Osnabrück  Mit dem Rüffel für ZDF und ARD schießt Julia Klöckner ein Eigentor

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 01.02.2026 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Öffentlich-rechtliche Übertragung: die Verleihung des Ordens Wider den tierischen Ernst. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner mit der diesjährigen Preisträgerin Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (l., CSU). Foto: IMAGO/Christoph Hardt
Öffentlich-rechtliche Übertragung: die Verleihung des Ordens Wider den tierischen Ernst. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner mit der diesjährigen Preisträgerin Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (l., CSU). Foto: IMAGO/Christoph Hardt
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Bundestagspräsidentin Julia Klöckner ermahnt die Öffentlich-Rechtlichen. Dabei wirkt die Schelte weniger wie ein Beitrag zur Qualitätssicherung der Sender, als vielmehr wie der Versuch, von etwas anderem abzulenken.

Die Forderung von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner nach mehr Selbstreflexion bei ARD und ZDF ist auf den ersten Blick schwer zu tadeln – wer wollte schon etwas dagegen haben, wenn sich öffentlich-rechtliche Sendeanstalten systematisch fragen, ob sie ihrem Auftrag gerecht werden? Und klar, es gibt bei Neutralität und Ausgewogenheit, Kosten und Effizienz Luft nach oben. Doch der unterschwellige politische Impuls hinter dieser Mahnung verdient genau jene Reflexion, die Klöckner einfordert.

Die CDU-Politikerin argumentiert, der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse wieder stärker live über Politik berichten, etwa über Bundestagsdebatten. Das klingt nach Transparenz, nach Bürgernähe. Doch wer soll das schauen? Die arbeitende Bevölkerung? Junge Menschen in Schule, Uni oder Ausbildung? Bleiben die Rentner, jene Bevölkerungsgruppe mit dem wohl größten und stabilsten Wählerpotenzial für die Union.

Außerdem existiert mit Phoenix längst ein Sender, der Live-Formate anbietet – zuverlässig, aber nicht mehr als ein Nischenprodukt. Im Zweifel entfliehen viele Zuschauer dann doch lieber der Realität und schauen „In aller Freundschaft“ oder „Die Rosenheim-Cops“.

Der Ruf nach mehr Politik im Programm irritiert umso mehr, als Klöckner im Zuge ihrer Medienschelte die Erwartungen der Bürger an die Politik gleich mit dämpft. Anstatt höhere Ansprüche an die gewählten Vertreter des Volkes zu formulieren, legt sie den Bürgern nahe, nicht zu große Hoffnungen in selbige zu setzen. Ist das die Aufgabe einer Parlamentspräsidentin?

Natürlich müssen ARD und ZDF über Programmstrukturen reden, über journalistische Qualität ohnehin. Und ob die Rundfunkgebühren immer richtig angelegt sind, kann man durchaus bezweifeln. Die Anstalten sind aber doch nicht dafür verantwortlich, das Interesse einer Gesellschaft für Politik zu beleben – schon gar nicht, wenn die Gewählten selbst kaum Begeisterung wecken und um Nachsicht dafür werben, wenn sie Erwartungen nicht erfüllen.

So wirkt Klöckners Medienkritik weniger wie ein Beitrag zur Qualität der Berichterstattung, als vielmehr wie ein Versuch, den öffentlichen Diskurs umzulenken – weg von der Frage, was die Politik selbst bewirken können müsste, hin zu der Frage, wie freundlich über sie berichtet wird. Besonders originell ist Klöckner damit nicht.

Die Erwartung, die Öffentlich-Rechtlichen könnten den Vertrauensverlust in die Politik kompensieren, ist so unrealistisch wie bequem.

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