Hamburg 14 Mal Vierter: Warum „knapp daneben“ in Deutschland nicht normal werden darf
Der deutsche Leistungssport bleibt bei Olympia 2026 hinter den Erwartungen zurück und bildet damit ein unfreiwilliges Spiegelbild für Wirtschaft und Politik. Pech kann eine Rolle spielen, doch Deutschland kann sich nicht mit vierten Plätzen zufriedengeben.
Die olympische Bilanz ist bezeichnend für den Zustand des Landes. Ungeachtet der individuellen Höchstleistungen aller Athleten: Die 25. Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo sind vorbei. Deutschland liegt auf Platz fünf im Medaillenranking. Achtmal gab es Gold, zehnmal Silber und achtmal Bronze – insgesamt 14-mal landete Deutschland auf dem undankbaren vierten Platz.
Nicht falsch verstehen: Jeder Teilnehmer hat Großes geleistet und verdient dafür Respekt und Anerkennung. Dass die vorwiegend staatlich geförderten Athleten es auch besser können, haben vergangene Spiele gezeigt. Und manchmal ist auch schlicht Pech im Spiel.
Doch dass es so oft nicht für das Podium gereicht hat, ist schlicht nicht genug für ein großes Land, das für den Wintersport so günstig liegt. Wir scheinen auf dem Weg zu sein, uns mit dem „Knapp daneben“ zu arrangieren. Der Vorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes bestätigt diesen Eindruck eher unfreiwillig, indem er sagt: „Ich persönlich sage immer: Vier ist das neue Platin, denn das ist Weltspitze.“
Genauso fühlt sich derzeit die Stimmung im Land an. Bei den Olympischen Spielen 1998 im japanischen Nagano wurde Deutschland Erster, die Wirtschaft wuchs um 2,8 Prozent und die Bahn hatte eine Pünktlichkeitsrate von etwa 86 Prozent. 2014 waren wir Export- und Fußballweltmeister.
Heute wirkt es so, als hätten die Verantwortlichen den Anspruch auf die Spitze aufgegeben – bei den Medaillen, in der Wirtschaft und bei der Bahn. Im Gesundheitssystem und bei der Bekämpfung des Klimawandels hat man sich ebenfalls darauf geeinigt, den Status quo erst einmal zu verwalten.
Wir müssen unseren Willen wiederfinden – bei Olympia und überall sonst auch. Dabei geht es nicht um die zur Dauerschleife mutierte Leistungsdebatte: Es fehlt nicht an Einsatzbereitschaft, sondern an Selbstvertrauen. Deutschland ist ein gutes Land, in dem vieles richtig läuft, doch es geht noch mehr. Denn am Ende möchte niemand auf dem vierten Platz landen und sollte sich damit auch nicht zufriedengeben, wenn es eindeutig besser laufen könnte.