Olympische Winterspiele Wechselfehler im Langlauf: „Für die Geschichtsbücher“

Thomas Eßer, dpa
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Von Thomas Eßer, dpa
| 22.02.2026 11:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Darija Neprjajeva (l) nahm während des Olympia-Rennens versehentlich die Ski von Katharina Hennig Dotzler. Foto: Daniel Karmann
Darija Neprjajeva (l) nahm während des Olympia-Rennens versehentlich die Ski von Katharina Hennig Dotzler. Foto: Daniel Karmann
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Viel kurioser hätte die Olympia-Karriere von Katharina Hennig Dotzler nicht enden können. Eine Russin läuft versehentlich mit ihren Skiern weg. Wie reagiert die einzige deutsche Starterin?

Katharina Hennig Dotzler konnte nach dem wohl verrücktesten Rennen ihrer Langlauf-Karriere schnell wieder lachen. Dass sie Opfer des unfreiwilligen Ski-Diebstahls der Russin Darija Neprjajeva geworden war, machte sie nicht nachhaltig böse.

„Es war irgendwie bezeichnend, so wie ein Sportlerleben ist: Es gibt Aufs und Abs, wo man mit zurechtkommen muss und wo man einen kühlen Kopf bewahren muss. Und genauso war dieses Rennen heute“, sagte die 29-Jährige nach dem letzten Olympia-Wettbewerb ihrer Laufbahn.

Hennig Dotzler: „Sie hat sich bei mir entschuldigt“

Bei der Winterspiele-Premiere des 50-Kilometer-Rennens für Frauen hatte die unter neutraler Flagge startende Neprjajeva beim Skiwechsel versehentlich Hennig Dotzlers Ski genommen. „Ich habe erst im Ziel richtig erfahren, was passiert ist“, erklärte die Sächsin. Noch im Zielbereich erklärte Neprjajeva in der Sonne von Tesero gestenreich ihren Fauxpas.

„Sie hat sich bei mir entschuldigt. Sie war ganz durcheinander“, schilderte die neuntplatzierte Hennig Dotzler. Neprjajeva beendete das Rennen nach ihr und wurde später disqualifiziert.

„Das tut mir ehrlich gesagt auch ein bisschen leid, weil das macht ja keiner mit Absicht“, sagte die Deutsche, die aber auch Verständnis für die Entscheidung hatte. „Wenn man das nicht sanktioniert, dann haben wir wilden Westen hier. Da kann ja jeder irgendeinen Ski nehmen, wo er meint, der geht jetzt gut.“

Katharina Hennig Dotzler beendet ihre Olympia-Karriere auf Platz neun. Foto: Daniel Karmann
Katharina Hennig Dotzler beendet ihre Olympia-Karriere auf Platz neun. Foto: Daniel Karmann

Schlickenrieders Vergleich mit der Formel 1

Wie seine Athletin war auch Teamchef Peter Schlickenrieder nach dem letzten Langlaufrennen dieser Winterspiele, das die Schwedin Ebba Andersson mit mehr als zwei Minuten Vorsprung vor Silbergewinnerin Heidi Weng aus Norwegen gewann, nicht sauer. „Das sind die Geschichten, die oftmals mehr wiegen als eine Medaille. Das wirst du dein Leben nicht vergessen“, sagte der 56-Jährige. „Das ist was für die Geschichtsbücher, für die Enkelkinder.“

Im Rennen über 50 Kilometer ist es üblich, dass die Sportlerinnen die Skier zwischendurch wechseln. So machte es auch Neprjajeva, nutzte aber die falsche Wechselbox und griff daher zum falschen Material. „Das ist, wie wenn man bei der Formel 1 in die falsche Boxengasse fährt, wenn der Ferrari beim McLaren reinfährt“, sagte Schlickenrieder.

Techniker „bereits in der Mittagspause“

Die deutschen Skitechniker bemühten sich um schnellen Ersatz. „Zu diesem Zeitpunkt war das Technikerteam bereits in der Mittagspause, der Wachstruck war im Prinzip heruntergefahren. Wir mussten also alles wieder hochfahren, einen halben Truck neu aufbauen“, sagte Cheftechniker Lukas Ernst. Es klappte. Rund 20 Kilometer vor dem Ende des Rennens konnte Hennig Dotzler ihre Skier wechseln.

Der kuriose Fehler überlagerte die Diskussion um die Sinnhaftigkeit des neuen Wettkampf-Formats für Frauen bei Winterspielen, das das 30-Kilometer-Rennen abgelöst hat. Tags zuvor hatte sich Hennig Dotzler noch deutlich gegen die Neuerung ausgesprochen.

„Diese ganzen Strecken-Anpassungen: Das hat für mich nichts mit Gleichberechtigung zu tun“, hatte sie gesagt. Die Olympiasiegerin im Team Sprint von 2022 ergänzte: „Wir Frauen haben einen anderen Körper. Die Biologie ist eine andere. Da fühle ich mich auch nicht diskriminiert. Das ist halt einfach so. Wir haben halt andere Stärken. Deswegen finde ich, muss eine Frau nicht 50 Kilometer laufen.“

Bilanz: Einmal Bronze für deutsches Langlauf-Team

Für das deutsche Langlauf-Team steht am Ende ein Podestplatz in der Olympia-Bilanz von Italien. Laura Gimmler und Coletta Rydzek sicherten sich Bronze im Team Sprint. Bei den Winterspielen vor vier Jahren in China hatte es nicht nur Gold in dieser Disziplin, sondern auch Silber in der Frauen-Staffel gegeben. An beiden Medaillen war Victoria Carl beteiligt gewesen. Die 30-Jährige ist wegen einer positiven Dopingprobe gesperrt.

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