Kreis Leer Darum kämpfen Rentner mit den Mieten der Diakonie
Eine moderne Wohnung der Diakonie mit einer günstigen Warmmiete: Für viele Menschen im Kreis Leer mit wenig Rente klingt das wie ein Traum. Doch leisten können sie sich diese trotzdem nicht. Warum?
Hesel/Remels/Landkreis Leer - In Ostfriesland ist der Wohnraum knapp. Das treibt die Mieten in die Höhe. Menschen mit einem niedrigen Einkommen und Rentner schauen daher oft bei der Wohnungssuche in die Röhre – gerade wenn die Räume dann auch noch barrierefrei sein müssen. „Wir reden hier von Menschen, die im Monat zwischen 800 und 900 Euro Rente zur Verfügung haben“, sagt Marcus Schumacher. Er ist Geschäftsführer bei der Diakoniestation Hesel-Uplengen-Jümme.
Eigentlich soll für solche Menschen bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Bei der Miete soll dann auch der Staat finanziell unterstützen. Doch bei diesem System gibt es einen Haken, wie Marcus Schumacher nach Gesprächen mit seinen Patienten bemerkt hat: Moderne Wohnungen der Diakonie sind für Wohngeldempfänger zu teuer. Konkret macht sich dieses Problem bei den Wohnungen der Diakonie in Hesel bemerkbar. Aber warum?
„Die Wohnungen sind für alle günstig, außer für Sozialhilfeempfänger.“
In Hesel hat die Diakonie im Sommer 2025 mehrere Wohnungen an der Oldenburger Straße fertiggestellt, so Schumacher. „Unsere Patienten kommen aus Altbau-Wohnungen. Da sind 300 Euro in einem kalten Monat keine Seltenheit, um es warm zu haben“, sagt er. Bei Wohngeldempfängern oder Menschen mit einem Wohnberechtigungsschein werden solche Nebenkosten in der Regel aber vom Amt übernommen. In Hesel ist der Mietindex laut Schumacher relativ niedrig. Er liege bei etwa 5,80 Euro pro Quadratmeter.
Die neuen Wohnungen der Diakonie sind klein, barrierefrei, besser gedämmt und können einfacher beheizt werden. Die Energieeffizienz wird aber für viele Mieter zum Problem. Denn die niedrigen Nebenkosten werden weiterhin vom Amt übernommen, die höhere Grundmiete aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Die Folge: „Unsere Patienten müssen dann schnell mal 130 Euro oder sogar noch mehr im Monat dazu bezahlen“, sagt Schumacher. Und das gilt auch, wenn die Warmmiete (Kaltmiete plus Nebenkosten) für eine moderne Wohnung unter der Warmmiete für eine Altbau-Wohnung liegt. Für den Geschäftsführer unverständlich. „Eigentlich muss ich doch nur wissen, was mich eine Wohnung warm kostet. Und dann sollten mich die Sozialhilfeträger beim Stemmen der Warmmiete unterstützen“, sagt er und fügt an: „Die Wohnungen sind für alle günstig, außer für Sozialhilfeempfänger. Also die, die sie am meisten brauchen.“
Was ist mit den Bauprojekten der Diakonie?
Die Diakonie hat noch andere Bauprojekte mit weiteren Seniorenwohnungen. Ein Projekt ist vor Kurzem im Klosterweg in Hesel gestartet. Ein anderes ist im Quartier Hasenburg in Remels geplant. Hier sollen ein Wohnpark für Senioren und eine Tagespflege entstehen. Konkret bedeutet das vier Gebäude mit insgesamt 24 Wohnungen, die zwischen 50 und 65 Quadratmeter groß sind.
Doch an diesen Stellen jetzt nicht energetisch zu bauen, macht laut Marcus Schumacher keinen Sinn. Er lege Wert darauf, etwas zu bauen, wo die Nebenkosten nicht explodieren. Zudem sei in den Mietverträgen auch ein Telefon- und Internetanschluss mit drin. „Da spart man sich schnell mal 40 Euro im Monat“, sagt Schumacher. Man hole so für die Mieter das meiste heraus. „Die Wohnungen müssen für uns nur eine schwarze Null schreiben. Das sind keine Renditeobjekte und wir dürfen auch keinen Gewinn damit machen“, sagt er. Solche Wohnparks haben für das Personal der Diakonie außerdem den Vorteil, dass eine Pflegekraft an einem Ort gleich dutzende Menschen versorgen kann. So reduziere man die Fahrzeit im Auto und schaffe ein attraktiveres Arbeiten.
In Niedersachsen fehlen einer aktuellen Studie zufolge rund 117.000 Sozialwohnungen. Das geht aus dem „Sozialen Wohn-Monitor 2026“ des Pestel-Instituts im Auftrag des Bündnisses Soziales Wohnen hervor, der Anfang des Jahres in Berlin vorgestellt wurde. Bis 2030 werden in Niedersachsen mehr als 230.000 neue Wohnungen gebraucht. In Ostfriesland gibt es demnach besonders starke Defizite in den Landkreisen Leer und Wittmund. Der Landkreis Aurich steht leicht besser da. Eine Ausnahme in dieser Region ist die Stadt Emden. Laut Studie ist hier die Wohnungsmarktsituation „ausgeglichen“.