Osnabrück  Nanu, warum laufen am heutigen Samstag hunderte Hunde durch Osnabrück?

Marcel Bechtel
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Von Marcel Bechtel
| 28.01.2026 14:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Mäntel machen nicht nur optisch was her, sondern dienen in erster Linie zum Kälteschutz der Hunde. Foto: Klaus Spielbüchler
Die Mäntel machen nicht nur optisch was her, sondern dienen in erster Linie zum Kälteschutz der Hunde. Foto: Klaus Spielbüchler
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Am heutigen Samstag, 31. Januar 2026, werden in Osnabrück Hunderte spanische Jagdhunde, aber auch andere Rassen, durch die Stadt ziehen. Was dahintersteckt.

Nanu, was ist denn da los? In der Osnabrücker Innenstadt sind an diesem Samstag hunderte Hunde unterwegs. Das ist kein Zufall. Bei der Aktion mit Namen „Galgomarsch“ handelt es sich um eine Kundgebung.

Was es damit auf sich hat? Wir waren bei Claudia Strehlow und Hund Lucio zu Besuch, und haben nachgefragt.

Mit langen, dünnen Beinen, die ineinander verknotet scheinen, liegt er auf der Seite. Braune Flecken auf dem Körper verteilt, fast, als wäre in seinem Stammbaum auch irgendwo eine Kuh vertreten. Seine Schnauze lang und sein Blick entspannt, als ihn sein Frauchen Claudia Strehlow streichelt. Seit zehn Jahren sind sie und Lucio vereint. Lucio ist ein Podenco Ibicenco – ein spanischer Windhund, der vor allem für die Jagd gezüchtet wird.

Mittlerweile nagt der Zahn der Zeit an dem Vierbeiner – ein Herzfehler zwingt ihn zu Gemächlichkeit. Er ist 14 Jahre alt, zumindest ist das sein geschätztes Alter. Genau sagen kann Strehlow das nicht, Lucio wurde als junger Hund auf den Straßen in der Nähe von Valencia gefunden – abgemagert und mit einer Behinderung am Knie.

Als Lucio über Umwege bei der Bramscherin gelandet ist, entfachte er bei ihr die Faszination für Podencos und Galgos. Denn die beiden Rassen haben eines gemeinsam: Die Jagdhunde werden oft unter sehr schlechten Bedingungen in Massen gezüchtet. Wer zu langsam für die Jagd ist oder bei Hunderennen keine guten Leistungen zeigt, wird ausgesetzt, misshandelt oder getötet.

Dieses Wissen ließ Claudia Strehlow nicht mehr los. Sie beschäftigte sich immer weiter mit dem Leid der Tiere und wurde schließlich auf eine Protestbewegung aufmerksam. 2016 gab es in Köln den ersten „Galgomarsch“ in Deutschland, später auch in anderen Städten. Sie selbst war bereits dreimal bei Galgomärschen in Bremen dabei und fasste dort den Entschluss: So etwas braucht es auch in Osnabrück.

Im letzten Jahr organisierte sie den ersten Marsch in Osnabrück – eigenen Aussagen zufolge mit über 600 Teilnehmern und über 800 Hunden. Einige nahmen dafür weite Wege auf sich: Manche kamen aus Ostfriesland, andere aus Hildesheim oder Hannover und auch von der holländischen Grenze seien Leute angereist. Den weitesten Anfahrtsweg hatte nach Strehlow ein Teilnehmer vom Edersee in Hessen. Gemeinsam gingen sie eine feste Route und hielten Schilder hoch, auf denen die Geschichten einiger misshandelter Tiere nacherzählt wurden. Nach dem Marsch versammelten sich die Teilnehmer auf dem Marktplatz und hörten den verschiedenen Rednern zu. Ähnlich soll es auch dieses Jahr ablaufen.

Warum Claudia Strehlow einen Marsch in Osnabrück veranstaltet, obwohl das Problem rund 2000 Kilometer weiter südwestlich in Spanien liegt? „Tierschutz endet nicht an der Landesgrenze“, findet sie. In Spanien selbst gehen die Menschen ebenfalls in Dutzenden Städten auf die Straße. Für Claudia Strehlow geht es bei ihrem Galgomarsch um Solidarität, Aufklärung, aber auch um Spenden. Rund 2000 Euro seien beim letzten Mal für die Vierbeiner gesammelt worden.

Schaut man sich die Bilder aus dem letzten Jahr an, könnte man meinen, es handele sich um eine Hunde-Fashion-Show. Viele der Vierbeiner liefen aufgrund der Kälte mit kleinen Mänteln herum, und auch Organisatorin Strehlow appelliert an die diesjährigen Teilnehmer, Decken für die Hunde mitzubringen. Dass der Marsch ausgerechnet im Winter stattfindet, obwohl die Hunde, die es am meisten betrifft, kaum gegen die Kälte geschützt sind, hat seinen Grund: Der Marsch soll symbolisch zum Ende der Jagdsaison in Spanien stattfinden.

Mitlaufen dürfen übrigens nicht nur Galgo- oder Podencobesitzer. Alle Interessierten sind gerne gesehen und auch andere Hunderassen dürfen laut der Organisatorin gerne mitgebracht werden. „Alle Hunde müssen an der Leine geführt werden. Sie sollten sozialverträglich sein, und es wäre wünschenswert, wenn sie schon mal in der Stadt unterwegs gewesen sind. Und sie sollten keine Probleme mit dem größeren Hunderudel haben oder wenn viele Menschen unterwegs sind“, erklärt Strehlow. Macht der Hund einen Haufen, muss dieser selbstverständlich von dem Besitzer weggemacht werden. Laut der Organisatorin habe das beim letzten Mal sehr gut funktioniert.

Bisher war Claudia Strehlow noch nicht selbst in Spanien, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Sie träumt davon, in Zukunft für eine Zeit lang in einem spanischen Tierheim zu arbeiten und den Galgos vor Ort zu helfen. „Aber ich habe eben einen gehandicapten und herzkranken Hund und ich muss im Notfall für ihn da sein“, erklärt sie. Solange wird sie sich von Bramsche und Osnabrück aus für die Tiere einsetzen – das nächste Mal dann am Samstag, vermutlich wieder gemeinsam mit Hunderten Verbündeten und ihren Hunden.

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