Osnabrück VfL Osnabrück gegen RW Essen: Ein Duell voller Stimmung, Spannung und Tradition
Es begann mit einem Spiel um die deutsche Meisterschaft, später ging es um den Aufstieg, jetzt ist es ein Top-Duell in der 3. Liga: Lila-Weiß gegen Rot-Weiss steht für Stimmung, für Spannung, Tradition und Kampf – auch am Samstag bei der 22. Begegnung an der Bremer Brücke.
Immer, wenn Rot-Weiss Essen kommt, bebt die Bremer Brücke. Oder besser: Fast immer. Die Liste der denkwürdigen Spiele zwischen den beiden Rivalen ist lang. Wir haben uns ein paar der Partien mit dem Label „Unvergesslich“ herausgesucht. Am Samstag (14 Uhr) gastiert RWE zum 22. Mal beim VfL – und allein die Erinnerung an die beiden letzten Duelle weckt Vorfreude. Die Bilanz der Heimspiele aus der Sicht des VfL: Neun Siege, acht Unentschieden, vier Niederlagen; 33:26 Tore.
15. Dezember 2024: Beide Vereine treten zum Kellerduell mit einem neuen Trainer an: RWE hat den zweieinhalb Monate zuvor in Osnabrück entlassenen Uwe Koschinat verpflichtet, beim VfL ist Marco Antwerpen als Retter angetreten. Nach acht sieglosen Spielen gelingt endlich wieder ein Dreier; es ist der Impuls zu einer aufsehenerregenden Aufholjagd. Nach der Führung durch den starken Dave Gnaase (nach Vorarbeit von Niklas Niehoff) müssen 14.000 VfL-Fans bis in die Nachspielzeit bangen, ehe Bashkim Ajdini einen an Marcus Müller verschuldeten Elfmeter zum 2:0-Endstand verwandelt. Es ist bis heute der letzte Startelf-Einsatz für „Bashi“ an der Bremer Brücke.
9. September 2022: Nach einem durchwachsenen Start und dem überraschenden Abgang von Trainer Daniel Scherning nach Bielefeld ist die Premiere des neuen Trainers Tobias Schweinsteiger in Oldenburg (3:4) schief gegangen. Da kommt ein 1:0-Flutlichtsieg gegen RW Essen gerade recht: Ba-Muaka Simakala erzielt das Tor des Tages, nach Vorarbeit von Omar Traore.
8. April 2006: Es ist der Tiefpunkt einer Saison, in der der VfL Osnabrück nach einem verheißungsvollen Aufbaujahr unter Trainer Claus-Dieter Wollitz eigentlich einen Anlauf auf die 2. Bundesliga nehmen will. Doch es läuft alles schief, erst recht gegen RWE. Im Hinspiel haben vier Platzverweise den VfL um den Lohn gebracht, die 1:2-Niederlage hat Folgewirkungen. Im Rückspiel am 28. Spieltag will Lila-Weiß – bei 24 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter RWE – das Prestigekonto aufladen, doch es gibt ein 1:4-Debakel. Am Ende steigen die Essener auf, Osnabrück landet auf Platz zehn.
25. Oktober 2002: Zweitliga-Atmosphäre beim Verfolgerduell der Regionalliga Nord – das Fernsehen ist vor 12.000 Zuschauern unter Flutlicht dabei und liefert Bilder, die einen Schiedsrichterfehler enttarnen: Christian Schößling erkennt einen Treffer von Angelo Vier fälschlicherweise nicht an. VfL-Trainer Jürgen Gelsdorf ist außer sich, zumal es für seine Mannschaft trotz einer starken Leistung nur zu einem 0:0 reicht. Was vor allem am jungen RWE-Torwart Sascha Kirschstein liegt.
27. April 1989: Auch das waren Freitagabende an der Bremer Brücke - der VfL steckt mitten im Abstiegskampf, doch zum wichtigen Spiel gegen RWE kommen nur 2.500 Zuschauer. Die meisten verabschieden die Mannschaft nach der schwachen Leistung und der 1:3-Niederlage mit Pfiffen und Schmährufen, auch die Führungscrew mit Präsident Hartwig Piepenbrock, Manager Wolfgang Loos und Trainer Hans-Werner Moors bekommt den Unmut zu spüren. Gezittert wird bis zum Saisonende, am letzten Spieltag bedeutet ein 1:1 in Mainz die Rettung. Der Trainer muss trotzdem gehen…
12. Juni 1985: Als Außenseiter ist der Nordmeister VfL Osnabrück am Pfingstsamstag mit einem sensationellen 1:0 beim Favoriten RWE in die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga gestartet. Es folgen drei Siege, so dass beim Rückspiel gegen die nervösen Essener die Rückkehr in die damals angestammte Liga perfekt gemacht werden kann. Es läuft wie am Schnürchen: Vorstopper Neale Marmon und Mittelstürmer Paul Linz sorgen für eine 2:0-Führung, nach dem Essener Anschlusstreffer wird es noch mal eng – doch am Ende feiern 18.000 Zuschauer mit dem VfL den Aufstieg.
8. Mai 1981: Nach einem Zwischentief rafft sich der VfL im spannenden Rennen um einen Platz in der eingleisigen 2. Bundesliga noch einmal auf. 5.000 Zuschauer erfreuen sich an einer starken Offensivleistung gegen die Essener, die aufgrund ihrer guten Vorplatzierungen in der 2. Liga Nord ihren Platz schon sicher haben. Der VfL braucht jeden Punkt, vielleicht sogar jedes Tor – das 4:0 nach Treffern von Horst Feilzer (2), Toni Fagot und Ralf Lehmann macht Hoffnung und ist der viertletzte Mosaikstein für Platz 6. Der reicht zwar nicht direkt, doch weil Arminia Bielefeld den Klassenerhalt in der Bundesliga schafft und Eintracht Braunschweig in die Eliteklasse aufsteigt, jubelt der VfL nach seinem letzten Spiel: „2. Bundesliga – wir kommen!“
30. August 1979: Nach fünf Spielen der Saison 1979/80 ist die von Manager Helmut Kalthoff und Trainer Gerd Bohnsack zusammengestellte Mannschaft noch ohne Sieg, als RW Essen (mit den späteren Nationalspielern Mathias Herget und Frank Mill sowie dem Ex-VfL-Amateur Dieter Bartel) zum Flutlichtspiel an die Bremer Brücke kommt. Gegen die von Trainer Rolf Schafstall extrem defensiv eingestellten Essener tut sich der VfL schwer und wird erst in der 80. Minute durch ein Eigentor von Urban Klausmann erlöst.
Die Entscheidung gelingt einem Jugendspieler, der erst ein paar Stunden vor dem Anpfiff die Spielerlaubnis vom Norddeutschen Fußballverband erhalten hat: Mario Laubinger hat in der A-Jugend von Trainer Friedel Hoppe als vielseitiger Stürmer auf sich aufmerksam gemacht; nach einer Stunde wechselt Bohnsack das Talent ein. In der vorletzten Minute der spannenden Partie geht er mit einem Steilpass von Nils Tune Hansen auf und davon und trifft eiskalt mit einem Schuss aus halbrechter Position zum 2:0-Endstand. Auf der Bank jubelt sein Kumpel Rainer Knopp, wie Laubinger beim Spielverein 16 von Hoppe entdeckt, springt so begeistert auf, dass er sich am Dach der Trainerbank eine Beule am Kopf einhandelt.
8. Juni 1969: Getragen von der Euphoriewelle, die der torreiche, sensationelle Titelgewinn in der Regionalliga Nord ausgelöst hat, hat der VfL die ersten drei Spiele der Gruppe 2 der Aufstiegsrunde ungeschlagen überstanden und fiebert nun dem Duell mit dem Favoriten RWE entgegen. An diesem heißen Sonntag wird Vereinsgeschichte geschrieben, denn die Partie geht als eines der dramatischsten Spiele in die Historie ein und gilt als Symbol und Höhepunkt einer Ära, an die man sich heute noch als „Die goldenen Jahre“ erinnert. Kurz nach der Pause liegt der VfL gegen die von 7000 Fans begleiteten Essener mit 0:3 zurück. Günther Müller löst mit seinem Tor zum 1:3 in der 69. Minute die rauschhafte Schlussphase aus, in der Linksaußen Carsten Bauman die Anstrengungen seiner Mitspieler krönt: 2:3 in der 81., 3:3 in der 89. Minute – und nach dem Spiel bringt es der Torjäger auf den Punkt: „Hätte das Spiel nur fünf Minuten länger gedauert, hätten wir gewonnen…“
11. Mai 1952: Knapp zwei Wochen nach dem denkwürdigen 0:0 gegen den VfB Stuttgart ist die Bremer Brücke auch beim ersten Aufeinandertreffen mit dem SC Rot-Weiss Essen restlos ausverkauft. Der VfL wahrt seine Chance durch einen verdienten 3:2-Sieg – gegen Heinz Kwiatkowski, der 1954 ebenso wie Helmut Rahn zum deutschen Aufgebot bei der WM in der Schweiz gehören wird – treffen der überragende Lutz Gerdes, Torjäger „Ötti“ Meyer und der brillante Linksaußen Ewald Nienhaus.