Stecker gezogen?  Papenburger hat Ärger mit der EWE

Gerd Schade
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Von Gerd Schade
| 07.02.2026 17:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Austausch des Stromzählers in seinem Haus hat nach Auffassung von Gerhard Hanekamp aus Papenburg ein Problem ausgelöst. Foto: Gerd Schade
Der Austausch des Stromzählers in seinem Haus hat nach Auffassung von Gerhard Hanekamp aus Papenburg ein Problem ausgelöst. Foto: Gerd Schade
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Gerhard Hanekamp (83) aus Papenburg streitet mit der EWE seit Monaten um Geld. Anders als bei vielen anderen Kunden des Konzerns in der Region geht es aber nicht direkt um Probleme mit der Abrechnung.

Papenburg - In einem Ordner von Gerhard Hanekamp hat sich ein Haufen Schriftverkehr angesammelt. Einen Großteil davon hat der 83-Jährige aus Papenburg buchstäblich selbst angezettelt. Sein erster Adressat ist die EWE, Auslöser des Ganzen war ein Wechsel seines Stromzählers.

Wie Hanekamp im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet, ist in seinem Wohnhaus der Zähler Anfang März 2025 durch eine von der EWE Netz GmbH beauftragte Firma ausgetauscht worden. „Das ging schnell“, sagt er. Dabei habe es der Monteur jedoch versäumt, den Stecker von Hanekamps Photovoltaikanlage auf dem Dach mit dem neuen Zähler zu verbinden. „Der Monteur hat das Einstöpseln leider vergessen“, stellt der Papenburger fest. Dass die Stromeinspeisungseinheit der Anlage nicht verknüpft war, sei zunächst aber nicht aufgefallen. Dabei habe ihm der Monteur nach getaner Arbeit auf Nachfrage „nachdrücklich bestätigt“, dass alles in Ordnung sei. Auf diese Aussage habe er sich verlassen.

Gerhard Hanekamp fordert Erstattung in Höhe von 756,25 Euro

Die Folge laut Hanekamps weiterer Schilderung war aber: Über mehrere Wochen hinweg, genauer gesagt bis zum 19. Mai 2025, wurde die Stromproduktion und -einspeisung seiner Anlage nicht registriert. Dadurch sei ihm ein Schaden in Höhe von exakt 756,25 Euro entstanden. Hanekamp fordert die EWE auf, ihm den Betrag zu erstatten.

Der 83-Jährige sieht sich im Recht. Denn ein Vertreter eines in der Branche tätigen Unternehmens aus dem nördlichen Emsland, den er zu Rate zog, habe ihm den Vorgang nach einer Untersuchung bestätigt. Demnach war die PV-Anlage im Zuge des Zähleraustausches vermutlich abgeschaltet worden. „Auf jeden Fall war der Stecker am Wechselrichter gezogen“, hat der Vertreter des Unternehmens Hanekamp schriftlich bestätigt.

Drei Monate Stromproduktion von PV-Anlage nicht registriert

Den Berechnungen des Fachmanns zufolge hat die PV-Anlage des Papenburgers in den Monaten März, April und Mai vergangenen Jahres etwa 2800 Kilowattstunden Strom produziert. Der Haushaltsverbrauch habe in dem Zeitraum etwa bei 1200 Kilowattstunden gelegen. Folglich hätten rund 1600 Kilowattstunden ins Netz eingespeist und entsprechend vergütet werden müssen.

Für Gerhard Hanekamp steht fest: „Der Monteur hätte bei der Funktionsprüfung des neuen Zählers feststellen müssen, dass die Stromeinspeisungseinheit der PV-Anlage nicht mit dem Zähler verbunden war.“ Der EWE müsse ein Protokoll der Funktionsprüfung vorliegen.

EWE Netz GmbH lehnt Haftung ab

Die EWE Netz GmbH lehnt jedoch jede Verantwortung ab. Wie aus dem Schriftverkehr zwischen ihr und Hanekamp hervorgeht, ist nach Darstellung des Unternehmens der Zählerwechsel auf Grundlage geltender Sicherheitsvorgaben, „nach den anerkannten Regeln der Technik und ohne besondere Vorkommnisse“ durchgeführt worden. Ein manuelles Ein- oder Ausstecken von Komponenten sei nicht vorgesehen und auch nicht geschehen, erklärt die EWE Netz GmbH unter Berufung auf Aussagen des Monteurs. Den Hinweis, sich direkt an dessen Firma zu wenden, lehnt Hanekamp ab. „Mein Vertragspartner ist die EWE“, betont er.

EWE-Sprecher Alexander Jewtuschenko teilt auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass man den Sachverhalt „nochmals sorgfältig geprüft“ habe. „Dabei hat sich bestätigt, dass der Zählerwechsel ordnungsgemäß und ohne Eingriffe an der PV-Anlage durchgeführt wurde. Eine Haftung unsererseits ist daher ausgeschlossen“, betont Jewtuschenko.

Gerhard Hanekamp beklagt Kommunikation mit der EWE

Gerhard Hanekamp lässt derweil nicht locker. Der ehedem jahrzehntelang aktive CDU-Kommunalpolitiker und pensionierte Pädagoge der Berufsbildenden Schulen Papenburg hat in den vergangenen Wochen und Monaten weitere Schreiben auf den Weg gebracht. Unter anderem richtete er sich an den emsländischen Landrat Marc-André Burgdorf (CDU) als Vertreter der EWE-Verbandsversammlung sowie an den Verein Schlichtungsstelle Energie mit Sitz in Berlin.

In einem seiner Schreiben hinterfragt er die fachliche Qualifikation des Monteurs, in einem anderen moniert er die monatelange Bearbeitungszeit seines Anliegens durch die EWE. „Die Kommunikation ist sehr schwierig. Vieles passiert extrem zeitverzögert“, berichtet Hanekamp. Unterm Strich steht für ihn fest: Der Monteur hätte den fehlenden Anschluss bemerken müssen. Für die ihm dadurch entstandenen Verluste steht die EWE in der Haftung.

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