Remels Prüfung von Kita – was passiert im Hintergrund?
Die Kita Kinnertied in Remels wurde vom Landesjugendamt geprüft. Das Ergebnis fiel positiv aus. Nun spricht die Kita darüber, was im Hintergrund passiert ist.
Remels - Dass das Jugendamt des Landes Niedersachsen eine Kindertagesstätte prüft, sei kein Kita-Alltag. Es sei eine Seltenheit. Und dass darüber berichtet wird, sei fast einzigartig. Das sagt sowohl Beate Bäuerle, die bei der Gemeinde Uplengen das Gebiet Kindergarten und Schulen leitet, als auch Maren Pauw, Leiterin der Kita Kinnertied in Remels. „Solche Fälle gelangen eigentlich nicht an die Öffentlichkeit“, so Pauw. Und doch ist genau das bei der Kita Kinnertied passiert. Das Ergebnis dieser Prüfung fiel zwar positiv für die Einrichtung aus, aber Bäuerle und Pauw erläutern nun die allgemeinen Hintergründe.
Blaue Flecken bei Kindern – Wann wird etwas gemeldet?
Angefangen hat alles im Sommer von 2025. Damals machte Maren Pauw eine Meldung beim Jugendamt des Landkreises Leer. Es bestand für die Kita-Leiterin ein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. „Wir haben einen Schutzauftrag“, so Pauw. Hierfür entscheidend ist vor allem der Paragraf 8a im Sozialgesetzbuch VIII, der auch im Konzept der Einrichtung erwähnt wird. „Ohne das Schutzkonzept hätten wir im Übrigen auch keine Betriebserlaubnis vom Jugendamt bekommen“, sagt sie. Diesen Schutzauftrag haben auch Lehrer, Ärzte, Hebammen sowie Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe.
Die Erzieherinnen und Erzieher müssen Auffälligkeiten bei den Kindern nicht nur erkennen und einschätzen können, sondern auch bei Bedarf Meldung machen. „Wir stellen niemanden unter Generalverdacht. Aber wir wissen beispielsweise, wo blaue Flecken bei einem Kind typisch sind, und wo nicht“, betont die Kita-Leiterin. Auf die genauen Merkmale möchte sie nicht eingehen. Was die Kräfte ebenfalls wissen: Die meisten Verletzungen in Missbrauchsfällen bei Kindern kommen aus dem engsten Umfeld – schreibt auch der Kinderschutzbund auf seiner Webseite. Zur Erinnerung: Bei dem Fall aus dem vergangenen Sommer ging es nicht um blaue Flecken, sondern um dreckige und nach Urin riechende Kleidung und um eine Nasensonde, die nach Überzeugung des Personals bei dem Kind nicht nötig sei. Zudem sei von den Eltern vermehrt verschimmeltes oder abgelaufenes Essen eingepackt worden. Die Eltern bestreiten die Vorwürfe. Das Kind durfte aber seitdem nicht mehr die Kita Kinnertied besuchen.
Maren Pauw kramt ein Ablaufschema hervor. Gibt es bei der Beobachtung des Kindes eine Auffälligkeit, wird die Gefährdung in gering, mittel oder hoch eingestuft. Gering bedeutet meist ein einfaches Gespräch mit den Eltern. Bei mittel wird das gesamte Team informiert, die Elterngespräche intensiviert und Hilfsangebote vorgeschlagen. Bei einer hohen Gefährdung wird der Träger – also die Gemeinde Uplengen – mit einbezogen und falls nötig auch das Jugendamt.
Wann wird eine Kita geprüft?
Im Dezember von 2025 und Januar 2026 ging der Fall dann in die nächste Runde. Während die Eltern vom Jugendamt des Landkreises Leer befragt wurden, gab es eine Gegenanzeige. Der Kreis hat das Landesjugendamt über den Fall informiert. Unter anderem wurde der Kita vorgeworfen, das Kind der Familie regelmäßig ohne Spielzeug in den Flur gesetzt zu haben und dass sich Mitarbeiter abfällig und belustigend über das Kind geäußert hätten. Diese Anschuldigungen konnten allerdings nicht von den Eltern bewiesen werden. „Aber das reicht aus, um die Maschinerie in Gang zu setzen“, sagt Beate Bäuerle. Das Verfahren ist inzwischen abgeschlossen, bestätigte auch zuletzt das Regionale Landesamt für Schule und Bildung auf Anfrage.
Grundsätzlich kann jeder eine Meldung beim Jugendamt machen, das müssen nicht die Eltern oder Großeltern sein. Das können auch Menschen sein, die von draußen durch ein Fenster etwas beobachten. „Deswegen haben wir auch bei den Toiletten immer kleine Fenster“, so Bäuerle. Wenn etwa gewickelt wird, dann könne so gesehen werden, ob der Erzieher oder die Erzieherin andere Handlungen vornimmt. Zu beachten ist hier aber auch die Privatsphäre des Kindes – gerade aus Sicht des restlichen Personals wie Reinigungskräfte. „Keiner geht einfach so in den Wickelbereich. Es wird immer angeklopft“, ergänzt Maren Pauw.
Kita-Leiterin: „Meine Kinder bedeuten mir alles.“
Das Team um die Kita Kinnertied will nun positiv in die Zukunft blicken. „Ich hoffe, dass jetzt klar ist, dass wir hier wirklich eine tolle Einrichtung sind mit einem engagierten Team, das viel Herzblut in die Kinderbetreuung steckt“, betonte Maren Pauw schon beim letzten Gespräch. Sie selbst lässt ihr Kind in der Kita Kinnertied betreuen. „Und das würde doch sonst keine Pädagogin machen, oder? Meine Kinder bedeuten mir alles“, sagte die Leiterin.
Um die 100 Kinder werden aktuell im Kinnertied betreut. Damit zählt sie zu den größten Kitas in der Gemeinde Uplengen. 2019 wurde die Einrichtung gebaut.