Vertreterin des Landrates Kreistag Leer besetzt Spitzenamt neu
In der kommenden Sitzung wird der Kreistag eine neue Erste Kreisrätin wählen. Auf eine Wiederwahl der Amtsinhaberin wurde verzichtet – das hat eine Vorgeschichte.
Leer - Der Kreistag Leer wird in seiner kommenden Sitzung die Stelle der allgemeinen Vertreterin neu besetzen. Das geht aus der Beschlussvorlage hervor, die bereits jetzt im Kreisinformationssystem einsehbar ist. Zuvor wird sich eine Bewerberin, die aus dem Auswahlverfahren hervorgegangen ist, noch dem Personalausschuss vorstellen.
Ernennung für acht Jahre vorgesehen
Sollte der Kreistag am Montag, 9. März 2026, dem Vorschlag zustimmen, dann wird die neue Erste Kreisrätin „zum nächstmöglichen Zeitpunkt für die Dauer von acht Jahren unter Berufung auf das Beamtenverhältnis auf Zeit zur Ersten Kreisrätin“ ernannt. Sie würde damit die Allgemeine Vertreterin des Landrates sein und somit das zweite Spitzenamt hinter Matthias Groote bekleiden.
Die Entscheidung, die Stelle der Ersten Kreisrätin auszuschreiben und auf eine Wiederwahl von Amtsinhaberin Jenny Daun zu verzichten, war im Oktober 2025 gefallen. Das hat jedoch eine Vorgeschichte. Anfang 2025 hatten sich die Bürgermeister von neun Gemeinden im Landkreis mit einem Brief an die Kreistagsfraktionen gewandt und darin gefordert, Daun nicht wiederzuwählen. Sie kritisierten damals die Erste Kreisrätin, die für Bauen und Umwelt zuständig ist.
Protestbrief der Bürgermeister: Kritik ohne konkrete Beispiele
Der Vorwurf lautete, dass „verschiedenste Projekte verzögert, verhindert oder blockiert“ worden seien. Konkrete Beispiele blieben die Bürgermeister aller Gemeinden (Leer, Weener und Borkum waren als Städte nicht dabei) schuldig. Ebensowenig wurde die Rechtmäßigkeit der getroffenen Entscheidungen angezweifelt. Es war klar, dass die Kritik vorrangig auf Landrat Groote und die Erste Kreisrätin Jenny Daun abzielte, weil die dritte Dezernentin des Landkreises Leer, Kreisrätin Ute Buntrock, ausdrücklich ausgenommen wurde.
Die Autoren dieses Briefes hatten damals selbst bekannt, dass ihr Schreiben als „Anmaßung und Zumutung“ aufgefasst werden müsse, weil es eine interne Angelegenheit der Kreistagspolitik betrifft. Konkrete Beispiele seien nicht genannt worden, weil die generelle Haltung und Leitung der Verwaltung hinterfragt werden sollte. Die Kreistagsfraktionen hatten sich damals unterschiedlich geäußert: Während die CDU die Kritik der Bürgermeister teilte, hatten die Grünen die Herabwürdigung der Ersten Kreisrätin scharf kritisiert.
Reaktionen im Kreistag: SPD spricht von Instrumentalisierung
Die SPD wertete das Schreiben als Versuch, den Kreistag zu instrumentalisieren. Ähnlich lautete die Antwort der FDP, das Verhalten der Bürgermeister sei „kontraproduktiv“. Die Fraktion Moin hatte sich schon vor dem Brief für eine Neubesetzung der Allgemeinen Vertretung des Landrates ausgesprochen. Landrat Matthias Groote fand damals, mit dem Brief sei bewusst eine Grenze überschritten worden.
Offenbar hatte das Schreiben trotzdem Erfolg: Denn im Oktober 2025 verzichtete Groote auf sein Vorschlagsrecht für eine Wiederwahl von Jenny Daun. Ihre Amtszeit endet offiziell zum 30. Juni 2026. Sie war im September 2017 von der Position einer Kreisrätin auf die der Ersten Kreisrätin aufgerückt, nachdem ihr Vorgänger Rüdiger Reske in den Ruhestand getreten war. Damals wurde sie vom Kreistag einstimmig gewählt – von Kritik an ihrer Arbeitsweise war damals nichts zu hören. Dabei führte sie das Baudezernat schon seit 2006 und hatte unter anderem die turbulente Aufstellung eines Raumordnungsprogramm zur Windkraft geleitet – das vom Kreistag letztlich verworfen wurde.
22 Bewerbungen, vier Einladungen, eine Favoritin
Auf die Ausschreibung waren laut der Beschlussvorlage für den Kreistag insgesamt 22 Bewerbungen eingegangen, lediglich vier Bewerberinnen und Bewerber hatten das Anforderungsprofil der Stellenausschreibung in vollem Umfang erfüllt. Diese vier seien im Februar zu einer persönlichen Vorstellung eingeladen worden. Daraus ging eine Kandidatin hervor, die sich deutlich von den anderen Personen abgehoben habe.