Digitale Dokumente  Führerschein kommt auf das Smartphone

Karin Lüppen
|
Von Karin Lüppen
| 20.02.2026 07:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bisher hat man den Führerschein als festes Dokument bei sich – inzwischen haben die meisten einen Kartenführerschein. Bald kann man ihn auf das Smartphone laden. Foto: Robert Michael/dpa
Bisher hat man den Führerschein als festes Dokument bei sich – inzwischen haben die meisten einen Kartenführerschein. Bald kann man ihn auf das Smartphone laden. Foto: Robert Michael/dpa
Artikel teilen:

Den Fahrzeugschein kann man schon aufs Handy laden, den Führerschein noch in diesem Jahr. Was ist bei einer Kontrolle zu beachten? Die Polizei in Leer erklärt es.

Landkreis Leer - Die Brieftasche kann wohl bald ganz zu Hause bleiben: Die Bundesregierung hat den Weg frei gemacht für weitere digitale Dokumente. Schon jetzt kann man sich den Fahrzeugschein für Auto, Motorrad oder Wohnmobil mit einer App auf das Smartphone holen. Der digitale Führerschein wird voraussichtlich noch in diesem Jahr folgen und der Personalausweis könnte 2027 verfügbar sein. Wer braucht das und warum?

Wie kommen die Dokumente aufs Handy?

Für den Fahrzeugschein steht bereits jetzt die App i-Kfz zum Herunterladen zur Verfügung. Sie wurde vom Kraftfahrtbundesamt und der Bundesdruckerei entwickelt. Mit dieser App kann der digitale Fahrzeugschein für das eigene Fahrzeug heruntergeladen werden. Dazu muss man sich in der App mit der Online-Ausweisfunktion des Personalausweises identifizieren. Dazu muss man die Ausweiskarte an das Gerät halten. Die Funktion im Perso muss jedoch dafür aktiviert sein. Bisher ist der digitale Fahrzeugschein nur für Privatpersonen verfügbar. Später wird auch der digitale Führerschein über die App verfügbar sein.

So sieht die Oberfläche der i-Kfz-App aus. Dort kann man mehrere Dokumente anzeigen lassen. Foto: Kraftfahrtbundesamt
So sieht die Oberfläche der i-Kfz-App aus. Dort kann man mehrere Dokumente anzeigen lassen. Foto: Kraftfahrtbundesamt

Die App ist in den jeweiligen App-Stores verfügbar, erforderlich sind die Betriebssysteme iOS ab Version 17 (Apple-Geräte wie iPhone) und Android ab Version 12 (zum Beispiel Samsung, Google Pixel). Sie ist nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes barrierefrei nutzbar. Achtung: Für Nutzer, die ein Smartphone von Huawei oder ein älteres Motorola-Modell haben, ist die App nicht verfügbar. Der Grund: Die i-Kfz-App unterstützt keine Huawei-Geräte, da sie keine Google-Dienste (Google Mobile Services, GMS) mehr verwenden. Die Nutzung der i-Kfz-App auf Motorola-Geräten ist aufgrund fehlender Verschlüsselungsart auf den Chips nicht immer möglich. Verfügbar ist die App auf den Modellen Edge 50 Neo, Edge 50 Ultra und Razr 50 Ultra.

Was ist der Vorteil des digitalen Kfz-Scheins?

Der wichtigste Vorteil ist für Autobesitzer, dass sie das Originaldokument zu Hause lassen können. Wenn ein Familienauto von mehreren Personen gefahren wird, können digitale Kopien über die i-Kfz-App geteilt werden. Jeder hat dann bei einer eventuellen Kontrolle das Dokument dabei. Eigentlich soll der Fahrzeugschein nicht im Auto liegen, damit er nicht Dieben in die Hände fallen kann. Im realen Leben liegt er aber doch oft im Handschuhfach oder hinter der Sonnenblende, damit er „immer dabei ist“. Über die App werden die Nutzer zudem an Termine wie die Hauptuntersuchung erinnert. Es können mehrere Fahrzeugscheine in der App angezeigt werden – zum Beispiel Privatauto und Motorrad.

Wenn später der digitale Führerschein dazu kommt, gilt für diesen wohl das Gleiche. Allerdings gilt dies nur, solange man sich in Deutschland befindet. Bei Fahrten ins Ausland müsste der Kartenführerschein dennoch mitgenommen und bei Kontrollen vorgezeigt werden. Geplant ist eine Einführung eines digitalen Führerscheins zwar auch auf EU-Ebene. Damit ist aber laut ADAC wohl nicht vor dem Jahr 2030 zu rechnen. Welche Regelungen dann gelten, ist abzuwarten.

Kommt auch ein digitaler Personalausweis?

Voraussichtlich ab dem nächsten Jahr könnte eine digitale Version des Personalausweises kommen. Geplant ist auf EU-Basis eine digitale Brieftasche (European Digital Identity Wallet, EUDI-Wallet) für alle Dokumente. Voraussichtlich wird man aber auch die i-Kfz-App für den Perso nutzen können. Schon jetzt kann man sich den Ausweis für die Online-Nutzung freischalten lassen. Damit kann man sich bei Online-Transaktionen im Handel, aber auch gegenüber Behörden ausweisen, ohne das Dokument aus der Hand zu geben.

Kommt der digitale Führerschein, dann kann man den echten zu Hause lassen. Foto: Robert Michael/dpa
Kommt der digitale Führerschein, dann kann man den echten zu Hause lassen. Foto: Robert Michael/dpa

Wie sicher sind die Dokumente?

Hat das Smartphone keinen Empfang, kann ein bereits installierter Kfz-Schein trotzdem angezeigt werden. Die Registrierung eines weiteren Dokumentes oder die Löschung ist offline dagegen nicht möglich. Der digitale Fahrzeugschein kann nicht ausgedruckt werden. Bei einer Zulassung oder Abmeldung eines Fahrzeugs ist der digitale Kfz-Schein nicht zugelassen – dafür braucht man weiterhin das offizielle Papierdokument. Bei einem Verkauf des Fahrzeugs und der Zulassung durch den neuen Halter wird der bisherige digitale Kfz-Schein in der App automatisch als ungültig angezeigt.

Wie funktioniert die Nutzung bei einer Polizeikontrolle?

Für die Überwachungsorgane wird sich nicht viel ändern, teilt die Polizeiinspektion Leer/Emden auf Anfrage mit. Bei einer Kontrolle müsse der Führer eines Kraftfahrzeugs das erforderliche Dokument vorzeigen. „Sie können dann zukünftig entscheiden, ob sie diese ausschließlich digital mit sich führen“, so die Polizei. Die Dokumente könnten wie bisher über die polizeilichen Abfragesysteme abgeglichen werden. Der digitale Führerschein sei lediglich als Ergänzung, nicht als Ersatz des Kartenführerscheins gedacht. In Deutschland werde man jedoch von der Pflicht entbunden, den Kartenführerschein bei sich zu haben.

Wäre ein Missbrauch denkbar?

Grundsätzlich hält die Polizei in Leer die digitale Form der Dokumente für sehr sicher. „Ein Missbrauch ist ähnlich wie bei physischen Dokumenten immer denkbar“, antworten Hans-Günter Jelting, Sachbearbeiter Einsatz und Verkehr, und Polizeisprecherin Melina Trey. Sie wollen jedoch nicht ins Detail gehen, um keine „Denkanstöße für Manipulationen“ zu liefern. Vor Ort sei immer ein polizeilicher Abgleich möglich.

Ob viele Menschen von der Digitalform ihrer Dokumente Gebrauch machen werden, hänge von der persönlichen Affinität zu technischen Lösungen ab. Wie oft die Beamten im täglichen Einsatz Kfz-Papiere oder Führerscheine kontrollieren, sei nicht zu schätzen, heißt es weiter. Bei einer allgemeinen oder anlassbezogenen Verkehrskontrolle seien die Dokumente aber jedes Mal vorzuzeigen.

Ähnliche Artikel