Paris Louvre erleidet Millionenschaden: Touristenführer begehen über Jahre Ticketbetrug
Ticketbetrüger sollen das Museum Louvre um rund zehn Millionen Euro gebracht haben. Ein Netzwerk aus Touristenführern nutzte ausgeklügelte Methoden, um Gelder zu hinterziehen. Nach dem spektakulären Einbruch im Oktober der nächste Skandal.
Der Louvre kommt nicht zur Ruhe. Dreieinhalb Monate nach dem spektakulären Einbruch und dem Diebstahl französischer Kronjuwelen erschüttert ein neuer Skandal das größte Museum der Welt. Mehr als zehn Jahre lang soll ein Netzwerk von Betrügern über ein ausgeklügeltes System gefälschte Eintrittskarten verkauft und Führungen überbucht haben. Angestellte fungierten als Komplizen.
Der Schaden ist gewaltig: Schätzungen zufolge liegt er bei über zehn Millionen Euro. Auch das Schloss Versailles soll betroffen sein.
Wie nun bekannt wurde, verhaftete die Polizei bereits am vergangenen Dienstag bei einer groß angelegten Razzia neun Menschen, die am Freitag einem Haftrichter vorgeführt wurden. Die Ermittler beschlagnahmten 957.000 Euro in bar und 486.000 Euro auf verschiedenen Bankkonten, außerdem mehrere Autos und den Inhalt von Banksafes.
Ein Teil des Geldes wurde laut Staatsanwaltschaft in Immobilien in Frankreich und Dubai investiert. Unter den Festgenommenen befanden sich zwei Beschäftigte des Kunstmuseums, mehrere Touristenführer und eine Person, die verdächtigt wird, das betrügerische Netzwerk organisiert zu haben.
Gegenüber der Zeitung „Le Parisien“ gab das Museum an, mit einem „Anstieg und der Diversifizierung von Ticketbetrug“ konfrontiert zu sein. Deshalb leitete es einen umfassenden Plan zur Bekämpfung und Prävention des Problems ein. Eine Anzeige im Dezember 2024 hatte den Beginn von Ermittlungen ausgelöst.
Damals machte die Museumsleitung die Justiz auf zwei chinesische Touristenführer aufmerksam, die Besuchergruppen eintreten ließen und wiederholt dieselben Tickets für verschiedene Personen verwendeten. „Andere Guides wurden daraufhin derselben Praktiken verdächtigt“, hieß es.
Überwachungs- und Abhöraktionen bestätigten den Verdacht. Mitarbeiter ließen sich offenbar bestechen: Gegen Bargeld willigten sie ein, keine Kontrollen durchzuführen. Bis zu 20 Gruppen pro Tag ließ das Netzwerk ersten Erkenntnissen zufolge in den Louvre ein.
Erst Mitte Januar hat das Kunstmuseum die Eintrittspreise für Nicht-Europäer über 18 Jahre erhöht. Besucher, die nicht aus dem europäischen Wirtschaftsraum kommen, müssen seitdem 32 Euro bezahlen – eine Erhöhung von 45 Prozent gegenüber dem vorherigen Tarif von 22 Euro, der für Europäer weiterhin gilt.
Eine unterschiedliche Preisgestaltung je nach Nationalität gibt es beispielsweise auch im Schloss Versailles oder Schloss Chambord an der Loire, sorgt aber für Kritik vor allem der Gewerkschaften, die Diskriminierung ausgerechnet beim Zugang zu öffentlichen Kulturstätten beklagten.
Gerechtfertigt wurde die Maßnahme durch geringere Subventionen durch das Kulturministerium und mit der notwendigen Renovierung und Modernisierung des Museumsbaus, dessen Grundlagen ins Mittelalter zurückgehen. Ab 1190 handelte es sich um eine mittelalterliche Festung, ab dem 14. Jahrhundert war der Louvre eine königliche Residenz, später ein erweiterter Königspalast.
Als der Sonnenkönig Ludwig XIV. im 17. Jahrhundert nach Schloss Versailles übersiedelte, wurde der Louvre zum Sitz von Künstlern und königlichen Akademien. Erst im Zuge der Französischen Revolution eröffnete ein Museum als Symbol dafür, dass die königlichen Sammlungen fortan dem Volk gehörten. Später beherbergte das Gebäude bis 1989 in einem neueren Gebäudeflügel, der unter Napoleon III. entstanden war, das französische Finanzministerium.
Der Einbruch im Oktober, bei dem acht Schmuckstücke der französischen Krone im Wert von 88 Millionen Euro gestohlen wurden, hat das Land tief schockiert. Die mutmaßlichen Täter wurden seitdem festgenommen, doch die Beute bleibt verschwunden.
Der Fall brachte teils längst bekannte Sicherheitsmängel ans Licht und die Direktorin Laurence des Cars unter Druck. In der Folge schlug sie mehrere Maßnahmen vor, wie 100 neue Überwachungskameras und sogar die Einrichtung eines Polizeikommissariats im Louvre. „Er empfängt täglich 30.000 Menschen und zählt 2300 Mitarbeiter, es ist eine Stadt in der Stadt“, begründete sie die Bitte.
Zuletzt häuften sich die Probleme. Im November musste eine Galerie wegen technischer Probleme geschlossen werden. Im Dezember und erneut in der Nacht auf Freitag kam es zu Wasserschäden. Umso umstrittener ist das große Umbauprojekt von Präsident Emmanuel Macron, das unter anderem einen zweiten Eingangsbereich und eine bessere Präsentation des berühmtesten Werkes, Leonardo da Vincis „Mona Lisa“, vorsieht.
Dem Rechnungshof zufolge könnte das Projekt mit 666 Millionen Euro zu Buche schlagen – Geld, das Kritiker des Projektes lieber in die Sicherheit investieren würden.