Osnabrück  Ich bin zum ersten Mal auf einer Tattoo Convention – und lasse mich spontan tätowieren

Franziska Blattner
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Von Franziska Blattner
| 27.02.2026 16:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Ein Bändchen am Handgelenk als Erinnerung an die Tattoo Convention. Foto: Denise Matthey
Ein Bändchen am Handgelenk als Erinnerung an die Tattoo Convention. Foto: Denise Matthey
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Die Tattoo Convention hat am 21. und 22. Februar zahlreiche Interessierte in die Halle Gartlage nach Osnabrück geführt. Auch unsere Reporterin war vor Ort – und hat sich ganz spontan zu einem Tattoo hinreißen lassen.

„Zur Tattoo-Convention?“, fragt mich der Parkplatzeinweiser. Der Parkplatz an der Halle Gartlage ist voll, der Eingang auf den ersten Blick nicht zu finden. Obwohl ich kürzlich erst beim Weihnachtszirkus auf dem Gelände war, weiß ich nicht so richtig, wohin. Zwischen zahlreichen Menschen entdecke ich dann aber mehrere auffällig tätowierte Personen aus einer Richtung kommend. Ich ahne sofort: Hier muss ich lang.

Die Vorfreude und Erwartung auf meine erste Veranstaltung dieser Art, direkt in Osnabrück, ist groß. Ohne Wartezeit betrete ich die Halle. Eine Hitzewolke kommt mir entgegen. Ich schaue mich in Ruhe um. 50 Stände verteilen sich auf zwei Räume, die mit einem großen Durchgang verbunden sind. 

Das Publikum ist vielfältig: von ganz in schwarz gekleideten Personen bis hin zu auffällig bunten Styles. Volltätowierte Menschen, aber auch welche ganz ohne Tattoos – zumindest ohne sichtbare. Die Atmosphäre wirkt entspannt, ich bekomme hier und da sogar ein Lächeln von mir völlig Fremden geschenkt. Das erlebe ich nicht mehr so oft, denke ich mir.

Neben den zahlreichen Ständen von Tätowierern entdecke ich einen Stand mit Pommes, Bratwurst, Donuts und Getränken. Auch Schmuck- und Piercing-Stände reihen sich ein, ebenso wie ein Stand der AOK. Hier kann man sich kostenlos massieren lassen, erfahre ich später.

Die Halle ist gut besucht, aber trotzdem angenehm voll. Jeder hat ausreichend Platz zum Stöbern und sich inspirieren lassen. Überall finden Gespräche statt, aus jeder Ecke höre ich das Summen der Tattoo-Nadeln. Der Tätowier-Betrieb scheint schon mittags in vollem Gang zu sein. Für mich als Tattoo-Begeisterte ist es schon fast außergewöhnlich, dass dies meine erste Tattoo Convention ist. Schließlich zieren meinen Körper mittlerweile über 50 Tattoos, wobei das letzte Mal Zählen allerdings schon eine Weile her ist.

Um etwas mehr über die Veranstaltung zu erfahren, spreche ich mit Michaela und Thorsten Krekeler aus Hannoversch Münden. Sie veranstalten schon seit zehn Jahren Conventions in ganz Deutschland. Mit ihrer Crew, bestehend aus 15 Mitarbeitern, richten sie diese rund zwölfmal im Jahr aus.

Besonders „die immer neuen Leute und Aussteller, die verschiedenen Stilrichtungen und die ausgelassene Stimmung“ schätzt Michaela Krekeler, wie sie mir erzählt. Mit vielen der Aussteller ist das Ehepaar schon seit Jahren gemeinsam unterwegs. Diese Gemeinschaft sei für sie „wie Familie“.

Beim weiteren Schlendern durch die Halle werde ich von Jennifer angehalten. Sie stellt sich als „die Frontfrau“ ihres Mannes vor, der gerade im Hintergrund tätowiert. Ihr Job hier ist es, mit interessierten Besuchern zu sprechen und sie von der Arbeit ihres Mannes zu überzeugen.

Für Jennifer gibt es nichts Schöneres, als fast jedes Wochenende auf Conventions unterwegs zu sein. Sie möchte Menschen motivieren, sich Kunst auf die Haut stechen zu lassen, die sonst keiner hat, um sich so von der Masse abzuheben. Nach unserem Gespräch drückt sie mir mit den Worten „Ich möchte noch ein bisschen Liebe verschenken“ ein kleines, orangenes Herz aus Stein in die Hand. Was eine schöne Geste, denke ich mir.

Als ich fast alle Stände erfolgreich begutachtet habe, verspüre ich das Gefühl, dass mein Besuch hier noch nicht zu Ende ist. Er soll nicht bloß aus Zuschauen bestehen. Ich habe zwar schon zu Hause mit dem Gedanken gespielt, mich selbst vielleicht auch unter die Nadel legen zu lassen – war mir aber nicht sicher, da ich noch kein konkretes Motiv im Kopf hatte.

Hier vor Ort packt mich die Atmosphäre dann aber doch. Und auf ein Tattoo mehr oder weniger kommt es bei mir jetzt auch nicht mehr an. Auf einem Standtisch sehe ich ein Motivheft mit kleinen Tattoos, die gut zu meinem Stil passen könnten. Beim Blättern werde ich direkt von einer Frau angesprochen, die mit viel Fingerspitzengefühl das persönliche Marketing des Tätowierers betreibt. Interessant, dass viele Stände so jemanden an ihrer Seite haben. Sie scheinen richtige Vertriebstalente zu sein. Bei mir zumindest hat das super funktioniert.

Nach kurzem Überlegen steht meine Entscheidung fest. Ein Vampirgebiss soll es werden. Warum ich mich für das Motiv entscheide, kann ich gar nicht genau sagen. Es ist eher ein Bauchgefühl und die Art des Tattoos, die mich anspricht.

Ich darf hinter die Abgrenzung des Stands gehen und soll mich auf einen ziemlich komischen Stuhl setzen. Beim Tätowieren müssen immer skurrile Positionen eingenommen werden, weiß ich, damit die gewünschte Stelle im perfekten Winkel vor dem Tätowierer liegt. Ich habe mich für den Oberarm entschieden und zwischen den vielen anderen, schon vorhandenen Tattoos zum Glück noch eine freie Stelle gefunden.

Emanuel, so heißt der Artist, dem ich für die nächsten Minuten mein Vertrauen widmen werde, muss sich noch vorbereiten – was aber wirklich schnell ging. Er scherzt währenddessen schon mit mir und fragt, ohne überhaupt die Nadel angesetzt zu haben, ob ich denn schon Schmerzen hätte. Durch seine unterhaltsame Art ist die Zeit wie im Flug vergangen.

„Look like an Angel”, ertönt es im Hintergrund, als er die Nadel ansetzt. Ich schaue mich um und sehe aus der Entfernung einen Mann, der Elvis Presley zum Verwechseln ähnlich sieht. Als Elvis Tribute Artist performt er auf der Bühne. Er begleitet mein Tattoo mit seinem Auftritt. Bei dieser Musik stillzuhalten und nicht zum Takt mitzuwippen, ist wirklich nicht leicht, merke ich.

Das weitere Prozedere geht recht unspektakulär von der Hand. Insgesamt dauert das Stechen nur 25 Minuten. Lediglich als es ans Schwärzen geht, muss ich ein paarmal das Gesicht verziehen. Ansonsten sind die Schmerzen aber gut auszuhalten. Eine Zwei auf meiner persönlichen Schmerzskala von eins bis zehn.

Er hat den besten Job der Welt, erzählt der Tätowierer mir lachend, da man dafür bezahlt wird, Leuten weh zu tun. Ganz mein Humor. Nachdem das Tattoo versorgt und eingepackt ist, zahle ich die vorher vereinbarten 90 Euro, bedanke mich und wir verabschieden uns mit einem „High Five“. Gedanklich bin ich schon bei der Pommes, die mich anfangs bereits so anlächelte. Die habe ich mir als Stärkung jetzt wohl verdient.

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