Schicksal  Emsländerin kämpft sich zurück ins Leben – trotz bipolarer Störung

Margarete Krämer
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Von Margarete Krämer
| 01.03.2026 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Hündin „Juna“ ist eine große Stütze im Alltag von Christiane Blank. Fotos: Margarete Krämer
Die Hündin „Juna“ ist eine große Stütze im Alltag von Christiane Blank. Fotos: Margarete Krämer
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Christiane Blank aus Werlte lebt mit einer bipolaren Störung. Nach Monaten in der Psychiatrie in Haselünne und einer besonderen Therapie hat sie neue Kraft geschöpft.

Werlte - Es gibt Tage, an denen sie Bäume ausreißen könnte, und Tage, an denen selbst das Licht zur Last wird: Christiane Blank aus Werlte im Landkreis Emsland leidet an einer bipolaren Störung. Hinter ihr liegen bereits zehn Klinikaufenthalte und unzählige Stunden auf dem Therapiesessel. Trotz der medizinischen Unterstützung bleibt die psychische Erkrankung ihr ständiger Wegbegleiter. Jetzt möchte sie ein neues Kapitel aufschlagen und ihrer Krankheit ein für alle Mal den Kampf ansagen.

Eine bipolare Störung ist eine affektive Störung und wurde früher als manisch-depressive Erkrankung bezeichnet. Menschen haben dabei „krankhafte Schwankungen der Grundstimmung“, wie der Chefarzt Dr. Gregory Hecht des St. Vinzenz-Hospitals in Haselünne erklärt. Es gibt manische Phasen, in denen die Stimmung sehr gehoben ist, gefolgt von depressiven Phasen mit sehr gedrückten Stimmungen. Diese treten meistens häufiger auf als die manischen Phasen. Blank erlebt diese beiden Phasen immer im Wechsel. Sie halten jeweils meistens mehrere Wochen an. „Man ist entweder schwer depressiv oder man ist himmelhoch jauchzend“, beschreibt sie. Die depressiven Phasen seien geprägt von Selbsthass, Hoffnungslosigkeit bis hin zu Suizidgedanken: „Dann hasse ich mich richtig. Weil ich dann gar nichts kann.“

Von Selbstbestimmung zum Neustart

Aufgewachsen als eines von sieben Kindern in Werlte, folgten für Christiane Blank auf die Ausbildung zur Bekleidungsfertigerin schöne, aber auch nicht immer einfache Jahre als junge Mutter in Breddenberg. Sie vermisst ihr Zuhause in Werlte sehr. Als ihre drei Kinder das Nest verlassen hatten, kam der Moment der Selbstbestimmung: „Jetzt bin ich dran“, entschied sie damals. Es folgten die Trennung von ihrem ersten Mann, ein beruflicher Neustart in Sögel und das Treffen mit ihrem heutigen Ehemann. Mit der späten Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin und der Arbeit im Kindergarten erfüllte sie sich schließlich einen lang ersehnten Traum.

Hinter der Fassade kämpft Christiane Blank schon seit ihrer Kindheit gegen psychische Probleme. Sie beschreibt sich selbst als „hochsensibles Kind“. Starkes Heimweh während ihrer Zeit in Breddenberg verschärfte den inneren Druck, bis vor einigen Jahren die Diagnose „bipolar“ feststand – eine Krankheit, deren Akzeptanz ihr bis heute schwerfällt. Der Tiefpunkt folgte im September 2025 mit einem Zusammenbruch bei der Arbeit. Blank erkannte, dass sie professionelle Hilfe brauchte, und verbrachte zweieinhalb Monate im St. Vinzenz-Hospital in Haselünne. Kurz vor Weihnachten wurde sie entlassen und wagt jetzt einen weiteren Neuanfang.

Elektrokonvulsionstherapie: Strom im Gehirn als Therapie

Ihr Aufenthalt in der Psychiatrie in Haselünne startete nicht leicht. Zu Beginn ging es ihr sehr schlecht und sie fühlte sich einsam. „Wenn es einem richtig schlecht geht, fühlt man sich eingesperrt“, erklärt sie. Aber sobald es einem besser gehe, fühle man sich auch wohler in der Klinik. Besonders in ihrem letzten Klinikaufenthalt hat sie viel Anschluss zu anderen Patienten gefunden. Der Kontakt zu anderen Betroffenen kann laut Blank sehr guttun, da man sich gegenseitig stützen kann. „Diese Gespräche untereinander sind meistens die beste Therapie überhaupt“, betont die 52-Jährige.

In diesem Raum findet die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) in der Psychiatrie Haselünne statt.
In diesem Raum findet die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) in der Psychiatrie Haselünne statt.

Darüber hinaus war ein wesentlicher Bestandteil ihres Aufenthalts die Elektrokonvulsionstherapie (EKT). Der Chefarzt des St. Vinzenz-Hospitals in Haselünne, Dr. Gregory Hecht, erklärt, dass das Gehirn bei dieser Methode unter Einfluss von Narkosemitteln mit kurzen elektrischen Impulsen stimuliert wird. Der Strom löst im Gehirn dann einen kontrollierten Krampfanfall aus, durch den massiv Botenstoffen wie Serotonin und Dopamin ausgeschüttet werden. So könnten depressive Störungen behandelt werden, bei denen andere Therapiemethoden nicht ausreichend anschlagen. Bereits nach wenigen Wochen könne die Behandlung wirken: „Patienten sind teilweise nicht mehr wiederzuerkennen“, erklärt Hecht. Trotz anfänglicher Ängste erlebte Blank diese Methode als sehr positiv und schmerzfrei. Für sie ist die Behandlung wie ein „Reset“ fürs Gehirn.

„Ohne ihn wäre ich nicht mehr am Leben“

Neben dem Klinik-Team in Haselünne hat Blank drei selbsternannte „Lebensretter“: ihr Mann, die Tante ihres Ex-Mannes und ihre beste Freundin aus Werlte. Vor allem ihrem Ehemann ist sie sehr dankbar: „Wäre er nicht, wäre ich, glaube ich, nicht mehr am Leben“, sagt die 52-Jährige. Seit neun Jahren ist er nie von ihrer Seite gewichen, selbst in den schweren Momenten. Neben ihren drei Lebensrettern sind ihre Kinder und ihre vier Enkel eine große Stütze in ihrem Leben: „Die Kinder waren immer mein Halt“, betont sie.

Christiane Blank möchte gesund werden. Sie wünscht sich vor allem „ein strukturiertes Leben“. Der Klinikaufenthalt in Haselünne hat ihr neue Kraft gegeben und aktuell ist sie sehr zuversichtlich, ihre bipolare Störung zu besiegen. Die Werlterin ist weiterhin in psychologischer Betreuung und erhält Erhaltungs-EKT.

„Anderen Menschen Mut machen“

Neben dem eigenen Gesundwerden ist es ihr ein wichtiges Anliegen, das Schweigen über psychische Erkrankungen zu brechen und anderen Betroffenen die Angst vor der Behandlung zu nehmen. „Ich möchte allen Menschen, die Depressionen haben, einfach nur Mut machen und sagen: Ihr schafft es, nehmt Hilfe an und verheimlicht es nicht. Redet offen darüber“, sagt sie.

Abseits der Therapie kümmert sich Blank intensiv um ihre geliebte Hündin „Juna“. Die italienische Hütehündin gibt ihr die nötige Alltagsstruktur im Kampf gegen die bipolare Störung. Zudem sorgt der Vierbeiner ab und an für Momente der Unbeschwertheit und gibt ihr so ein Stück Lebensfreude zurück.

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