Australian Open Kerber jubelt, Becker lobt: Zverev fordert jetzt Alcaraz

Lars Reinefeld, dpa
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Von Lars Reinefeld, dpa
| 27.01.2026 07:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Alexander Zverev steht bei den Australian Open im Halbfinale. Foto: Asanka Brendon Ratnayake/AP/dpa
Alexander Zverev steht bei den Australian Open im Halbfinale. Foto: Asanka Brendon Ratnayake/AP/dpa
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Alexander Zverev fehlen nur noch zwei Siege zu seinem ersten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier. Doch schon die nächste Aufgabe wird die größtmögliche Herausforderung.

Mit seinen starken Leistungen in Melbourne begeistert Alexander Zverev auch die deutsche Tennis-Prominenz. Angelique Kerber, Melbourne-Champion von 2016, bejubelte den Halbfinaleinzug von Zverev in der Rod Laver Arena. Und sogar Chefkritiker Boris Becker traut dem Weltranglisten-Dritten beim ersten Grand-Slam-Turnier der Saison jetzt den großen Coup zu - trotz der maximal schweren Halbfinal-Hürde.

„Ganz ehrlich: In dieser Form kann Sascha Zverev das Turnier gewinnen“, sagte Becker als TV-Experte bei Eurosport nach Zverevs 6:3, 6:7 (5:7), 6:1, 7:6 (7:3) im Viertelfinale gegen den Amerikaner Learner Tien: „Das war wieder großer Sport von Sascha Zverev.“

Jetzt wartet größte Herausforderung

Der Traum vom ersten Grand-Slam-Titel lebt für Zverev damit weiter. Doch im Halbfinale am Freitag wartet auf den Vorjahresfinalisten die aktuell wohl größte Herausforderung überhaupt: Carlos Alcaraz. Der Weltranglisten-Erste aus Spanien sprüht in Melbourne bislang vor Spielfreude, hat im gesamten Turnier noch keinen Satz abgegeben.

Auch die australische Titelhoffnung Alex de Minaur konnte dem Spanier im Viertelfinale nicht gefährlich werden. Alcaraz deklassierte den Lokalmatadoren mit 7:5, 6:2, 6:1. Während sein Dauerrivale Jannik Sinner bislang schon ein paar Schwächen gezeigt hat, trumpft Alcaraz ganz groß auf. Kaum zu glauben, dass das Duell mit Zverev sein erstes Halbfinale bei den Australian Open überhaupt sein wird.

Jeweils zehn Grand-Slam-Halbfinals

Vor dem Turnier war spekuliert worden, ob die überraschende Trennung von seinem Trainer Juan Carlos Ferrero irgendwelche Auswirkungen auf Alcaraz haben könnte. Die Antwort lautet: nein.

Zverev kann immerhin die größere Erfahrung in Melbourne in die Wagschale werfen. Der 28-Jährige steht zum vierten Mal in seiner Karriere bei den Australian Open im Halbfinale und ist nur noch zwei Siege vom ersehnten Triumph bei einem der vier wichtigsten Tennis-Turniere entfernt. Für Zverev ist es das zehnte Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier insgesamt. Diese Bilanz hat wiederum auch Alcaraz vorzuweisen. Allerdings hat der Spanier auch schon sechs Grand-Slam-Turniere gewonnen.

„Ich habe Sascha im ganzen Turnier gesehen. Er spielt richtig gut, schlägt super auf“, sagte Alcaraz nach seinem Sieg gegen de Minaur. „Ich muss taktisch richtig gut spielen und bereit sein. Ich freue mich auf das Duell.“ 

Besonderer Arztbesuch

Doch warum läuft es für Zverev nach einem komplizierten Jahr zu Beginn der neuen Saison so gut? Für den gebürtigen Hamburger ist der Grund ganz einfach. „Ich bin endlich gesund und schmerzfrei. Das hatte ich lange nicht mehr. Ich fühle mich gut auf dem Court, habe Spaß am Tennis“, sagte Zverev.

In der kurzen Pause zwischen den Jahren suchte Zverev nach vielen gesundheitlichen Problemen Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, den langjährigen Mannschaftsarzt der Fußball-Nationalmannschaft und von Bayern München, auf. „Tatsächlich war ich zum ersten Mal in meinem Leben bei Dr. Müller-Wohlfahrt. Der hat mir 77 Spritzen hinten reingesteckt und die haben offensichtlich geholfen“, sagte Zverev, der zuletzt vor allem über Rückenbeschwerden geklagt hatte.

Auch Kerber unterstützt

Gegen Tien verwandelte Zverev nach 3:11 Stunden seinen vierten Matchball und ließ sich danach von den Zuschauern feiern. Auf der Tribüne jubelte auch Kerber mit. Kerber hatte 2016 in Melbourne ihren ersten von insgesamt drei Grand-Slam-Titeln gefeiert und ist zehn Jahre danach zurück am Yarra River. Die heute 38-Jährige glaubt nach wie vor daran, dass auch Zverev noch einmal bei einem Grand-Slam-Turnier triumphiert.

„Ich mache mir um Alexander gar keine Sorgen. Ich weiß, dass er irgendwann ein Grand-Slam-Turnier gewinnen wird“, hatte Kerber vor dem Viertelfinale gegen Tien gesagt. „Dafür trainiert er zu hart und gibt alles dafür. Das wird sich irgendwann auszahlen.“

Hitze draußen, gute Bedingungen drinnen

Zverev zeigte in der Rod Laver Arena von Beginn an eine hochkonzentrierte Leistung. Während draußen die Temperaturen auf bis zu 45 Grad kletterten und die Menschen in Melbourne jeden nur möglichen Schattenplatz aufsuchten, fand das Duell mit Tien in der klimatisierten Arena unter geschlossenem Dach bei angenehmen Bedingungen statt. Zverev hatte zwar im Vorfeld gesagt, mit der Hitze kein Problem zu haben, dennoch dürfte auch er froh gewesen sein, dass das Dach bereits zu Beginn seines Viertelfinales geschlossen war.

Gegen Tien konnte sich Zverev von Beginn an auf seinen guten Aufschlag verlassen. „Ohne die Asse wäre es schwer geworden“, räumte Zverev ein. Insgesamt schlug er 24 Asse. Nach nur 36 Minuten holte er sich den ersten Satz. Zverev hatte auch danach zunächst alles im Griff.

Ab Mitte des zweiten Durchgangs wurde der vom früheren French-Open-Champion Michael Chang trainierte Tien aber stärker und brachte Zverev mehr und mehr in Bedrängnis. Im Tiebreak schaffte er den Satzausgleich, die Partie drohte zu kippen. Doch Zverev blieb cool und darf sich jetzt mit Alcaraz messen, den er 2024 in Melbourne im Viertelfinale besiegte.

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