Aurich Junge Auricherin wagt Tapetenwechsel in Sevilla
Maler-Azubi Lara Vöge sammelte im Oktober 2025 Praxiserfahrung in Spanien. Jetzt wurde sie von der Handwerkskammer zum Lehrling des Monats Januar ernannt.
Ostfriesland / Sevilla - Am Flughafen von Sevilla herrscht Trubel, die Sonne brennt, die Koffer laufen auf dem Gepäckband an Lara Vöge vorbei. Ihrer ist nicht dabei. „Das war mein allererster Flug und direkt war der Koffer weg“, erzählt sie über ihr Erlebnis bei der Ankunft in Spanien. Drei Tage später kam der Koffer an. „Kaputt, aber immerhin mit allen Sachen.“
Nicht nur der chaotische Start in das Auslandspraktikum im Oktober des vergangenen Jahres hat die angehende Malerin und Lackiererin aus Aurich geprägt, wie kaum ein anderes Erlebnis in ihrer Ausbildungszeit.
Ein tolles Gespür für das Handwerk
Die 20-Jährige hat vier Wochen im spanischen Malerbetrieb „MC Interiores“ gearbeitet. Dort bewies Lara Vöge, was sie auch bei der Ausbildung in der Heimat auszeichnet: Sie blieb ruhig, packte an, lernte schnell und zeigte, dass sie Herausforderungen eher als Einladung sieht. Die Handwerkskammer für Ostfriesland ernannte die Auricherin jetzt zum Lehrling des Monats Januar.
Jörg Harms, Ausbildungsberater der Handwerkskammer, besuchte Lara Vöge in ihrem Ausbildungsbetrieb „Malerei mit Pfiff“ und gratulierte ihr zur Auszeichnung. Dem schloss sich auch Ausbilder und Chef Erik Wendeling an. „Als Lara 2023 bei mir anfing, hatte sie keine Vorkenntnisse, aber sofort ein tolles Gespür für ihr Handwerk“, sagt er.
Laras Arbeit fällt auf
Egal, ob im Betrieb in Aurich, in der Berufsschule oder in Sevilla: Laras Arbeit falle auf, so der Malermeister. Nicht, weil sie sich in den Vordergrund dränge, sondern weil man ihre Ergebnisse nicht übersehen könne. Sie sei präzise, flink, zuverlässig und habe einen sehr guten Blick für Details, der im Malerhandwerk selten so früh zu finden sei.
Das Praktikum in Sevilla habe diese Entwicklung zusätzlich beschleunigt, sagt Erik Wendeling über seine Auszubildende. „Zu Beginn ihrer Ausbildung hat sie kaum ein Wort gesagt. Das Leben und Arbeiten in Spanien hat ihr geholfen, offener aufzutreten“, erinnert er sich. Lara Vöge sei ein gutes Beispiel dafür, wie positiv sich Praktika im Ausland auf junge Menschen auswirken können.
Küche und Bad geteilt
In Sevilla lebte die junge Frau mit sechs weiteren deutschen Azubis aus unterschiedlichen Gewerken zusammen, vom Maurer bis hin zur Goldschmiedin. Sie teilten Küche und Bad. „Das war nicht immer einfach, weil wir charakterlich alle schon sehr unterschiedlich waren“, erklärt sie. Besonders schön sei jedoch gewesen, dass ihre Gastgeberin jeden Tag für die Gruppe gekocht habe – ein fester Ankerpunkt im oft trubeligen WG-Alltag.
Auch im Praktikumsbetrieb wurde Lara Vöge gefordert. Bei „MC Interiores“ durfte sie überall anpacken und in verschiedene Aufgaben und Tätigkeiten hineinschnuppern. Besonders beim Tapezieren konnte sie viele neue Techniken ausprobieren und ihre Fähigkeiten weiter ausbauen.
Andere Arbeitsweise als in Deutschland
Die Arbeitsweise in dem spanischen Betrieb sei zudem deutlich pragmatischer gewesen, als sie es aus ihrem Arbeitsalltag in Deutschland gewohnt sei. „Dort wird einfach losgelegt, ohne groß vorzubereiten. Wenn Farbe daneben geht, wird das einfach weggewischt“, sagt die Auricherin und lacht.
Die Mischung aus neuem Arbeitsstil, WG-Leben und fremder Umgebung habe sie wachsen lassen, „sowohl fachlich, als auch persönlich“, resümiert sie ihre Zeit in Sevilla. Für Lara Vöge steht fest: „So ein Auslandsaufenthalt bringt einen wirklich weiter. Ich kann nur jedem Azubi empfehlen, die Chance zu nutzen, wenn man sie bekommt.“
In der Ausbildung die Welt entdecken
Wer in der Ausbildung ausländische Werkstattluft schnuppern möchte, kann sich an die Mobilitätsberaterin Kirsten Grundmann von der Handwerkskammer Oldenburg wenden. Sie ist Ansprechpartnerin für Azubis aus dem Raum Ostfriesland und Oldenburg. Interessierte erreichen sie unter Telefon 04 41 / 23 22 75 und per E-Mail an grundmann@hwk-oldenburg.de.