Fachklinik in Weener „Gegenspieler“ stoppt den Minister im letzten Moment
Die Psychiatrie-Fachklinik in Weener soll kommen, doch das entscheidende Papier fehlt. Gesundheitsminister Philippi spricht von einer „Grätsche“ und verspricht: Es ist nur eine Frage der Zeit.
Weener - In Weener soll eine Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie entstehen. Nur: Das entscheidende Papier aus Hannover lässt weiter auf sich warten. Im Rheiderland war die Erwartung groß, Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi könne den Bescheid bei seinem Auftritt auf der Mitgliederversammlung des Allgemeinen Krankenhausvereins gleich mitbringen: geschniegelt, gestempelt, unterschrieben. Doch daraus wurde nichts.
„Im letzten Moment hat ein Mitspieler böse von der Seite reingegrätscht“, sagte Philippi und griff zum Fußball-Vokabular, als ließe sich Politik mit einer gelben Karte beruhigen. Der Video-Schiedsrichter, so der Minister, sei nun dabei zu prüfen, wie dieses Foul zu ahnden sei. Gleichzeitig machte Philippi klar: Die Weiterentwicklung des Rheiderland-Krankenhauses zur Fachklinik werde kommen. Offen sei im Grunde nur noch: wann.
Widerstand aus Emden gegen geplante Fachklinik in Weener
Der überharte Gegenspieler, um im Bild zu bleiben, ist in diesem Fall die Trägergesellschaft der Kliniken Aurich, Emden und Norden. Sie hatte die Pläne für eine neue psychiatrische Fachklinik in Weener im Dezember scharf attackiert. Wenn das Klinikum Leer, zu dem das Rheiderland-Krankenhaus gehört, den Standort zur Psychiatrie-Fachklinik ausbaue, seien die „etablierten Versorgungsstrukturen“ in der Region gefährdet, hieß es in einer Pressemitteilung.
„Es gibt Dinge auf der Welt, die kann auch ein Minister nur bedingt beeinflussen“, räumte Philippi ein. Ostfriesland bekomme mit der Zentralklinik in Uthwerdum ein schickes Krankenhaus, „wohl das modernste in Niedersachsen“. Und auch beim Personal, so Philippi, stünden die Bewerber dort praktisch Schlange. „Da muss man sich schon die Frage stellen: Wie viel Gönnen können wir?“ Der Minister zeigte sich irritiert, dass „wegen 20 Betten in der Psychiatrie“ so ein Aufstand gemacht werde. Er bleibe dabei: Die Umwandlung in Weener sei eine gute Idee – und passe zur Krankenhausplanung des Landes.
Der Druck durch psychische Erkrankungen wächst stetig
Philippi lobte, dass die Verantwortlichen in Leer und im Rheiderland frühzeitig nach einem Weg gesucht hätten, beide Standorte zukunftsfähig aufzustellen. In einer Zeit, in der sich Niedersachsens Krankenhauslandschaft spürbar verschiebe, sei hier, auch mit Blick auf Ostfriesland, eine tragfähige Lösung gefunden worden. Trotz wachsendem wirtschaftlichen Druck halte die Landesregierung am Ziel fest, die medizinische Qualität überall zu sichern. „Wir brauchen eine vernünftige Versorgung sowohl in den Städten als auch auf dem Land“, betonte Philippi. Den anstehenden Wandel wolle er nicht nur verwalten, sondern aktiv begleiten.
Denn die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Psychische Erkrankungen nehmen zu, die Zahl der Betroffenen wächst. Das Rheiderland, sagte Philippi sinngemäß, habe ordentlich Potenzial als Standort, als Baustein einer modernen, gut erreichbaren Versorgung und als Teil einer klaren Struktur für Ostfriesland. Was jetzt nicht passieren dürfe: dass regionale Krankenhäuser sich wie Rivalen auf dem Transfermarkt bekämpfen. Philippi zeigte sich dennoch zuversichtlich, innerhalb von zwei bis drei Monaten könne eine Lösung stehen. Zugleich warnte er, er sei notfalls bereit, Versorgungsgebiete neu zuzuschneiden, um Emden „den Wind aus den Segeln“ zu nehmen. „Leer ist für mich immer ein Beispiel, dass es möglich ist, ein gute Patientenversorgung anzubieten, und dennoch wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten.“
Der Kampf um die Fachklinik in Weener geht weiter
Jakobus Baumann, Vorsitzender des Allgemeinen Krankenhausvereins, machte keinen Hehl daraus, dass er sich an diesem Abend mehr erhofft hatte – am liebsten einen handfesten Bescheid statt warmer Worte. „Die Mitarbeiter warten darauf“, sagte er. Warum aus Emden Widerstand komme, obwohl die Trägergesellschaft selbst Millionen aus Hannover für die Zentralklinik erhalte, sei für ihn schwer nachvollziehbar. Und SPD-Landtagsabgeordneter Nico Bloem kündigte an, der Kampf um die Fachklinik gehe weiter, bis der positive Bescheid tatsächlich da sei: „Wir sind noch nicht am Pier angekommen, aber wir sind kurz davor.“
Am Rande der Veranstaltung wirkte Weeners Bürgermeister Heiko Abbas (CDU) zumindest vorsichtig optimistisch, „fast zufrieden“. Er sagte: „Ich glaube, der Weg ist nicht mehr aufzuhalten.“ Die gesamte Region stehe hinter den Plänen für das Rheiderland-Krankenhaus. Und wo, fragte Abbas, gebe es das sonst, dass eine Umwandlung des eigenen Krankenhauses von der Bevölkerung geschlossen mitgetragen werde.