Sieg gegen Kroatien „Phänomenale Leistung“: Handballer spielen um den EM-Titel
Deutschland steht im Finale der Handball-Europameisterschaft. Angstgegner Kroatien kann die Mannschaft um Juri Knorr nicht stoppen. Im Endspiel wartet der Topfavorit.
Schon Sekunden vor dem Abpfiff rissen Deutschlands Handballer die Arme in die Luft und als die Schlusssirene ertönte, schrie auch Bundestrainer Alfred Gislason die Freude über den Einzug ins EM-Finale heraus. Die DHB-Auswahl setzte sich im Halbfinale gegen Angstgegner Kroatien mit 31:28 (17:15) durch und greift jetzt nach Gold.
Köster macht das Sieger-Selfie
Die erste Medaille bei einer Europameisterschaft seit dem Titel 2016 ist aber schon jetzt sicher. „Ich bin extrem stolz auf die Jungs, durch diese Todesgruppe durchgekommen und nun im Finale zu sein. Das ist eine phänomenale Leistung von allen“, sagte Gislason in der ARD. „Wieder eine grandiose Teamleistung“, betonte Julian Köster, nachdem er noch das Sieger-Selfie mit seinen Mitspielern gemacht hatte. „Es macht richtig Bock mit der Mannschaft.“
Im Endspiel am Sonntag (18.00 Uhr/ZDF/Dyn) trifft der Olympia-Zweite Deutschland auf die dänischen Überflieger um Welthandballer Mathias Gidsel. Der Co-Gastgeber kämpfte in einem unerwartet engen Halbfinale Außenseiter Island mit 31:28 (14:13) nieder und könnte nach den Triumphen bei Olympia und der WM den dritten großen Titel in Serie gewinnen.
„Super Mannschaftsleistung“
Vor 15.000 Zuschauern im dänischen Herning war Lukas Zerbe mit sechs Treffern bester Werfer des DHB-Teams. „Es war über 60 Minuten eine super Mannschaftsleistung“, sagte er: „Wir freuen uns jetzt heute, regenerieren gut und freuen uns dann aufs Finale.“ So wie sie heute verteidigt hätten, könnten sie jede Mannschaft schlagen.
Für die deutsche Auswahl war es der erste Pflichtspielsieg gegen die Mannschaft des früheren Bundestrainers Dagur Sigurdsson seit 2019. In der unmittelbaren EM-Vorbereitung gewann Deutschland zwei Testspiele.
Mit dem Einzug ins Finale hat sich die DHB-Riege bereits eine Gesamtprämie von 430.000 Euro gesichert. Sollte Deutschland zum dritten Mal Europameister werden, erhöht sie sich auf 575.000 Euro.
Sigurdssons Ausraster heizt Stimmung an
Für Sigurdsson war es eine ganz spezielle Partie, führte er Deutschland 2016 doch sensationell zum Titel. Aus dem aktuellen DHB-Kader waren damals schon Andreas Wolff, Jannik Kohlbacher und Rune Dahmke mit dabei. „Für 60 Minuten pausiert die Freundschaft“, hatte Kohlbacher angekündigt.
Daran gab es spätestens nach Sigurdssons Ausraster am Vorabend keinen Zweifel. In einer Schimpftirade prangerte der 52-Jährige die enge Spieltaktung und Reisestrapazen für sein Team an. Anders als Deutschland absolvierte Kroatien zuletzt zwei Partien in zwei Tagen und musste am spielfreien Donnerstag von Schweden nach Dänemark reisen. Die Europäische Handballföderation (EHF) kündigte Anpassungen der Spielpläne bei künftigen Turnieren an.
Wolff ist sauer - und pariert
Wut war in der Anfangsphase aber vor allem bei Wolff zu spüren, der seine Vorderleute regelmäßig zusammenstauchte. Ohne den weiterhin kranken Abwehrchef Tom Kiesler offenbarte Deutschland große Lücken und ermöglichte den Kroaten einige leichte Tore vom Kreis. Auch aus dem Rückraum knallte die Mannschaft von der Adria die Harzkugel ein ums andere Mal an Wolff vorbei - allen voran der langjährige Bundesligaprofi Ivan Martinovic.
Die eigenen Ballverluste im Angriffsspiel machte Wolff zunächst mit Paraden wett, sodass es nach einer Viertelstunde 7:7 stand. Deutschland tat sich insgesamt schwer mit der offensiven Deckung des WM-Zweiten. Spielmacher Knorr strahlte zwar in der ersten Halbzeit viel Torgefahr aus, agierte aber ab und an zu verspielt.
Justus Fischer block und blockt und blockt
Nach Wolffs acht Paraden bis zur Pause sah Gislason keinen Anlass für einen Wechsel im Tor. Dank starker Defensivleistung zog Deutschland auf 20:16 davon. Die anfangs noch lautstarken kroatischen Fans verstummten in dieser Phase. Und bei der DHB-Riege funktionierte plötzlich alles. Vor allem Kreisläufer Justus Fischer ragte mit drei Blocks innerhalb weniger Sekunden heraus.
„Wie geil verteidigen wir denn da bitte gerade“, schwärmte Handball-Ikone Stefan Kretzschmar bei Dyn. Beim 26:19 eine Viertelstunde vor Spielende glaubten nur noch die Wenigsten an ein kroatisches Handball-Wunder. Auch, weil Deutschlands Außenspieler Lukas Mertens und Lukas Zerbe nahezu fehlerfrei spielten.
In der Schlussphase schlichen sich wieder einige Fehler ins deutsche Spiel, doch die DHB-Auswahl ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.