Finanzierungslücke  Das Projekt Stromspar-Check steht vor dem Aus

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 29.01.2026 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Dana Knipper und Hans Kremer sorgen sich um das Fortbestehen des Stromspar-Checks. Foto: Clarissa Scherzer
Dana Knipper und Hans Kremer sorgen sich um das Fortbestehen des Stromspar-Checks. Foto: Clarissa Scherzer
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612 Haushalte wurden besucht, mehr als 8.000 Soforthilfen verteilt. Doch Landkreis und Kommunen wollen ihre Zuschüsse für das Projekt des Arbeitskreises Schule Rhauderfehn einstellen.

Rhauderfehn - Das Projekt Stromspar-Check des Arbeitskreises Schule Rhauderfehn (AKSR) steht derzeit vor finanziellen Herausforderungen. In den vergangenen Jahren konnte das Projekt durch die engagierte Arbeit von Fachanleiter Hans Kremer und der Lokalkoordinatorin Dana Knipper zahlreiche Haushalte unterstützen und den Energieverbrauch deutlich senken.

Insgesamt wurden in den zurückliegenden zwei Jahren 612 Haushalte durch die Stromspar-Check-Teams besucht und mit energiesparenden Soforthilfen ausgestattet. Dazu gehörten unter anderem Perlatoren, energiesparende Leuchtmittel, Türbesen und Dichtungen. Ab Ende März 2026 steht der Stromspar-Check durch Wegfall finanzieller Unterstützung auf der Kippe.

Erfolge in Zahlen: 612 Haushalte besucht, Tausende Soforthilfen verteilt

„Wir haben sehr gute Arbeit geleistet in den letzten zwei Jahren“, bilanziert Fachanleiter Hans Kremer, der auch betont, dass das Projekt bisher insgesamt 8.013 Soforthilfemittel im Wert von 36.696 Euro ausgegeben hat. Ein spezielles Tool berechnet dabei individuell, welche Maßnahmen in welchem Haushalt die größte Ersparnis bringen.

Besonders hervorzuheben ist, dass ein erheblicher Teil der eingesparten Energie Wasser betrifft, was das Projekt noch relevanter macht, da Wasser eine endliche Ressource ist. „Insgesamt konnten durch die Einsparmaßnahmen 1.190.955 Kilowattstunden Energie gespart werden, was bei einem aktuellen Kilowattstundenpreis von 30 Cent einer Ersparnis von über 350.000 Euro entspricht“, rechnet der Fachanleiter vor. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit finanziert den Großteil der Arbeit.

Kommunale Mittel fallen weg: Betreiber sehen Projekt gefährdet

Doch trotz dieser Erfolge steht das Projekt nun auf der Kippe. Aktuell sehen die Betreiber ihr Projekt gefährdet. Lokalkoordinatorin Dana Knipper zeigt sich besorgt. Sie sagt: „Der Landkreis und die beteiligten Gemeinden ziehen sich aus der Finanzierung zurück. Ab April 2026 könnten fehlende Mittel dazu führen, dass das Projekt eingestellt werden muss.“

15.000 Euro vom Landkreis und 1.500 Euro von der Gemeinde pro Projektjahr würden komplett wegfallen. Dieser Wegfall könnte weitreichende Auswirkungen auf das gesamte Projekt haben, wenn sich keine Alternativen fänden. Die Einschnitte beträfen nicht nur die Finanzierung von Material und Ausstattung, sondern auch die Bezahlung der Trainer, die eine wichtige Rolle im Projekt spielen.

Wer profitiert vom Stromspar-Check – und warum viele zögern

„Es hat uns geholfen, auch die Leute für ihre Arbeit zu bezahlen. Wir wollen auch eine gewisse Qualität in der Ausbildung haben“, fügt Kremer hinzu. Viele der Stromsparhelfer haben ihre Ausbildung an der Handelskammer HWR abgeschlossen, was die hohe Qualität des Projekts unterstreicht.

Trotz der finanziellen Unsicherheiten bleibt das Projekt für viele Haushalte von großer Bedeutung. Besonders Bürgergeldempfänger, Wohngeldbezieher und Rentner, vor allem im ländlichen Raum, profitieren von den Angeboten des Stromspar-Checks. Rund 43 Prozent der Nutznießer sind Bürgergeldempfänger, 18 Prozent beziehen Wohngeld und neun Prozent Grundsicherung. „Über 50 Prozent der Rentnerinnen und Rentner in Niedersachsen sind berechtigt, das Angebot zu nutzen“, so Kremer, der jedoch auch darauf hinweist, dass die Nutzung des Projekts oft mit Scham behaftet sei.

Niedrigschwellige Ansprache: Viel Arbeit fließt in Werbung und Kontakt

Um diese Hürde zu überwinden, setzen die Helferinnen und Helfer auf niedrigschwellige Angebote. „35 Prozent unserer Arbeit dient allein der Promotion und dazu, die Menschen anzusprechen“, erklärt Knipper.

Veranstaltungen bei Seniorentreffs oder vom Deutschen Roten Kreuz seien wichtige Anlaufstellen, um Menschen auf das Projekt aufmerksam zu machen.

Wie der Stromspar-Check im Kreis Leer finanziert wurde

Das Projekt lief von April 2020 an zunächst im südlichen Kreisgebiet, also in den Gemeinden Westoverledingen, Rhauderfehn und Ostrhauderfehn, damals noch ohne finanzielle Beteiligung des Landkreises. Der Landkreis Leer ist im April 2022 eingestiegen, als der Stromspar-Check auf den gesamten Landkreis ausgeweitet wurde.

„Seitdem teilen sich der Landkreis Leer und die kreisangehörigen Städte und Gemeinden den kommunalen Anteil von insgesamt 30.000 Euro, der Kreis zahlt also jährlich 15.000 Euro“, teilt Philipp Koenen, Pressesprecher vom Landkreis Leer, auf Anfrage dieser Zeitung mit. Der Landkreis Leer werde das Projekt noch bis Ende März 2026 unterstützen, dann endet die finanzielle Beteiligung.

Entscheidung gegen Fortsetzung: Verweis auf „kein Dauerprojekt“

Darüber sei der Arbeitskreis Schule Rhauderfehn im Oktober 2025 informiert worden, nachdem die kreisangehörigen Kommunen zusammen mit dem Landkreis Leer entschieden hatten, das Projekt nicht fortzusetzen, so Koenen. Die Gemeinde Rhauderfehn beteiligte sich erstmalig mit der Gesamtsumme in Höhe von 15.251,48 Euro an der Durchführung des Stromspar-Checks im Oberledingerland für den Projektzeitraum Anfang April 2020 bis Ende März 2022.

Ab dem 1. April 2022 bis zum 31. März 2023 wurde das Projekt landkreisweit ausgeweitet. Da der Landkreis Leer die Hälfte des Zuschusses übernahm, betrug der anteilige Zuschuss der Gemeinde Rhauderfehn pro Projektjahr 1.500 Euro. Für die Zeit vom 1. April 2023 bis 31. März 2026 wurde das Projekt zu gleichen Konditionen noch einmal verlängert. „Unabhängig von den Erfolgen des Projektes wurde eine weitere Bezuschussung insbesondere unter den Aspekten ‚kein Dauerprojekt‘ und ‚Überprüfung freiwilliger Aufgaben‘ mehrheitlich von den Kommunen und dem Landkreis nicht favorisiert“, erläutert Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller auf Anfrage dieser Zeitung.

Kremer und Knipper betonen, dass es sehr schade wäre, wenn das Projekt aufgrund finanzieller Engpässe eingestellt werden müsste. „Wir probieren, das Projekt am Leben zu erhalten und versuchen händeringend, hier und da etwas zu bekommen“, beschreibt Kremer die aktuelle Situation.

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