Osnabrück Immer weniger Kinder können schwimmen: So hilft das Projekt „Früh schwimmt sich“ in Osnabrück
Für viele Kinder ist das Schwimmbad ein fremder Ort – einige trauen sich sogar nicht ins Wasser. Kostenlose Schwimmkurse in Osnabrücker Kitas sollen das ändern. Wie schafft es das Projekt „Früh schwimmt sich“, Kindern das Schwimmen beizubringen?
Immer mehr Kinder kommen in die Schule, ohne schwimmen zu können – laut der DLRG waren 2023 rund 60 Prozent der Zehnjährigen Nichtschwimmer. In Osnabrück bietet die Bürgerstiftung mit dem Projekt „Früh schwimmt sich“ kostenlose Schwimmkurse in Kitas an, in denen Kinder frühzeitig schwimmen lernen.
Organisiert werden die Schwimmkurse von der Bürgerstiftung Osnabrück, die die Schwimmlehrer zusammen mit der Schwimmschule Jürgen Lamping stellt. Das Unternehmen Thomas Philipps unterstützt das Projekt mit einer Summe im mittleren sechsstelligen Bereich. „Wir waren sofort begeistert vom Projekt und wollten helfen“, sagt Theresa Philipps, Geschäftsleiterin Marketing. Am Donnerstag überreichten sechs Kinder der Kita Heiligenweg ihr zum Dank eine selbst gestaltete Leinwand.
Die Kurse richten sich vor allem an Kindergartenkinder aus einkommensschwachen Familien. „Alle Kinder, die zu uns kommen, können zu Beginn nicht schwimmen. Knapp die Hälfte war vorher noch nie im Schwimmbad und viele haben sogar Angst davor, ins Wasser zu gehen“, sagt Schwimmlehrer Jonas Lamping.
Häufig fehlen die Möglichkeiten, schwimmen zu lernen: Schwimmkurse und Schwimmbadbesuche sind für viele Familien zu teuer, und manche Eltern können selbst nicht schwimmen. „In anderen Kulturen ist es nicht so wichtig, schwimmen zu lernen“, erklärt Lamping.
Die Kurse finden einmal pro Woche während der Kitazeiten statt und dauern jeweils 45 Minuten. Das Angebot ist für Eltern bewusst kostenfrei: Gerade Familien, die sich reguläre Schwimmkurse nicht leisten können, sollen erreicht werden. Das seien auch Kinder mit Migrationshintergrund, die rund 60 Prozent der Kurse ausmachen.
Aktuell nehmen wöchentlich rund 130 Kinder an dem Projekt teil. Die Kurse sind sowohl im Schinkelbad als auch im Schwimmbad der Schwimmschule Lamping.
Großen Wert wird auf einen behutsamen Einstieg gelegt: Erzieher begleiten die Kinder gemeinsam mit den Schwimmlehrern im Wasser. „Gerade am Anfang brauchen die Kinder jemanden, der ihnen Sicherheit gibt“, erläutert Lamping. Auch das warme Wasser trägt dazu bei, dass sich die Kinder wohlfühlen.
Der erste Wasserkontakt erfolgt spielerisch im flachen Bereich. Mit Schwimmnudeln und einfachen Übungen wie Blubbern oder Treibenlassen gewöhnen sich die Kinder langsam an das Wasser. Schritt für Schritt geht es anschließend ins tiefere Becken, wo das eigentliche schwimmen lernen beginnt.
„Unser Ziel ist, dass die Kinder am Ende angstfrei ins Wasser gehen, sicher schwimmen und tauchen können“, sagt Lamping. Mindestens das Seepferdchen sollen die Kinder erreichen – einige schaffen sogar mehr.
Begonnen hat das Projekt 2024 mit fünf Kitas – inzwischen sind es 13 in Osnabrück. Zwei weitere sollen noch in diesem Jahr hinzukommen.