Feuer in Leer  Wie brandgefährlich sind E-Autos?

Wiebke Rose
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Von Wiebke Rose
| 25.02.2026 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Feuerwehr löschte im Februar ein Hybridauto, das in Leer in Brand geraten war. Foto: Feuerwehr
Die Feuerwehr löschte im Februar ein Hybridauto, das in Leer in Brand geraten war. Foto: Feuerwehr
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Kürzlich brannte in Leer ein Hybridwagen. Das Auto war recht schnell gelöscht. Zeit, der Frage nachzugehen: Wie kompliziert sind E-Autos für die Feuerwehr wirklich?

Leer - Hybrid- und E-Autos haben gewisse Vorteile. So stoßen sie während der Fahrt keine Emissionen aus und haben niedrigere Betriebskosten als Verbrenner. Aber eine wichtige Gemeinsamkeit zu herkömmlichen Verbrennern bleibt: Auch batteriebetriebene Autos werden in Unfälle verwickelt und auch sie können brennen.

Erst Anfang Februar war in der Hajo-Unken-Straße in Leer ein Hybridauto ausgebrannt. Die Feuerwehr hatte den Brand schnell löschen können und niemand war verletzt worden. Wenn E-Fahrzeuge brennen und darüber berichtet wird, erregt das oft Aufmerksamkeit. Für den Mythos, dass sie häufiger brennen als die herkömmlichen Verbrenner, gibt es keine Hinweise. Oft hört man, dass mit Strom betriebene Autos schwieriger zu löschen seien. Aber wie groß ist die Herausforderung für Feuerwehren?

Das Problem ist die Batterie

„Beim Löschen sind die Batterien das Hauptproblem“, erklärt Joachim Rand, Pressesprecher der Kreisfeuerwehr Leer. Allerdings nur, wenn sie überhaupt in Brand geraten ist. „Es kommt erstmal darauf an, was am Fahrzeug brennt. Es kann ja auch bei einem E-Auto ganz normal zu einem Kurzschluss kommen, sodass vielleicht nur die Innenarmaturen brennen.“ Solange der Akku des E-Autos selbst nicht in Brand geraten ist, habe die Feuerwehr immer zuerst die Möglichkeit, das Feuer normal zu löschen. Wenn der Akku des Autos tatsächlich die Brandursache war oder bei einem Vollbrand Feuer gefangen hat, werde es schon schwieriger. „Wenn das der Fall ist, haben wir im Landkreis bei der Feuerwehr Loga ein sogenanntes Cobra-System, das dann zum Einsatz kommt“, so Rand.

Als ein Container bei Multi Ostfriesland Center in Brand geriet, macht die Feuerwehr mit dem Löschsystem Cobra unter Hochdruck ein Loch in den Container und löschte das Innere weiter ab. Foto: Jonas Bothe/Archiv
Als ein Container bei Multi Ostfriesland Center in Brand geriet, macht die Feuerwehr mit dem Löschsystem Cobra unter Hochdruck ein Loch in den Container und löschte das Innere weiter ab. Foto: Jonas Bothe/Archiv

Die Cobra im Einsatz – Wann es wirklich brenzlig wird

Dominik Janßen ist Ortsbrandmeister bei der Feuerwehr Loga und Pressesprecher für die Feuerwehr der Stadt Leer. Er erklärt, wie die Cobra zum Löschen von Batteriebränden verwendet wird: „Bevor wir die Batterie löschen, können wir auf einer speziellen Wärmebildkamera sehen, welche Zellen am meisten vom Brand betroffen sind. Dann schießen wir da Wasser gepaart mit einem speziellen Abrasiv in den Akku hinein.“ Das Abrasiv ist eine spezielle Eisenoxidmischung. Durch einen extrem hohen Wasserdruck von 300 Bar könne man kleine Löcher in den Akku und durch die einzelnen Schutzschichten schießen und die brennenden Zellen ablöschen. „Anders können wir den Brand nicht löschen. Das ist ein bisschen wie bei einem Kellerbrand, wenn man versuchen würde, Wasser aufs Dach zu kippen. Man muss in den Keller reinkommen und das machen wir quasi mit dem Cobra-System.“

Die große Schwierigkeit bei einem brennenden Lithium-Ionen-Akku ist das sogenannte „Thermal Runaway“. Steigt bei einem Brand die Temperatur innerhalb einer Akkuzelle immer weiter an, heizen sich auch die benachbarten Zellen auf und es kommt zu immer neuen Kurzschlüssen. So können sich auch scheinbar gelöschte Brände wieder entzünden. „Mit der Wärmebildkamera können wir das sehr gut kontrollieren, weil wir dann sehen welche Zellen hauptsächlich betroffen sind. So haben wir dann die Chance diesen Runaway zu stoppen“, so Janßen.

Kein Einsatz von Löschcontainern durch die Feuerwehr

Bei dem Autobrand in der Hajo-Unken-Straße sei der Akku beispielsweise nicht betroffen gewesen. Im vergangenen Jahr habe es jedoch zwei Hybridbrände gegeben, bei denen die Akkus während des Ladens Feuer gefangen hatten. Löschcontainer, wie sie vor einigen Jahren in der Diskussion standen, kämen laut Dominik Janßen in solchen Fällen im Landkreis Leer nicht zum Einsatz. „Das kommt dann eher, wenn wir mit unserer Arbeit fertig sind und das Fahrzeug abgeschleppt werden muss. Da verlangen die meisten Abschleppunternehmen von den Eigentümern, dass das Auto erstmal 24 Stunden in so einen Löschcontainer gestellt wird, bevor es auf ihren Hof kommt.“ Auch Löschdecken, die groß genug sind, um einen kleinen PKW darin einzuwickeln, kämen Pressesprecher Joachim Rand zufolge bei E-Auto Bränden im Landkreis nicht zum Einsatz.

Hybrid, reines E-Auto: Längere Löschzeiten, gleiches Vorgehen

Sobald ein Auto samt Batterie brennt, ist es also tatsächlich etwas aufwendiger den Brand zu löschen als bei einem herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor. Das zeigt auch die Löschzeit. „Einen normalen PKW-Brand haben wir in der Regel in einer halben bis Dreiviertelstunde gelöscht. Wenn der Akku brandbetroffen ist, dauert das mindestens eine halbe Stunde länger, je nachdem, wie viele Zellen schon brennen“, schätzt Janßen.

Macht es für die Feuerwehr aber einen Unterschied, ob der Akku eines Hybrid oder eines E-Autos brennt? „Wir werden bei jedem Auto, das wir löschen, egal welche Antriebsart, erstmal gleich vorgehen.“ Erst, wenn alle anderen brennenden Autoteile gelöscht seien, würde die Cobra zum Einsatz kommen. „Da ist es dann egal, ob der Akku wie bei einem Hybrid relativ klein oder wie im vollelektrischen Auto relativ groß ist.“

Ernstfall: Was zu tun ist, wenn das E-Auto brennt

Ein Hybrid- oder E-Autobrand ist aber nicht nur für die Feuerwehr eine Herausforderung. Wenn das eigene Auto brennt und der Notruf gewählt wurde, ist Vorsicht geboten. Ein Pulverfeuerlöscher, wie er in einigen Autos mitgeführt wird, kann hilfreich sein. Aber nur, wenn der Akku des Autos nicht brennt. „Der Akku ist in der Regel recht gut gekapselt, also wenn er nicht die Brandursache ist, dann fängt er auch nicht direkt an zu brennen“, so Janßen. Dann könne man versuchen, den Brand einzudämmen, bis die Feuerwehr eintrifft. Bestehe Unsicherheit, ob der Akku brennt, sei es aber besser, Sicherheitsabstand zu halten. Da Lithium mit hohen Temperaturen brenne, könnten aus einem brennenden Auto hohe Stichflammen herausschlagen.

Brennende Elektroautos sind die Ausnahme

Allgemein habe der Kreisfeuerwehrverband Leer aber keine großen Schwierigkeiten mit brennenden Hybrid- oder E-Autos, bestätigte Pressesprecher Joachim Rand. „Das hält sich in Grenzen. Viel haben wir da nicht mit zu tun.“ Das bei einem Einsatz mit Fahrzeugbrand ein Elektroauto brenne, komme nur sehr selten vor. Das liege natürlich zum Teil auch daran, dass der Anteil der Verbrenner noch sehr hoch ist.

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