Landesjugendamt  Prüfung von Remelser Kita bereits beendet

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 27.01.2026 17:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Maren Pauw ist die Kita-Leitung im Kinnertied in Remels. Foto: Lars Löschen
Maren Pauw ist die Kita-Leitung im Kinnertied in Remels. Foto: Lars Löschen
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Das Jugendamt des Landes Niedersachsen hat die Kita Kinnertied in Remels geprüft. Das Ergebnis fällt positiv für die Einrichtung aus. Doch für das Personal war die Situation besonders.

Remels - In den vergangenen Wochen stand die Kindertagesstätte Kinnertied in Remels in einem besonderen Fokus. Das haben auch die Mitarbeiter vor Ort gemerkt, so Kita-Leitung Maren Pauw. Am Samstag, 24. Januar 2026, war ein Tag der offenen Tür in der Einrichtung. Eigentlich war dieser als Infoveranstaltung für interessierte Eltern gedacht, die ihr Kind in der Kita anmelden wollen. Bis Ende Februar laufen noch die Anmeldungen für das neue Kita-Jahr. Doch auf ein Thema wurden Pauw und ihre Mitarbeiter öfter angesprochen: Die Prüfung des Jugendamtes des Landes Niedersachsen. „Die Eltern waren in Sorge“, fasst Pauw zusammen. Einige wollten deswegen sogar ihre Kinder in einer anderen Kita anmelden.

Die Kindertagesstätte Kinnertied ist in Remels. Foto: Lars Löschen/Archiv
Die Kindertagesstätte Kinnertied ist in Remels. Foto: Lars Löschen/Archiv

Diese Redaktion hatte Anfang Januar darüber berichtet. Nach einer Auseinandersetzung zwischen der Familie Kock und der Kita Kinnertied wurde ein Prüfverfahren gegen die Einrichtung eingeleitet. Der Landkreis Leer hat den Fall an das Regionale Landesamt für Schule und Bildung (RLSB) Hannover übergeben. Jetzt gibt es ein Ergebnis.

Beschwerden wurden zurückgewiesen

„Der Sachverhalt beziehungsweise der Beschwerdeaspekt wurde mit dem Träger und den pädagogischen Kräften der betroffenen Einrichtung reflektiert und bearbeitet“, heißt es vom RLSB auf Anfrage. Das Verfahren ist laut der Behörde abgeschlossen. Auch die Gemeinde Uplengen bekam als Träger der Kita ein Schreiben, in dem es heißt, dass die zuständige Sachbearbeiterin beim RLSB den Vorgang „nicht proaktiv“ weiterbearbeiten wird. Das Schreiben liegt dieser Redaktion vor. „Alle Beschwerden der Eltern wurden als unbegründet zurückgewiesen“, sagt Beate Bäuerle, die bei der Gemeinde Uplengen das Gebiet Kindergarten und Schulen leitet.

Beate Bäuerle (von links), Heinz Trauernicht und Maren Pauw freuen sich darüber, dass die Prüfung der Kita Kinnertied positiv ausgefallen ist. Foto: Lars Löschen
Beate Bäuerle (von links), Heinz Trauernicht und Maren Pauw freuen sich darüber, dass die Prüfung der Kita Kinnertied positiv ausgefallen ist. Foto: Lars Löschen

In der Kita Kinnertied blickt man jetzt positiv in die Zukunft. „Es ging eigentlich nicht um die Einrichtung an sich, sondern nur um den Sachverhalt mit der Familie Kock“, so Maren Pauw. Zur Vorgeschichte: Im vergangenen Sommer bekamen Svenja und Alexander Kock aus Remels eine Nachricht der Kita-Leiterin, dass ihre zweijährige Tochter nicht mehr die Krippe im Kinnertied besuchen darf. Als Begründung wurde die Nasensonde des Kindes genannt, die eine Betreuung im Kinnertied unmöglich mache. Zudem wurde wegen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung das Jugendamt eingeschaltet. Die Eltern bestritten die Vorwürfe. Später haben sich die Eltern an den Landkreis Leer gewandt. Der Kreis habe dann das Landesjugendamt informiert, so das RLSB. Und so kam es zu dem Prüfverfahren.

Welche Punkte wurden bemängelt?

Die Kita ist aufgefordert worden, Stellungnahmen abzugeben sowie Konzepte und Protokolle – etwa Gespräche mit den Eltern – vorzulegen, berichtet Maren Pauw. Konkret gab es laut ihr vier Vorwürfe: Zum einen sei die Kündigung des Betreuungsplatzes ohne vorherige Ankündigung passiert und die Elterngespräche hätten nur sporadisch stattgefunden. „Das konnten wir durch die Protokolle entkräften. Wir haben oft mit den Eltern gesprochen“, sagt Pauw. Zum anderen gab es die Vorwürfe, dass die zweijährige Tochter regelmäßig ohne Spielzeug in den Flur gesetzt wurde und dass sich die Mitarbeiter abfällig und belustigend über das Kind geäußert hätten. Diese Anschuldigungen konnten allerdings nicht nachgewiesen werden, so Pauw weiter.

Svenja Kock ärgert das Ergebnis. Sie und ihr Mann empfinden es als „ungerecht“, sagt sie im Gespräch mit dieser Redaktion.

Kritik an der Berichterstattung

Die Prüfung der Kita Kinnertied war in den vergangenen Wochen „das Thema Nummer eins“ in Uplengen, so Gemeindebürgermeister Heinz Trauernicht. Er, Beate Bäuerle und Maren Pauw haben aber auch Kritik an der Berichterstattung dieser Redaktion. „Es ist wichtig, dass geprüft wird. Nur so kann die Qualität in den Kitas auch gehalten werden“, sagt Pauw. Vor dem Ergebnis der Prüfung zu berichten, sei allerdings nicht richtig gewesen. „Das macht die Familien unglaublich unsicher, gerade in dieser schnelllebigen Welt“, so die Kita-Leiterin. Mit dem Artikel vom 10. Januar 2026 „Landesjugendamt prüft Remelser Kita“ hätte man aus ihrer Sicht warten sollen.

Die Reaktionen habe das Personal direkt nach Erscheinen des Artikels zu spüren bekommen. Um die 100 Kinder seien aktuell im Kinnertied untergebracht. „Mich haben gleich am Montag mehrere Eltern angerufen“, sagt Maren Pauw. Insgesamt fünf bis sechs Familien hätten davon gesprochen, ihr Kind künftig nicht mehr in der Kita betreuen zu lassen. Die letzte Familie habe erst vor wenigen Tagen deswegen angerufen. Doch auch die Erzieher seien teils angemacht worden. Auf Social Media hat es mehrere hasserfüllte und beleidigende Kommentare gegen die Einrichtung und ihre Mitarbeiter gegeben.

Um die 100 Kinder sind aktuell im Kinnertied untergebracht. Foto: Lars Löschen
Um die 100 Kinder sind aktuell im Kinnertied untergebracht. Foto: Lars Löschen

„Ich hoffe, dass jetzt klar ist, dass wir hier wirklich eine tolle Einrichtung sind mit einem engagierten Team, das viel Herzblut in die Kinderbetreuung steckt“, betont Maren Pauw. Sie selbst lässt ihr Kind in der Kita Kinnertied betreuen. „Und das würde doch sonst keine Pädagogin machen, oder? Meine Kinder bedeuten mir alles“, sagt die Leiterin.

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