Osnabrück Eis, Schnee und überfüllte Notaufnahmen: Eine Bilanz des bisherigen Winters in der Region Osnabrück
Der Winter hielt Stadt und Landkreis Osnabrück in den vergangenen Wochen fest im Griff. Von extremer Glätte über heftige Schneefälle bis hin zu einer Müllabfuhr am Limit mussten die Menschen in der Region vielfältige Wetterkapriolen meistern. Ein Rückblick auf die ereignisreichen Wochen.
So langsam klettern die Temperaturen tagsüber wieder über den Gefrierpunkt. Zeit für einen kleinen Rückblick auf den Winter, den das Sturmtief „Elli“ mit dem sprichwörtlichen Paukenschlag einläutete. Aber die Menschen in Osnabrück und Region kämpften in den vergangen Wochen noch öfter mit dem Wetter.
„Elli“ brachte eine Kombination aus heftigem Schneefall und Wind. Das sorgte für schwierige Bedingungen, insbesondere in Wäldern. Hier galt laut den Niedersächsischen Landesforsten dadurch eine akute Astbruchgefahr. Über den Wipfeln war unsere Fotodrohne natürlich sicher vor Ästen und nahm einige Winterbilder der umliegenden Wälder auf.
Besonders dramatisch spitzte sich die Lage am Freitag, 23. Januar, zu. Gefrierender Regen verwandelte die Straßen und Gehwege in der gesamten Region binnen kürzester Zeit in spiegelglatte Rutschbahnen. Der plötzliche Wintereinbruch führte zu einer Vielzahl von Verkehrsunfällen und Stürzen.
Die Krankenhäuser arbeiteten an ihrer Belastungsgrenze. Es handelte sich um einen „Massenanfall an Verletzten“, wie Prof. Dr. Steffen Roßlenbroich vom Marienhospital Osnabrück berichtete. Allein dort wurden an diesem Tag 251 Patienten unfallchirurgisch behandelt. Auch im Christlichen Krankenhaus Quakenbrück war die Unfallchirurgie „rappelvoll“.
Kaum war das Eis geschmolzen, sorgte am Montag, 26. Januar, starker Schneefall für neue Diskussionen. Obwohl der Winterdienst im Dauereinsatz war und Busse teils querstanden, fand in Stadt und Landkreis regulärer Unterricht statt.
Die Entscheidungsträger begründeten dies mit einer Lageeinschätzung am frühen Morgen, die die Straßenverhältnisse als beherrschbar einstufte. Anders sah es wenige Tage später aus: Am 29. und 30. Januar fiel die Schule aufgrund erneuter Glättegefahren in Stadt und Landkreis dann doch aus.
Die Gesamtbilanz für Schulausfälle in Stadt und Landkreis Osnabrück: Sechs Tage seit Anfang 2026. Fünf davon im Januar (9., 12., 23., 29. und 30.) und bislang ein Schulausfall im Februar: Der Mittwoch, 4. Februar.
Die anhaltenden winterlichen Verhältnisse hatten auch ganz praktische Folgen für den Alltag. Die Müllabfuhr der Awigo konnte in einigen Bereichen über Wochen hinweg den Restmüll nicht abholen, da schwere Fahrzeuge auf den vereisten Nebenstraßen nicht sicher manövrieren konnten. Eine Leserin berichtete, dass ihr Restmüll seit acht Wochen nicht abgeholt wurde.
Einige Bürger reagierten pragmatisch und packten mit an, um der Müllabfuhr die Arbeit zu erleichtern. Awigo verwies auf die Möglichkeit, Abfälle an Recyclinghöfen abzugeben oder Säcke bei der nächsten Leerung dazuzustellen. Auch der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) arbeitete im Schichtbetrieb, um die Hauptverkehrsadern frei zu halten, musste aber die Müllabfuhr zeitweise komplett einstellen.
In Melle führte die dauerhafte Kälte zu einem Engpass beim Streusalz. Wegen Lieferproblemen musste der Winterdienst dort eingeschränkt werden. Doch trotz aller Widrigkeiten zeigte sich in der Region auch große Hilfsbereitschaft.
Ein Beispiel ereignete sich in Melle-Oldendorf Anfang Februar. Als ein Rettungswagen auf einer völlig vereisten Straße feststeckte, eilten Anwohner mit Traktoren und Streugut zu Hilfe, um den Weg für den Notarzt und die Patientin freizumachen.
Ob der Winter nun vorbei ist, bleibt abzuwarten. Glaubt man einer alten Bauernregel und der Aktivität der Maulwürfe, könnten die kalten Temperaturen der Region noch bis Mai erhalten bleiben. Für ein klärendes Interview standen die orakelnden Insektenfresser leider nicht zur Verfügung.