer unter der Oberfläche. Sie wurden aber nicht im Meer, sondern in der Tiefe des Teide-Vulkanbergs im Inselzentrum geortet.

Erst die Serie der unzähligen kleinen Erdstöße unter dem Teide, dann plötzlich das größere Beben vor der Küste Teneriffas: Kein Wunder also, dass sich viele fragen: Nähert sich ein neuer Vulkanausbruch?

Die Fachleute des Nationalen Geografischen Instituts beruhigen: Das letzte spürbare Seebeben zwischen den Inseln Teneriffa und Gran Canaria stehe nicht im Zusammenhang mit der aktuellen vulkanischen Aktivität unter dem Teide.

Das Epizentrum dieses von den Menschen spürbaren Erdstoßes lag im Atlantik – in einer Zone, die als tektonisch besonders aktiv gilt. Dort befindet sich zwar auch ein schlafender Unterwasservulkan namens „Enmedio“. Doch ob der Erdstoß mit diesem Vulkan oder mit Spannungen in der Erdkruste zusammenhängt, sei noch nicht abschließend geklärt, heißt es. Ähnliche Beben seien dort in der Vergangenheit immer wieder registriert worden. Es gebe deswegen derzeit keinen Anlass zur Sorge.

Etwas anders verhält es sich mit der auffälligen Serie Tausender kleiner Erdbeben unter Teneriffas Vulkan Teide, dem mit 3715 Metern höchsten Berg Spaniens. Hier räumen die Wissenschaftler ein: Die vulkanische Aktivität unter der Insel ist höher als in den vergangenen Jahren. Man befinde sich möglicherweise in einer „neuen Phase“ des in großer Tiefe immer noch aktiven Vulkans.

Was bedeutet das Rumoren? Zunächst einmal gebe es keine unmittelbare Gefahr eines Ausbruchs, versichert das kanarische Vulkaninstitut Involcan: „Die Wissenschaftler sind sich einig, dass die festgestellten Episoden keine Erhöhung der Wahrscheinlichkeit einer vulkanischen Eruption auf kurze oder mittlere Sicht (Wochen oder Monate) auf Teneriffa bedeuten“, heißt es in einer Mitteilung.

Aber langfristig könne ein Ausbruch nicht ausgeschlossen werden: Die letzte Eruption ereignete sich auf Teneriffa im Jahr 1909: Damals brach im Nordwesten der Insel der Vulkan Chinyero aus. Die Eruption dauerte nur rund zehn Tage, verursachte aber erhebliche Schäden an Feldern und Infrastruktur. Zuvor hatte es im 18. Jahrhundert mehrere Eruptionen gegeben – unter anderem 1706 nahe des Küstenortes Garachico, als Lava große Teile des damaligen Handelshafens zerstörte.

Der Direktor des Nationalen Geografischen Instituts, Itahiza Domínguez, formuliert es so: Man erwarte im Fall einer bevorstehenden Eruption auf Teneriffa deutlichere Signale als bisher – stärkere, von der Bevölkerung spürbare Beben in der Tiefe des Teide und eine klare Bewegung des Magmas – also geschmolzenen Gesteins – in Richtung Oberfläche. „Das sehen wir bisher nicht.“

Früher oder später wird es jedoch auf Teneriffa wieder zu einer Eruption kommen. Darin sind sich die Geologen einig: Nur wann – in Jahren, Jahrzehnten oder erst in fernerer Zukunft – lässt sich seriös nicht vorhersagen.

Der Bevölkerung und den Feriengästen wird auf jeden Fall empfohlen, die Nachrichtenlage auf Teneriffa im Blick zu halten. Die Vulkaninsel wird jedes Jahr von mehr als sieben Millionen Urlaubern besucht, darunter sind viele Feriengäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Für alle Fälle werden nun auch auf Teneriffa Zivilschutzpläne aktualisiert. Die Erinnerung an das, was passieren kann, ist frisch: 2021 ging auf der Nachbarinsel La Palma eine wochenlange Bebenserie einem 85 Tage dauernden Vulkanausbruch voraus, der Tausende Menschen zur Flucht zwang und ganze Ortschaften unter Lava begrub.

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