„Der Heimatlose“  Auf Norderney gedreht – Weltpremiere auf der Berlinale

Pia Pentzlin
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Von Pia Pentzlin
| 03.02.2026 14:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
20 Drehtage hat das Filmteam auf Norderney verbracht. Im Februar feiert das Insel-Drama Premiere. Foto: Florian Mag
20 Drehtage hat das Filmteam auf Norderney verbracht. Im Februar feiert das Insel-Drama Premiere. Foto: Florian Mag
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2024 wurde auf Norderney das Drama „Der Heimatlose“ gedreht. Im Film wird der Name der Insel aber nicht erwähnt. Drehbuchautor und Regisseur Kai Stänicke erklärt im Interview, warum das wichtig ist.

Norderney/Berlin - Mitte Februar starten mit der Berlinale die wichtigsten Filmfestspiele des Landes. Auch in diesem Jahr wird ein genauer Blick auf die Debütfilme geworfen. Einer davon, „Der Heimatlose“, sticht besonders hervor. Im Mittelpunkt des Films steht das Leben auf einer Insel – dafür wurde auf Norderney gedreht.

Hinter dem Film steht der Drehbuchautor und Regisseur Kai Stänicke. Der Filmemacher ist in Nordrhein-Westfalen geboren und lebt und arbeitet heute in Berlin. Kurz vor der Weltpremiere seines Films hat er sich mit dieser Redaktion zum Interview getroffen.

„Der Heimatlose“ ist Ihr Debütfilm. Worum geht’s genau?

Stänicke: Es ist ein historischer Film, der um die Jahrhundertwende spielt. Es geht um einen jungen Mann namens Hein, der nach 14 Jahren Abwesenheit in seinen Heimatort zurückkehrt. Eine winzig kleine Gemeinde auf einer ganz kleinen Insel mitten im Nirgendwo. Aber niemand erkennt Hein und die Gemeinde glaubt nicht, dass er derjenige ist, der er vorgibt zu sein. Sie fordert deshalb ein Dorfgericht, bei dem er seine Identität beweisen muss.

Weil die Inselgemeinschaft dem Heimkehrer nicht glaubt, fordert sie ein Dorfgericht ein. Foto: Florian Mag
Weil die Inselgemeinschaft dem Heimkehrer nicht glaubt, fordert sie ein Dorfgericht ein. Foto: Florian Mag

Sie haben Regie geführt und das Drehbuch geschrieben. Wie sind Sie auf die Idee zum Film gekommen?

Stänicke: Ich komme aus einer kleinen Stadt in Nordrhein-Westfalen und bin für mein Studium erst nach Dortmund und dann nach Berlin gegangen. Wenn ich wieder in diese Kleinstadt zurückgekommen bin, hatte ich immer das Gefühl, es war ein anderes Leben, was ich dort geführt habe. Und ich könnte nie zurück in dieses alte Leben. Aus diesem Gefühl heraus ist die Idee zum Film entstanden.

Der Film spielt auf einer Insel, weil ich den Ort, an den der Protagonist zurückkehrt, total losgelöst von der Welt haben wollte. Ich wollte, dass dieser Ort sehr einsiedlerisch ist, weil sich diese Gemeinde so abschottet – dem Protagonisten gegenüber, aber auch generell äußeren Einflüssen.

Wichtiges Zum Film

Titel: „Der Heimatlose“ oder „Trial of Hein“

Genre: Drama

Länge: 122 Minuten

Kinostart: Zweites Quartal 2026

Auszug aus der Besetzung:

  • Paul Boche, bekannt aus „Zwischen uns die Nacht“
  • Philip Froissant, bekannt aus „Die Kaiserin“
  • Stephanie Amarell, bekannt aus „Dark“
  • Emilia Schüle, bekannt aus „Ku´damm“
  • Aaron Hilmer, bekannt aus „Im Westen nichts Neues“
  • Julia Jenkins, bekannt aus „Dark“
  • Jeanette Hain, bekannt aus „Davos“
  • Sebastian Schwarz, bekannt aus „Mord mit Aussicht“

Sie sprechen immer nur von einer Insel. Hat es einen Grund, dass sie im Film keinen Namen hat?

Stänicke: Für mich ist der Film eine Parabel, es ist ein Märchen. Ich wollte die Geschichte losgelöst von Zeit und Ort erzählen. Dadurch soll jeder daran anknüpfen können. Ich glaube, sehr viele Menschen haben ambivalente Gefühle ihrer Heimat gegenüber. Es macht etwas mit einem, in die eigene Heimat zurückzukehren. Es war immer mein Wunsch, dass die Leute unabhängig von meiner Geschichte und von Heins Geschichte im Film Anknüpfungspunkte daran haben, was dieser Bezug zur Heimat mit ihnen macht.

Warum haben Sie den Film auf Norderney gedreht?

Stänicke: Das hat sich vom Drehbuch her sehr gut angeboten. Es spielt in einer kleinen Gemeinde auf einer einsamen Insel, ein Dorf mitten in den Dünen. Norderney war eine der ersten Inseln, die uns gegenüber sehr offen war. Durch das Filmfestival Emden-Norderney sind sie auf der Insel generell sehr filmaffin und haben auch extra Ansprechpartner für Film-Arbeiten. Das heißt, wir hatten direkt jemanden, der uns auch einen Ort für die Dreharbeiten vorschlagen konnte, der zwar in den Dünen liegt, aber nicht unter Naturschutz steht.

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Wo haben Sie genau gedreht?

Stänicke: Dieser Platz wird normalerweise als Zeltplatz für ein Beachvolleyball-Turnier genutzt. Der ist eher in der Stadt, aber umgeben von Dünen. Durch die hohen Dünenwände sieht man aber kaum etwas von der Stadt. Auf dem Platz konnten wir dann unser Dorf aufbauen und erzählen, dass dieses Dorf mitten in den Dünen liegt.

Wie haben Sie die Dreharbeiten auf Norderney erlebt?

Stänicke: Für mich als Regisseur ist die Zeit natürlich sehr anstrengend und mit sehr viel Druck behaftet gewesen. Man muss sich das vorstellen: Du hast jahrelang darauf hingearbeitet, hast all diese Zeit und all die Energie und all dein Herz da hinein gesteckt und dann kommt alles auf nur 20 Drehtage an.

Ist Ihnen die Insel trotzdem positiv in Erinnerung geblieben?

Stänicke: Auf jeden Fall. Wir wurden total gut aufgenommen und haben uns auf Norderney sehr wohlgefühlt. Die Gemeinde hat sehr viel möglich gemacht. Das Team, der Cast und auch die Komparsen hatten eine ganz tolle Zeit und einen tollen Dreh.

Haben Sie viel mit Statisten von der Insel gedreht?

Stänicke: Ja, wir haben auf Norderney unsere Dorfgemeinde gecastet. Da hatten wir natürlich durch den historischen Film auch gewisse Voraussetzungen. Das heißt: Keine gefärbten Haare, keine Piercings, keine Tattoos. Die Männer mussten alle einen Vollbart haben. Diese Menschen muss man erst einmal finden und dann müssen sie ja während der Drehzeit auch Zeit haben.

Diese Dorfgemeinde hat uns dann einen Großteil der 20 Tage begleitet und ist mit uns zusammen eine eigene kleine Gemeinschaft geworden. Das war wirklich schön.

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Die Dreharbeiten konnte man auf den Social-Media-Kanälen einzelner Schauspielerinnen und Schauspieler verfolgen. Sie hatten auch ganz schönen Sturm teilweise, oder?

Stänicke: Deshalb mussten wir auch einige Sachen umlegen. Der Sturm war nicht ohne. Das habe ich so noch nicht erlebt. Der Wind hat mir meine Mütze vom Kopf gerissen, der musste ich dann erstmal lange hinterherlaufen.

Aber insgesamt hatten wir sehr viel Glück mit dem Wetter. Wobei man das zweiseitig betrachten muss. Ich habe den Film ursprünglich immer sehr neblig gesehen. Wir haben im September und Oktober 2024 gedreht und es gab fast nur Sonne. Das hatte ich mir natürlich anders vorgestellt. Für das Team war das aber super.

Im Film spielen Philip Froissant, Emilia Schüle, Aaron Hilmer, Julia Jenkins und noch viele weitere angesehene Schauspielerinnen und Schauspieler aus der deutschen Filmlandschaft mit. Ist das Ihre Traumbesetzung?

Stänicke: Ohne Frage. Das Feedback, das wir von den Schauspielenden zum Drehbuch bekommen haben, war ein großes Geschenk. Sie wollten schon auf Basis des Buches unbedingt Teil dieses Projekts sein.

Diese Besetzung ist ein absoluter Traum und sie haben jeweils persönlich noch so viel hineingegeben in den Film. Das war nicht unbedingt einfach, weil es ein historischer Stoff ist mit einer historischen Sprache. Es ist eine zusätzliche Hürde, das trotzdem nahbar und emotional glaubhaft wiederzugeben. Das hat der Cast toll gemacht, darüber bin ich sehr glücklich.

Ist Hein (links, gespielt von Paul Boche) der, der er vorgibt zu sein? Foto: Florian Mag
Ist Hein (links, gespielt von Paul Boche) der, der er vorgibt zu sein? Foto: Florian Mag

Was bedeutet Ihnen dieser Film?

Stänicke: Er bedeutet mir wirklich sehr viel. Unabhängig von der Idee zum Film steckt da sehr viel von mir drin. Alles ist sehr nah an dem, was ich fühle. Ich bin sehr glücklich über die Chance, auf der Berlinale Premiere zu feiern und dass der Film diese große Aufmerksamkeit bekommt. Ich bin gespannt und auch nervös, wie die Menschen auf den Film reagieren und wie das Publikum den Film aufnimmt.

Die Berlinale gilt als eines der wichtigsten internationalen Filmfestspiele. Verspüren Sie Druck?

Stänicke: Natürlich gibt es einen Druck, aber den beziehe ich nicht zu sehr auf den Film, weil ich wirklich sehr an diesen Film glaube. Ich glaube, er ist etwas ganz Besonderes geworden und deshalb freue ich mich, dass er jetzt die Chance bekommt, international gesehen zu werden.

Ihr Film läuft als Opener beim Perspectives-Wettbewerb. Dort treten verschiedene Debütfilme gegeneinander an. Wie fühlen Sie sich damit?

Stänicke: Es ist eine große Ehre und etwas Besonderes, den Wettbewerb zu eröffnen. Das gibt dem Film nochmal eine andere Aufmerksamkeit, über die ich mich wahnsinnig freue.

Die Berlinale ist eines der wichtigsten internationalen Filmfestspiele. Foto: Jens Kalaene/dpa
Die Berlinale ist eines der wichtigsten internationalen Filmfestspiele. Foto: Jens Kalaene/dpa

Erhoffen Sie sich eine Auszeichnung?

Stänicke: Allein in den Wettbewerb eingeladen zu werden, ist schon eine sehr große Auszeichnung. Man kann nie wissen, was eine Jury denkt und wie sie auszeichnet. Ich freue mich erst einmal, überhaupt Teil des Wettbewerbs sein zu dürfen und den Film mit der Welt zu teilen. Das allein ist schon eine große Anerkennung.

Die Filmfestspiele finden zwischen dem 12. Februar und dem 22. Februar statt. „Der Heimatlose“ läuft zwischen dem 13. und 19. Februar fünf Mal auf der Berlinale. Tickets können immer drei Tage vor der Vorstellung ab 10.00 Uhr gekauft werden, unter anderem über www.berlinale.de. Das Insel-Drama wird außerdem innerhalb des zweiten Quartals 2026 in den deutschen Kinos zu sehen sein.

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