Dötlingen Hinter verschlossenen Türen: AfD-Jugend gründet sich in Niedersachsen
Die AfD hat nun auch in Niedersachsen einen Landesverband der Generation Deutschland gegründet – unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Der Verfassungsschutz werde die Gründungsveranstaltung der neuen niedersächsischen AfD-Jugend „sehr genau beobachten“, hatte das Innenministerium bereits vorab angekündigt. „Die Reden, die dort gehalten werden, werden natürlich analysiert.“ Allerdings: Die Öffentlichkeit war ausgeschlossen, als sich der Parteinachwuchs der niedersächsischen AfD im 6000-Seelen-Dorf Dötlingen nahe Bremen traf, um in Niedersachsen den bislang 13. Landesverband der „Generation Deutschland“ (GD) aus der Taufe zu heben.
Man habe Medien von der Veranstaltung ausgeschlossen, „weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass häufig die Presse nicht fair über uns berichtet“, erklärte der zum neuen Vorsitzenden der AfD-Jugend gewählte AfD-Bundestagsabgeordnete Micha Fehre in einem Statement . Einige der jüngeren Mitglieder seien „völlig zu Recht in Sorge“, sie könnten durch Berichterstattung „entstellt“ werden und mit „Konsequenzen in ihrem professionellen Leben zu rechnen haben“.
Stattdessen informierte Fehre auf einer kurzen Pressekonferenz knapp, die Veranstaltung sei friedlich verlaufen, man habe von der Mutterpartei 15.000 Euro Startkapital erhalten und alle Vorstandsmitglieder seien ohne Gegenkandidaten gewählt worden, darunter auch Markus Imken, stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Ems-Vechte, und Adrian Maxhuni aus Gehrde, der auch im Bundesvorstand der Generation Deutschland sitzt.
„Der Raum war proppevoll“, berichtete Fehre auf die Frage, wie viele Teilnehmer bei der Gründungsveranstaltung der neuen niedersächsischen AfD-Jugend denn vor Ort waren. Er sei sich sicher, dass die Mitgliederzahl bald „durch die Decke schießen“ würde. Wie viele Mitglieder die AfD-Jugend aktuell hat, „nennen wir nicht“.
Viele Mitglieder dürften sich dem Verfassungsschutz zufolge auch aus dem Umfeld der 2025 aufgelösten Vorgängerorganisation „Junge Alternative“ speisen. Es gebe eine personelle Kontinuität, so Verfassungsschutzpräsident Dirk Pejril vor der Veranstaltung. „Die Reden der Delegierten anlässlich des Gründungskongresses Ende November in Gießen, gerade auch aus Niedersachsen, stützen diese Bewertung sehr deutlich.“
Der stellvertretende Landesvorsitzende Stephan Bothe hatte dem vorab gegenüber der dpa widersprochen: „Es gibt keine personellen Überschneidungen.“ Viele der ehemaligen Mitglieder seien inzwischen zu alt, um noch Mitglied einer Jugendorganisation sein zu können. Laut Statut der AfD können Jugendliche ab 14 Jahren Mitglied der GD werden. Ab 16 Jahren wird man auch Mitglied der AfD. Ab dem 36. Lebensjahr endet die Mitgliedschaft.
Außerdem habe man aus „Konstruktionsfehlern der Vergangenheit gelernt“, so Bothe, und beginne einen Neustart. Die Generation Deutschland sei „bewusst so konstruiert worden, dass die AfD dort die Hand drauf hat und gegen jede extremistische Bestrebung dann auch vorgehen kann.“ In Bezug auf eine mögliche Zusammenarbeit mit der rechtsextremen Identitären Bewegung erklärte Fehre, man halte sich an die Unvereinbarkeitsliste der Partei. „Wo es Synergien gibt, gibt es Synergien“, so Fehre, aber man konzentriere sich auf die eigene Arbeit und „haben es auch gar nicht nötig, uns in irgendeiner Weise von anderen Organisationen abhängig zu machen.“
Der 29-jährige gebürtige Bayer wohnt in Hannover und ist nach eigenen Angaben Unternehmer. Seit 2025 sitzt er für die AfD im Bundestag und vertritt die Partei im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung sowie im Europaausschuss.
Neben einem Wiedereinstieg in die Kernkraft forderte Fehre: Ausreisepflichtige Asylbewerber „gehören abgeschoben und sobald wir irgendwo in Regierungsverantwortung sind, werden wir mit allen Mitteln und Möglichkeiten Recht und Ordnung durchsetzen.“ Das sei auch, „was wir mit Remigration meinen, dafür stehen wir mit aller Entschlossenheit.“
Unter anderem das „Bündnis Buntes Brettorf“, ein Zusammenschluss verschiedener Gruppen wie „Omas gegen Rechts“, dem DGB und Parteien von CDU bis Linke, hatte zum Protest gegen die Veranstaltung aufgerufen. Etwa 300 Personen waren bereits um acht Uhr morgens zu einer Mahnwache gekommen, später stieg die Zahl der Teilnehmer bei einem Demonstrationszug.
Einzelne Aktivisten hatten im Laufe des Vormittages zudem immer wieder versucht, Zufahrtswege zu blockieren, wodurch es zu leichten Verzögerungen kam. Die Polizei war „mit einem angemessenen und ausreichenden Kräfteansatz“ vor Ort, wie es in einer Mitteilung hieß.