Nürnberg  Barbie, Furby und der Zauberwürfel: Kultspielzeuge unserer Kindheit

Christian Sartorius
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Von Christian Sartorius
| 30.01.2026 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 9 Minuten
Die Barbie-Puppe, eine der bekanntesten Spielzeuge der Welt, wurde ursprünglich von der amerikanischen Firma Mattel herausgebracht. Foto: IMAGO/United Archives International
Die Barbie-Puppe, eine der bekanntesten Spielzeuge der Welt, wurde ursprünglich von der amerikanischen Firma Mattel herausgebracht. Foto: IMAGO/United Archives International
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Die Nürnberger Spielwarenmesse feiert ihr 75-jähriges Bestehen. Ein Blick zurück auf die Kultspielzeuge unserer Kindheit zeigt, ob und wie sich die Spielwaren in den letzten 75 Jahren verändert haben.

Von der Modelleisenbahn bis zum Labubu: In 75 Jahren kann sich so einiges verändern – so auch die Spielwaren, die die Kinder der jeweiligen Generation begeistern. Eine Reise durch die Spielzeuge unserer Kindheit.

Spielzeugeisenbahnen gab es natürlich schon lange vor dem Gründungsjahr der Nürnberger Spielwarenmesse, und das auch schon mit einigem Erfolg. Bereits im 19. Jahrhundert hatten sie sich als beliebtes Weihnachtsgeschenk etabliert. In den 1950er- und 1960er-Jahren setzte ein regelrechter Boom der maßstabsgetreuen Modellbahnen ein, vor allem bei der beliebten Spur H0.

Aber auch elektrische Eisenbahnen anderer Größen erfreuten sich einiger Beliebtheit, wie unter anderem die kleine Minitrix und die Gartenbahn LGB (Lehmann-Groß-Bahn). Als sich die Kinderwünsche um die Jahrhundertwende herum immer mehr in Richtung Computerspiele und Handys veränderten, gerieten mehrere große Hersteller in finanzielle Schwierigkeiten und mussten Insolvenz anmelden.

In der Corona-Zeit besannen sich aber viele Kinder und Erwachsene wieder auf ihre gute alte Modelleisenbahn und holten sie vom Dachboden oder aus dem Keller hervor.

Die Lego-Bausteine gibt es nicht erst seit 1958. Im Januar des Jahres 1958 wurde allerdings eine Neuerung zum Patent angemeldet, die entscheidend für den bis heute anhaltenden Erfolg war: In die Unterseite der zuvor innen hohlen Steine wurden Röhren integriert, die das Aufeinandersetzen vereinfachten und vor allem den Halt deutlich verbesserten.

Später kamen auch Spielfiguren hinzu, die als Lizenzen großer Blockbuster wie „Harry Potter“ oder „Star Wars“ die Fans anzogen. Beliebt wurden auch die Bionicle-Figuren, die auf den ersten Blick nicht unbedingt an das klassische Lego erinnern. Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene erfreuen sich bis heute an den anspruchsvolleren Lego-Technic-Modellen. Aktuell ist Lego einer der größten Spielzeughersteller der Welt.

In einem Schaufenster in Luzern wartete die deutsche Puppe Lilli darauf, von der Amerikanerin Ruth Handler entdeckt zu werden, die in den 1950er-Jahren gerade auf Europareise war. Die geschäftstüchtige Mitbegründerin der Firma Mattel kaufte die Puppe sowie später auch deren Vermarktungsrechte und machte daraus die Barbie-Puppe, die heute jeder kennt.

Mattel präsentierte die Puppe, die nach Handlers Tochter benannt wurde, 1959 erstmals der staunenden Öffentlichkeit. Die erste Barbie gab es in blond und brünett, je mit gelocktem Pony oder Pferdeschwanz. Im Laufe der Jahre wurde sie mehrfach überarbeitet, bekam ein neues Gesicht, andere Haare und nicht zuletzt gesellte sich ihr Freund Ken hinzu.

Kleider und Zubehör gab es immer schon bis zum Abwinken, und so ist es vielleicht auch kein Wunder, dass die Barbie-Puppe im Handumdrehen zum Lieblingsspielzeug vieler Kinder auf der ganzen Welt wurde.

Schneller als jede Lokomotive der Modelleisenbahn waren die Rennwagen der Carrera-Bahn, die ab 1963 in die Kinderzimmer einzog. Ganz billig war aber auch dieses Vergnügen nicht. Bald schon gab es unterschiedliche Versionen in verschiedenen Maßstäben, und viele der Rennwagen wurden den Originalen nachempfunden, was auch Sammler auf den Plan rief.

1978 wurden die Fahrzeuge lenkbar und konnten ihre Spur verlassen, sodass Überholmanöver möglich wurden. Seitdem haben die Autorennbahnen viele technische Neuerungen mitgemacht und sind unter anderem mit Bluetooth-Technologie auch heute noch am Start.

Space-Hopper nannte sich ein großer Gummiball, auf dem man ab 1968 durch die Gegend hüpfen sollte. Damit das auch funktionierte, gab es oben zwei Gummihörner, an denen sich die Kinder festhalten konnten. Es gab aber auch Modelle mit einem richtigen Handgriff.

„Fröhlich mit Pon-Pon“, hieß es damals in der Werbung. Ganz so einfach, wie sich das Ganze anhörte, war es dann in der Praxis aber auch wieder nicht, und man musste durchaus aufpassen, das Gleichgewicht zu halten und nicht auf die Nase zu fallen.

Das Auto für den kleinen Mann oder auch die kleine Frau gab es natürlich schon länger; Rutschautos, die den Kindern das Laufenlernen erleichtern sollten, auch. 1972 wurde aber das Bobby-Car der BIG-Spielwarenfabrik auf der Nürnberger Spielwarenmesse präsentiert, das nicht nur aus leichtem und strapazierfähigem Kunststoff bestand, sondern bald auch zum meistverkauften Kinderfahrzeug der Welt wurde.

Mittlerweile gibt es neben dem knallroten Klassiker noch weitere Modelle und nicht zuletzt sogar Bobby-Car-Rennen, die modernen Seifenkistenrennen ähneln und teilweise mit atemberaubenden Geschwindigkeiten ausgetragen werden.

Schon lange vor den aktuellen Labubus gab es mit den Monchichis ähnliche Kultfiguren. Aus Plastik, Plüsch und Stoff gefertigt, sahen die Puppen ein wenig nach einem Mittelding aus Affe und Bär aus. Schönheit liegt ja aber bekanntlich im Auge des Betrachters.

Das ganz große Highlight war, dass sich die Figur den Daumen bzw. einen Schnuller in den Mund stecken konnte. Der Hype hielt sich so fast zehn Jahre lang. Die Produktion wurde erst Mitte der 1980er eingestellt, erfuhr danach aber noch einige mehr oder weniger erfolgreiche Comebacks.

Die kleinen Playmobil-Kunststofffiguren wurden 1974 auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorgestellt und zogen schnell in die Kinderzimmer ein. Zuerst waren es nur Indianer, Ritter und Bauarbeiter, aber im Laufe der Zeit kamen auch noch andere Figuren, reichlich Zubehör und ganze Spielewelten hinzu, sodass es heute kaum etwas gibt, was es bei Playmobil nicht gibt.

Von Dinosauriern über Piraten bis hin zu Raumfahrern ist alles vertreten. Der ganz besondere Playmobil-Look ist längst in die Design-Geschichte eingegangen. Kurz nach der Markteinführung lancierte der Bobby-Car-Hersteller BIG übrigens seine Play-Big-Figuren, die aber 1979 wieder eingestellt wurden.

Um dem räumlichen Vorstellungsvermögen seiner Studenten auf die Sprünge zu helfen, entwickelte der Budapester Dozent für Architektur und Design Ernő Rubik einen Würfel, den er 1975 zum Patent anmeldete. Dieser Zauberwürfel oder auch Magic Cube beziehungsweise Rubiks Cube bestand aus 3 x 3 x 3 Quadraten, die jeweils so verdreht werden mussten, dass jede Seite des Würfels eine eigene Farbe bekam.

Was sich so einfach anhört, war es keineswegs, denn immerhin gab es 43.252.003.274.489.856.000 mögliche Kombinationen. Der Erfolg war wohl gerade deshalb überwältigend, und der Würfel ging schnell um die ganze Welt. Bald gab es auch andere Formen, wie etwa Pyramiden oder auch Würfel mit ganzen 33 x 33 x 33 Feldern.

Bis heute gibt es Wettbewerbe und sogar Weltmeisterschaften, in denen es unter anderem darum geht, das Geduldsspiel möglichst schnell zu lösen. Den aktuellen Weltrekord für den Würfel mit 3 x 3 x 3 Quadraten stellte 2025 der damals gerade einmal sieben Jahre alte Xuanyi Geng auf, und zwar mit atemberaubenden 3,05 Sekunden.

Slime ist englisch und bedeutet nichts anderes als Schleim und genauso fühlte sich die grüne, zähflüssige Masse auch an, wenn man sie durch die Finger quetschte. Das machte allerdings großen Spaß, sodass Slime bald durch gefühlt jede Kinderhand ging. Geliefert wurde das Produkt passenderweise in einer kleinen Plastikmülltonne, was das Ganze für die Kinder nur noch interessanter machte.

Bald gab es zahlreiche Variationen, unter anderem aus violettem Schleim oder auch welchen, die mit Gummiwürmern durchsetzt waren. Zwar kann man sich das Ganze auch zu Hause selber herstellen, aber ganz exakt so wie das schleimige Original fühlt sich das dann doch nicht an. Filme wie „Ghostbusters“, in denen das grüne Zeugs eine wichtige Rolle spielte, sorgten dafür, dass es auch heute noch beliebt ist.

Ab 1982 wieherte es vermehrt im Kinderzimmer, denn immer mehr My Little Ponys zogen dort ein. Die kleinen, verschiedenfarbigen Plastikponys waren eigentlich zum Sammeln gedacht, aber natürlich konnte damit auch gespielt werden.

Weil genau das viele Kinder auch taten, kamen über die Jahre hinweg noch allerlei Zubehör hinzu, wie etwa ein Schloss und eine Villa, aber auch Merchandising-Produkte wie Bettwäsche oder Schreibzubehör. Ja, es gibt sogar ein passendes Musical.

Die Diddl-Maus, die in den 1990er- und 2000er-Jahren zum Kult wurde, war anfangs noch ein Känguru. Die erste Skizze fertigte der deutsche Grafiker Thomas Goletz im August 1990 an und suchte für seine Postkartenzeichnungen einen Verlag. Als die Postkartenserie 1991 schließlich 48-teilig erschien, wurde sie schnell zum begehrten Sammlerobjekt.

Im selben Jahr kam noch die erste Plüsch-Diddl-Maus auf den Markt. Danach folgten Briefpapier, Tassen, T-Shirts und sogar Bettwäsche. Es dauerte nicht lange, da hatte alles mit einer Diddl-Maus drauf Kultstatus erlangt.

Aus Japan kam ein Hype, den viele Erwachsene zuerst nicht so recht nachvollziehen konnten, sich dann aber bald selbst eines dieser Elektronikspielzeuge zulegten. Das Tamagotchi wurde als eine Art elektronisches Haustier beworben, das Bedürfnisse hatte, die sein Besitzer befriedigen sollte. Es hatte Hunger und wollte gefüttert werden, musste trinken und schlafen.

Dazu meldete es sich regelmäßig bei seinem Eigentümer und konnte sogar sterben, wenn man sich nicht vernünftig um das kleine Plastikei mit Bildschirm kümmerte. Erfunden wurde der Spielzeug-Hit 1996 in Japan und kam 1997 auch zu uns. In den 2000er-Jahren gab es dann auch noch einige Neuauflagen des kleinen Nervtöters.

Das Plüschtier Furby konnte dank jeder Menge Sensoren und Elektronik im Bauch erkennen, ob man mit ihm sprach oder es nur kitzeln wollte. Daraufhin antwortete es dann mit Singen, Tanzen oder auch mit bestimmten Geräuschen, ja sogar mit Worten. Ein Augenzwinkern oder Ohrenwackeln gab es noch mit dazu.

Die ersten Furbys konnten sich dank Infrarotschnittstelle sogar miteinander unterhalten, sodass das kleine Plüschtier praktisch immer etwas zu sabbeln hatte. 2005 und 2012 wurde u. a. die Spracherkennung verbessert, und ab 2014 konnte Furby sogar duschen und auf die Toilette gehen. Seit 2023 gibt es Furby mit leuchtenden Ohren.

Der Fidget-Spinner war 2017 plötzlich allgegenwärtig. Überall sah man Groß und Klein mit diesen Handkreiseln, die angeblich beruhigend wirken sollten, wenn man zusah, wie sich die Flügelenden um die kugelgelagerte Mitte drehten. Es gab eine ganze Reihe von Varianten, von denen einige sogar im Dunkeln leuchteten. Allen gemeinsam war aber, dass sie damals gefühlt wirklich jeder hatte. An einigen Schulen wurden die Fidget-Spinner deshalb sogar verboten.

Die seltsam grinsende Plüschfigur aus China wollte 2025 irgendwie jeder haben. Die Erfolgsgeschichte begann, als die thailändische Sängerin Lalisa Manobal der Pop-Gruppe Blackpink öffentlich bekannte, ein großer Fan zu sein.

Erfunden wurde Labubu von dem Hongkonger Illustrator und Designer Kasing Lung für seine Kinderbuchreihe „The Monsters“. Beim Kauf weiß man allerdings nicht, welches der unterschiedlichen Labubus man bekommt, denn die Figuren werden in sogenannten Blind-Boxes quasi als Wundertüte verkauft.

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