Osnabrück  Zig Vermieter sagen ab, einer sagt zu: Osnabrück bekommt Tagesaufenthalt für wohnungslose Frauen

Sandra Dorn
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Von Sandra Dorn
| 02.02.2026 06:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Noch sind die Räume ziemlich leer, doch bald soll hier am Kollegienwall ein Tagesaufenthalt für Frauen entstehen. Franziska Friedrich (links) ist eine von zwei Sozialarbeiterinnen, die dort tätig sein werden. Heinz Hermann Flint (rechts) und sie suchten lange nach Räumen. Foto: Jörn Martens
Noch sind die Räume ziemlich leer, doch bald soll hier am Kollegienwall ein Tagesaufenthalt für Frauen entstehen. Franziska Friedrich (links) ist eine von zwei Sozialarbeiterinnen, die dort tätig sein werden. Heinz Hermann Flint (rechts) und sie suchten lange nach Räumen. Foto: Jörn Martens
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Die Wohnungslosenhilfe des SKM hatte große Schwierigkeiten, in Osnabrück Räume für einen Tagesaufenthalt für Frauen in Not zu finden. Viele Vermieter ließen sie abblitzen. Jetzt hat es doch noch geklappt, und zwar in zentraler Lage am Kollegienwall. Die Hintergründe.

Die Idee fanden alle super, doch an die Wohnungslosenhilfe des SKM vermieten wollten sie letztlich nicht: Etliche Vermieter hätten ihm und seinen Kolleginnen Absagen für ihren geplanten Tagesaufenthalt für Frauen erteilt, so schildert Heinz Hermann Flint, Fachbereichsleiter Soziale Dienste beim SKM, seine monatelange Suche.

Doch nach rund 40 Absagen sind er und sein Team doch noch fündig geworden. Seit Mitte Januar sind sie dabei, eine rund 200 Quadratmeter große Ladenfläche einzurichten, gleich links neben dem Blutspendezentrum am Kollegienwall. Zuletzt war dort eine physiotherapeutische Praxis ansässig.

Es soll einen Café- und einen Ruhebereich für wohnungslose Frauen und Frauen in schwierigen Lagen geben, außerdem eine kleine Teeküche, einen Raum mit Computer und eine Kleiderkammer. Die Frauen können sich dort aufhalten, duschen, aber auch ihre Wäsche waschen. An fünf Tagen pro Woche will die Einrichtung für jeweils fünf Stunden geöffnet haben. Ab Mitte Februar soll es losgehen. Finanziert wird das Angebot vom Land Niedersachsen.

„Wir haben die Hoffnung, dass Frauen hier ankommen und Zuflucht finden, die in der Tageswohnung an der Bramscher Straße nicht ankommen, weil sie vielleicht Angst vor Männern haben“, sagt Sozialarbeiterin Franziska Friedrich.

Sie ist eine von zwei Mitarbeiterinnen, die im neuen Tagesaufenthalt für die Frauen da sein werden, und hat sich auch eine ähnliche Einrichtung in Hannover angeschaut. „Szenia“ heißt sie und richtet sich an „Frauen in existenzieller Notlage und Wohnungsnot“, wie es auf der Website der Stadt Hannover heißt.

Friedrich und Flint befürchten eine hohe Dunkelziffer wohnungsloser Frauen ohne eigenen Mietvertrag in Osnabrück, die nicht zwangsläufig obdachlos sind. Flint und Friedrich vermuten, dass viele wohnungslose Frauen in „schlechten Machtverhältnissen“ und prekären Wohnsituationen leben.

Anders sei es kaum zu erklären, dass in den Statistiken so viel mehr wohnungslose und obdachlose Männer als Frauen auftauchen, sagt Flint. In Osnabrück waren 2025 von rund 600 erfassten Wohnungslosen nur 108 Frauen.

Franziska Friedrich und ihre Kollegin werden erste Ansprechpartnerinnen für die Besucherinnen sein und ihnen auch erste Beratung bieten. Die Frauen sollen erst einmal ankommen können und sich sicher fühlen. „Und dann eine Perspektive für sich entwickeln“, so Flint.

Die Räume am Kollegienwall befinden sich im Erdgeschoss eines größeren Büro- und Praxis-Gebäudes. Es gehört der Lani Immobilien GmbH, die aktuell auch den Bau eines Wohn- und Geschäftskomplexes an der Rehmstraße im Stadtteil Wüste plant.

Lani hatte die Ladenfläche online zur Vermietung inseriert. Flint und seine Kolleginnen vereinbarten einen Besichtigungstermin – und zwischendrin erschien auch noch unser noz-Artikel darüber, wie sie eine Absage nach der anderen kassierten. Ein potenzieller Vermieter hätte ihm sogar vorgeworfen, so eine Einrichtung „würde das Haus und das ganze Viertel in Verruf bringen“, erzählt Flint.

Die Suche war ohnehin schon kniffelig: Barrierefrei sollen die Räume sein, zentral gelegen und mit sanitären Anlagen inklusive Dusche für die Besucherinnen ausgestattet – plus Mitarbeiterinnen-WC.

Die Räume am Kollegienwall erfüllen sämtliche Kriterien. Beim Besichtigungstermin hätten Flint und seine Kolleginnen die letzten Bedenken ausgeräumt, sagt Lani-Geschäftsführer Tobias Schubert im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Es ist erschreckend, dass es so viele Wohnungslose und Obdachlose gibt“, findet er. „Wo wäre das Problem, wenn sich hier 20 obdachlose Frauen aufhalten?“ So eine Einrichtung sei eine gesellschaftliche Aufgabe. „Wir unterstützen das gerne. So ein Tagesaufenthalt gehört nicht an den Stadtrand.“

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