Kolumne „Larsklar“ Chefredakteur kontert Kritik an „flacher Unterhaltung“
Nach Leser-Kritik erklärt Lars Reckermann den Sinn seiner Glossen – und sammelt Stoff für die nächste Folge zwischen Kochen, Parken und Tapete.
Meine letzte Kolumne über meine elektrotechnischen (Un-)Fähigkeiten hat viele Reaktionen ausgelöst.
Ich habe (kein Witz) einen Elektriker kennengelernt, der sogar oft in Berlin ist und notfalls aushelfen würde (danke Torsten). Viele freuten sich, einfach einmal schmunzeln zu können. Es gab aber auch Kritik. Ein Leser schrieb sinngemäß, es sei „flache Unterhaltung“, wenn er die Glossen „eines auf seine Unfähigkeiten im täglichen Leben stolzen Chefredakteurs“ lesen müsse.Sie haben recht: Meine letzten Glossen waren keine Weltrettungsanleitungen, keine politischen Grundsatzreferate und auch kein Ratgeber zur Selbstoptimierung. Sie sind – ganz unverschämt – oft dafür gedacht, dass man am Wochenende die Sorgen mal kurz in die Ecke stellt. Nicht wegwirft, um Himmels willen, nur für einen Moment nicht ständig an ihnen herumknetet wie an einem Krankenkassen-Stressball.
Warum die Glosse bewusst nicht die Welt retten will
Sind wir doch einmal ehrlich: Unter der Woche tragen viele Menschen genug. Termine, Nachrichten, Familie, Arbeit, das große Ganze und das kleine Weh. Und dann kommt das Wochenende. Wenn meine Kolumne dazu beiträgt, dass jemand beim Kaffee einmal, grinst oder wenigstens denkt „Na gut, so schlimm bin ich also doch nicht“, dann hat sie ihren Zweck erfüllt.
Was den „stolzen Chefredakteur“ betrifft: Stolz ist vielleicht zu viel gesagt. Ich würde es eher „realistische Selbsteinschätzung mit Hang zur Selbstentlarvung“ nennen. Ich bin nicht stolz darauf, dass ich Dinge des täglichen Lebens bisweilen so anpacke, als hätte ich die Anleitung absichtlich rückwärts gelesen. Ich kann’s nur nicht gut verbergen und habe irgendwann beschlossen, aus der Not eine Kolumne zu machen. Man könnte sagen: Andere lernen aus Fehlern. Ich schreibe darüber.
Selbstironie statt Selbstlob
Vielleicht können wir uns ja in der Mitte treffen? „Gehobene“ statt „flache“ Unterhaltung klingt doch nach einem Kompromiss, oder? Und wir machen es demokratisch: Worüber soll ich nächste Woche schreiben? In meiner Unfähigkeit-Schublade wären noch Kochen, ein verunglückter Einparkversuch und Tapezieren. Oder soll ich einmal darüber schreiben, was ich gut kann? Da müsste ich allerdings länger nachdenken ;-) Schreiben Sie mir und bleiben Sie bitte alle fröhlich.
Zur Person
Lars Reckermann (55) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General Anzeigers Rhauderfehn und der Borkumer Zeitung. Seit 2016 lebt der gebürtige Westfale in Norddeutschland. Er plaudert gerne mit Menschen aus Ostfriesland. Deshalb hat er den Podcast „Ein Glas mit Lars“ ins Leben gerufen.