Was ist Teilzeitarbeit? Das steckt hinter Teilzeitarbeit
Der Wirtschaftsflügel der Union möchte Teilzeitarbeit einschränken. Aber was ist das überhaupt? Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Agentur für Arbeit in Ostfriesland ordnen ein.
Ostfriesland - Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) möchte den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. Der Antrag dazu lautet „Kein Recht auf Lifestyle-Teilzeit“. Im Fokus steht Staatssekretärin und MIT-Vorsitzende Gitta Connemann. Die Leeranerin bekommt für den Vorstoß derzeit ordentlich Kritik – aus der Opposition, aus den eigenen Reihen und auch aus ihrem Wahlkreis in Ostfriesland. Connemann selbst bezeichnet die Wortwahl „Lifestyle-Teilzeit“ mittlerweile als unglücklich.
Die Kritik am Begriff reißt aber nicht ab und auch die Debatte rund um den Antrag dauert an. Stellt sich die Frage, worüber genau gesprochen wird. Die Redaktion hat nachgefragt und wollte wissen: Was ist Teilzeitarbeit eigentlich?
Teilzeit ermöglicht mehr Zeit für andere Lebensbereiche
„Teilzeit ist alles, was unter der üblichen 40-Stunden-Grenze liegt“, sagt Oliver Hublitz. Er ist Gewerkschaftssekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und zuständig für die Stadtverbände Aurich, Emden und Leer. Alles, was weniger Stunden umfasse als eine vergleichbare Vollzeit-Stelle, sei eine Teilzeit-Stelle. „Wenn ich 39 Stunden in der Woche arbeite, ist das Teilzeit“, bringt es Hublitz auf den Punkt.
Die Teilzeitarbeit „ist ein zentraler Baustein eines flexiblen Arbeitsmarktes und ermöglicht es vielen Menschen, Erwerbsarbeit mit anderen Lebensbereichen zu vereinbaren“, so die Agentur für Arbeit Emden-Leer. Als Beispiele für andere Lebensbereiche werden etwa die Familienarbeit genannt, Pflege von Angehörigen, Weiterbildung oder gesundheitliche Aspekte. Aber: „Teilzeitarbeit kann auch dazu beitragen, Arbeitskräfte im Erwerbsleben zu halten oder (wieder) zu integrieren“, so die Agentur für Arbeit.
Vor- und Nachteile von Teilzeitarbeit
Der Deutsche Gewerkschaftsbund listet auf seiner Website Vor- und Nachteile von Teilzeitarbeit.
Vorteile:
Nachteile:
Recht auf Teilzeit ist seit 2001gesetzlich geregelt
Wer sich entscheidet, weniger als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, hat verschiedene Optionen. Die Arbeitsagentur verweist auf die klassische reduzierte Wochenarbeitszeit, auf Jobsharing – dabei teilen sich zwei oder mehrere Personen eine Vollzeitstelle – sowie auf Brückenteilzeit. Das heißt: Der Arbeitnehmer arbeitet einige Jahre in Teilzeit und dann wieder Vollzeit.
Außerdem gibt es noch die Option der flexiblen Arbeitszeiten. Ein Blick auf die Website der Bundesagentur für Arbeit verrät Genaueres. Darunter fällt zum Beispiel die Jahresarbeitszeit. Dabei wird lediglich festgelegt, wie viele Stunden pro Jahr zu leisten sind. „Wann und in welchem Umfang diese Stunden abgeleistet werden, ist nicht festgelegt“, heißt es. Unter die flexiblen Arbeitszeiten fällt außerdem die sogenannte Teamarbeitszeit. Die individuelle Arbeitszeit wird dabei im Team festgelegt. „Der Bedarf im Team und die persönlichen Wünsche werden nach Möglichkeit in Einklang gebracht“, so die Bundesagentur für Arbeit.
Oliver Hublitz vom DGB in Ostfriesland weist gegenüber der Redaktion darauf hin, dass die Teilzeitarbeit rechtlich verankert ist. „Im Teilzeit- und Befristungsgesetz“, so Hublitz. Das ist Anfang 2001 in Kraft getreten. Es hat aber nicht jeder Arbeitnehmer automatisch Anspruch auf die Reduzierung seiner wöchentlichen Arbeitszeit. Die Agentur für Arbeit Emden-Leer erklärt: „Das Gesetz verankert einen grundsätzlichen Anspruch auf Teilzeitarbeit für Beschäftigte, deren Arbeitsverhältnis mehr als sechs Monate bestanden hat und deren Arbeitgeber in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt.“ Wer Interesse daran hat, seine Arbeitszeit zu reduzieren, muss diesen Wunsch drei Monate vorher seinem Arbeitgeber mitteilen. Sollten keine betrieblichen Gründe dagegen sprechen, muss der Arbeitgeber zustimmen.
Vorstoß der Union für Gewerkschafter „am rechten Rand“
Laut Gewerkschaftssekretär Hublitz ist die Anzahl derer, die auf diesen rechtlichen Anspruch zurückgreifen, sehr gering. „In Teilzeit arbeiten Menschen, die ihre Angehörigen pflegen oder Menschen, die Probleme mit den Kindergärten haben“, so Hublitz. Das Bild, das die MIT und Gitta Connemann mit der „Lifestyle-Teilzeit“ verbreiten, sei totaler Unsinn.
„Wer sich umschaut, wird sehen, dass gerade Bäckereien oder der Einzelhandel nach Teilzeit-Kräften sucht“, so Hublitz. Natürlich gebe es Menschen, die sich freiwillig für weniger Arbeitszeit entscheiden – laut dem Gewerkschafter seien sie aber in der Minderheit. Konkrete Zahlen kommen von der Arbeitsagentur Emden-Leer. Die Zahlen beziehen sich auf Juni 2025. Demnach arbeiten in Ostfriesland aktuell 67,2 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit und 32,8 Prozent in Teilzeit, heißt es von der Arbeitsagentur. „Auffällig ist der hohe Frauenanteil: 81,3 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen“, heißt es auf Anfrage der Redaktion. Teilzeitarbeit spiele bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen eine besonders wichtige Rolle. „Insbesondere im Zusammenhang mit familiären Aufgaben wie Kinderbetreuung oder Pflege“, ordnet die Agentur für Arbeit Emden-Leer ein.
„Und das nennt Frau Connemann dann Teilzeit-Lifestyle“, so Hublitz vom DGB. Den Vorstoß des Wirtschaftsflügels der Union bezeichnet er als eine Frechheit. „Das ist am rechten Rand, was die CDU da macht. Das ist ein Kampf gegen Arbeitnehmer, der da aktuell geführt wird“, so Hublitz.