Osnabrück  Trotz Glätte, Eis und Schnee: Warum die Schulen am Montag in Osnabrück offen blieben

Sebastian Stricker
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Von Sebastian Stricker
| 27.01.2026 18:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Trotz winterlicher Straßenbedingungen fand am Montag in Stadt und Landkreis Osnabrück der Schulunterricht regulär statt. Viele Eltern reagierten mit Unverständnis. Foto: Michael Gründel
Trotz winterlicher Straßenbedingungen fand am Montag in Stadt und Landkreis Osnabrück der Schulunterricht regulär statt. Viele Eltern reagierten mit Unverständnis. Foto: Michael Gründel
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Dreimal schon fiel der Unterricht im Januar witterungsbedingt aus. Doch am Montag blieben die Schulen trotz Eis und Schnee offen. Wieso Stadt und Landkreis Osnabrück die Lage diesmal anders bewerteten.

Kein Schulausfall trotz Schnee, Glätte und Problemen im Busverkehr: Am Montag, 26. Januar 2026, fand in Stadt und Landkreis Osnabrück regulärer Unterricht statt. Viele noz-Leser zeigten sich darüber verwundert. Schließlich war Schule in diesem Wintermonat schon dreimal witterungsbedingt abgesagt worden: am 9., 12. und 23. Januar. Warum diesmal nicht?

Laut Landkreis-Sprecher Henning Müller-Detert basieren die Entscheidungen über einen möglichen Schulausfall auf Wetterprognosen – und auf einer Lageeinschätzung am frühen Morgen: Wie kritisch sind die Straßenverhältnisse tatsächlich? Konnten Hauptverkehrswege geräumt und gestreut werden? Ist ein sicherer Schülerverkehr mit Bussen gewährleistet?

Bis spätestens 5 Uhr müsse Klarheit herrschen. In der Regel würden sich Stadt und Landkreis Osnabrück dazu gemeinsam abstimmen. Eingebunden in die Lageeinschätzung seien auch Polizei, Rettungsdienste, Straßenmeistereien und Vertreter von Busunternehmen.

Laut Erlass des Landes Niedersachsen ist ein Schulausfall nur bei extremen Witterungsverhältnissen zulässig – also dann, wenn Schüler ihren Schulweg nicht sicher antreten oder verlassen können. „Uns ist bewusst, dass eine Entscheidung am Vorabend vor allem für berufstätige Eltern von Vorteil wäre“, sagt Müller-Detert. Meist werde aber die aktuelle Entwicklung abgewartet.

Übrigens: Die Belange von Lehrkräften seien bei der Entscheidungsfindung nicht zu berücksichtigen. „Sie müssen sich wie alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf die Situation einstellen.“

Für den 26. Januar rechneten die Beteiligten laut Landkreis mit leichtem Schneefall und kontrollierbarer Glätte. Die Winterdienste waren vorbereitet, die Straßenverhältnisse wurden als beherrschbar eingeschätzt. Rückmeldungen von Schulen und Verkehrsunternehmen deuteten auf einen weitgehend funktionierenden Busverkehr hin.

An den drei vorherigen Schulausfalltagen sei die Wetterlage deutlich extremer gewesen, mit höherem Risiko für Unfälle.

Gleichwohl kam es am Montag – besonders im Landkreis – zu Fahrtausfällen im öffentlichen Nahverkehr. In sozialen Medien und Leserzuschriften wurde Kritik laut. Einige Eltern fragten, ob sie ihre Kinder bei Glätte auch dann zu Hause behalten dürfen, wenn kein offizieller Schulausfall angeordnet ist.

Der Landkreis stellt hierzu klar: Erziehungsberechtigte von Kindern in Grundschulen und Sekundarstufe I dürfen ihre Kinder bei unzumutbarer Gefährdung zu Hause lassen oder vorzeitig vom Unterricht abholen. Sollte es hierzu unterschiedliche Auslegungen vor Ort geben, sei das mit der Schule oder dem zuständigen Regionalen Landesamt zu klären.

Müller-Detert betont, dass solche Entscheidungen nie leichtfertig getroffen werden: „Das Recht auf Bildung ist ein hohes Gut, aber natürlich muss auch die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler geschützt werden.“ In einem Flächenlandkreis wie Osnabrück, der so groß ist wie das Saarland, könne jedoch nie garantiert werden, dass alle Haltestellen sicher erreichbar sind.

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