„Institut für Staatspolitik“ Angriffe auf Journalisten in Schnellroda
Bei der Winterakademie rund um das IfS sollen Teilnehmer Medienvertreter bedrängt und bestohlen haben. Auch Gäste aus Niedersachsen und Bremen waren bei der Winterakademie dabei.
Schnellroda/Niedersachsen - In Sachsen-Anhalt haben Rechtsextreme erneut Journalisten angegriffen. Am letzten Januarwochenende trafen sich in Schnellroda Stadt Aktivisten der „Identitären Bewegung“, Mitglieder der AfD sowie weitere Rechtsextreme zur Winterakademie des angeblich aufgelösten „Instituts für Staatspolitik“ (IfS) um den extrem rechten Verleger Götz Kubitschek. „Stargast“ war der österreichische Rechtsextreme Martin Sellner. Unter den IfS-Gästen waren auch Menschen aus Niedersachsen und Bremen. Das belegen Aufnahmen von „Recherche Nord“.
Recherche Nord ist ein Zusammenschluss verschiedener Journalistinnen und Journalisten, die seit rund 20 Jahren Veranstaltungen und Aktivitäten der extremen Rechten dokumentieren. Der Recherchezusammenschluss ist der AfD ein Dorn im Auge: Erst Ende Dezember 2025 hatten die AfD-Politiker Stephan Bothe und Harm Rykena (Landkreis Oldenburg) im niedersächsischen Landtag eine umfassende Anfrage zu Recherche Nord gestellt.
Winterakademie in Schnellroda: Vernetzung der extremen Rechten
In Schnellroda zeigte sich jetzt, wie die extreme Rechte zunehmend aggressiv mit Pressevertretern umgeht. „Teilnehmende der Veranstaltung bedrängten, beleidigten, schlugen und bestahlen anwesende Medienvertreter:innen. Die Angriffe markieren eine erneute Eskalation und stehen exemplarisch für das zunehmende Selbstbewusstsein und die Normalisierung von Gewalt gegen Presse durch die extreme Rechte“, heißt es in der Pressemitteilung von Recherche Nord.
Bei den regelmäßig stattfindenden Treffen und Akademien des IfS nehmen immer wieder Mitglieder der sogenannten Neuen Rechten aus verschiedenen Gruppen und Strukturen teil. Bei der Winterakademie am 24. Januar 2026 waren in dem 200-Seelen-Dorf in Sachsen-Anhalt unter anderem Aktivisten der Identitären Bewegung anwesend. Darunter auch Martin Sellner. Aber auch Mitglieder der AfD, zahlreiche Vorstandsmitglieder der neu gegründeten AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ aus Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. In Niedersachsen. So berichtet unter anderem der NDR, soll im Februar der niedersächsische Landesverband der „Generation Deutschland“ gegründet werden. Die „Generation Deutschland“ (GD) ist die Nachfolgeorganisation der „Jungen Alternative“. Diese AfD-Jugendorganisation wurde im Frühjahr 2025 aufgelöst, nachdem sie vom Verfassungsschutz als erwiesen rechtsextremistisch eingestuft wurde. Die Nachfolgeorganisation soll enger an die Mutterpartei angebunden werden. Im Vorstand des Bundesverbands der GD sitzen bereits jetzt drei Niedersachsen: Adrian Maxhuni aus dem Osnabrücker Land, Reinhild Goes aus Göttingen und Julia Gehrckens aus Winsen an der Luhe. Die rechtsextreme JA-Richtung setzt sich damit ungebrochen fort: Maxhuni war schon im Vorstand der Jungen Alternative Niedersachsen. Gehrckens gehört zur rechtsextremen Frauengruppe „Lukreta“. Vertreterinnen dieser Gruppe waren auch im Januar wieder bei der Winterakademie.
Schnellroda: Teilnehmer aus Niedersachsen
Aber auch Teilnehmer aus dem Bereich Verden und Osnabrück sowie aus Bremen seien laut Recherche Nord vor Ort gewesen. Der Recherche Nord-Journalist André Aden zur Bedeutung von Schnellroda: „In Schnellroda gehören Übergriffe auf Journalist:innen längst zum Alltag. Zahlreiche AfD-Funktionäre sind regelmäßig dabei, während offen Umsturzphantasien propagiert und die Raumergreifungsstrategie der Neuen Rechten brutal durchgesetzt wird.“ Was in Schnellroda passiere, lasse erahnen, was die AfD bundesweit vorhat: „Das rechte Vorfeld nimmt gezielt Einfluss, und wie dies in der Praxis aussieht, zeigt sich bereits in Schnellroda, wo Grundrechte außer Kraft gesetzt werden und sich faktisch die Straße angeeignet wird“, so Aden. Schnellroda fungiere als
Schnittstelle, „an der parlamentarische Akteure, ideologische Vordenker und militante Strukturen zusammengeführt und politisch ausgerichtet werden“, heißt es in der Pressemitteilung.