Belm  Galgomarsch Osnabrück: Wie eine Hundehalterin aus Belm geschundenen Jagdhunden hilft

Carolin Hlawatsch
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Von Carolin Hlawatsch
| 30.01.2026 11:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Sabrina Stutzky aus Belm ist Halterin von vier spanischen Jagdhunden aus dem Tierschutz. Paolo (6), Ruby (1) und Vega (4) sind Podencos, in Paco (14) steckt auch ein Stück Labrador. Am 31. Januar laufen sie mit: beim Osnabrücker Galgomarsch, der auf das Schicksal von Galgos und Podencos aufmerksam macht.

Von außen sieht es aus wie ein ganz normaler Spaziergang. Vier Hunde, vier Leinen, vier Paar neugierige Augen. Doch wer Sabrina Stutzky und ihren Hunden begegnet, läuft an vier Schicksalen vorbei. Und an einer Geschichte, die erschüttert.

Dass ausgerechnet diese Hunde heute zur Familie Stutzky gehören, ist eher Zufall als Plan. „Früher hatte ich immer Neufundländer – eine ganz andere Art von Hund“, sagt Sabrina Stutzky. Den Anstoß gab ihr erster Mann, der die miserablen Umstände für Jagdhunde in seiner zweiten Heimat Spanien kannte. Den entscheidenden Moment löste aber eine Musikschülerin ihres Mannes aus, als diese immer wieder von einem Hund aus Spanien schwärmte, der beim Tierschutzverein Podencorosa in Tecklenburg auf ein Zuhause wartete. Neugier wurde zu Besuch – und der Besuch veränderte alles.

Von Liebe auf den ersten Blick konnte allerdings keine Rede sein. „Als ich Paco das erste Mal sah, fand ich ihn furchtbar hässlich“, sagt Stutzky offen. Dennoch adoptierte ihre Familie den Podenco-Labrador-Mischling, der sich sogleich auf Sabrina Stutzkys Füße legte und heute ihr „Herzenshund“ ist.

Mit dem 14 Jahre alten Opa Paco kamen weitere Hunde – und hinzu die Erkenntnis, wie besonders Podencos und Galgos sind. Sanft, sozial, im Haus ruhig und verschmust, draußen aufmerksam und wach. „Dieser Kontrast ist faszinierend“, sagt Stutzky. Gleichzeitig bringen viele dieser Hunde eine schwierige Vergangenheit mit. Schreckhaftigkeit und Zurückhaltung sind keine Seltenheit. Vertrauen ist nichts, was man ihnen abverlangen kann, man muss es sich verdienen, ihnen Zeit und Raum geben und nicht versuchen, ihre Eigenarten umzukrempeln.

Vega ist dafür das beste Beispiel. Zwei Jahre lebt sie nun bei Familie Stutzky, und erst langsam beginnt sie, Besuchern näher zu kommen. Während die anderen Hunde im Café entspannt unterm Tisch liegen, bleibt Vega immer in Habachtstellung. Ihre Narbe am Bein zeugt von ihrer damaligen Kettenhaltung, Metall, das sich tief in ihr Fleisch geschnitten hatte.

Trotz allem: Vega ist sanft. Wenn sie heute manchmal eine Maus fängt und im Flur ablegt, ist das kein Spiel. Es ist Instinkt. In Spanien bringen Podencos Hasen möglichst unversehrt zum Jäger. „Jäger mit sanfter Schnauze“ nennt man diese Hunde dort.

Das sanfte Wesen ohne jegliche Aggression, die hervorragende Nase und Sicht und die enorme Schnelligkeit werden von Jägern geschätzt, leider aber auch oft ausgenutzt. Jedes Jahr werden in Spanien Tausende Galgos und Podencos für Hetzjagden auf Hasen gezüchtet. Ist die Jagdsaison beendet, werden die Hunde, die nicht mehr nützlich sind, entsorgt. Erschlagen, erhängt, vergiftet, überfahren. Oder sie landen in Tötungsstationen.

Einige auf Windhunde spezialisierte Jäger, „Galgueros“ genannt, brechen ihren Hunden die Beine, damit sie ihnen nicht mehr folgen, wenn sie sie zurücklassen. Schon im Alter von drei Jahren gilt ein Jagdhund als verbraucht. Gesetzlichen Schutz genießen die Jagdhunde in Spanien nicht, da sie als Arbeitstiere gelten. Die Personen, die den Hunden diese Qualen antun, können ohne Strafe davonkommen.

Doch es gibt Menschen, die hinschauen. Tierschützer versuchen, diese Hunde zu retten und in liebevolle Hände weiterzuvermitteln – auch rund um Osnabrück. So stehen neben dem Verein Podencorosa zum Beispiel auf Gut Aiderbichl in Bissendorf-Krevinghausen immer wieder Galgos und Podencos zur Adoption frei.

Es sind tolle Familienhunde, betont Sabrina Stutzky, dennoch sollte einem klar sein, dass man mit so einer Rasse einen eher eigenständigen, hinterfragenden Hund bekommt, keinen, der „Sitz“, „Platz“, „bei Fuß“ ausführt. Sie seien in der Erziehung anders. Mit rüdem Kommandoton komme man nicht weit. Außerdem können die meisten Podencos und Galgos draußen aufgrund ihres starken Jagdinstinkts nicht angeleint werden. Um ihnen den nötigen Auslauf zu bieten, hält sie einen zwei Meter hoch eingezäunten Garten oder regelmäßige Besuche eines Hundefreilauf-Areals für unbedingt nötig.

Viele der spanischen Jagd- und Windhunde haben kein Unterfell und frieren im deutschen Winter. Deswegen werden am 31. Januar, beim Galgomarsch in Osnabrück, viele in Hundemäntel eingepackte Vierbeiner zu sehen sein. „Keine Modeerscheinung, sondern wirklich notwendig“, weiß Sabrina Stutzky.

Sie wird bei der Protestaktion zusammen mit Initiatorin Claudia Strehlow am Infostand stehen, während ihr Mann Burkhard und ihre Söhne mit den Podencos Paco, Vega, Paolo und Ruby in den Protestreihen mitwandern. Zusammen mit anderen Hundefreunden wollen sie beim zweiten Osnabrücker Galgomarsch ein Zeichen gegen die Missstände setzen. Zeitgleich finden in vielen anderen deutschen und europäischen Städten Galgomärsche statt – mit Appell an die spanische Regierung. Ohne jede Vorgabe für ihre Haltung, Pflege oder medizinische Versorgung sind die Jagdhunde der brutalen Willkür der Jäger vollständig ausgeliefert.

Der Marsch wird ungewöhnlich still sein. „Trotz der vielen Hunde ist es ruhig“, sagt Stutzky. „Eine ganz besondere Atmosphäre. Fast so, als wüssten die Tiere, warum sie da sind.“ Vielleicht tun sie das ja. Ein leiser, aber deutlicher Protest – getragen von Pfoten, die heute endlich auf der sicheren Seite laufen.

Mehr Infos zum Galgomarsch Osnabrück auf galgomarsch-osnabrueck.de

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