Osnabrück Wenn Pippi Langstrumpf Darts spielt: 41 Teams feiern Party-Turnier in Osnabrück
Vokuhila-Perücken, Bier-Kostüme und Pippi Langstrumpf an der Dartscheibe: Bei der Partydarts-Veranstaltung von Tommy Reichenberger in der Osnabrücker Botschaft treffen Kostüme auf Zielwasser. 41 Teams feiern ein ausgelassenes Turnier, das mehr Karneval ist als Sportveranstaltung.
Ein Mann steht vor der Dartscheibe. In der rechten Hand hält er einen Pfeil, in der anderen zwei weitere. Sein Blick klebt an der Triple 20. Er holt tief Luft, wirft – und trifft knapp daneben, in die Eins. Zwei Versuche bleiben. Doch bevor er weitermacht, greift er zum Bierglas auf dem Stehtisch neben ihm. Erst trinken, dann zielen.
Diese Szene spielt sich am Samstag, 24. Januar, beim Partydarts-Turnier in der Botschaft in Osnabrück ab. Dort treffen sich Hobbysportler und Feierfreudige zu einem bunten Mix aus E-Darts und Party. Im Mittelpunkt steht dabei nicht der sportliche Ehrgeiz, sondern die Stimmung. Das betont auch Veranstalter Tommy Reichenberger gleich zu Beginn: „Party steht heute im Vordergrund. Habt einen geilen Abend!“
Insgesamt treten 41 Teams mit jeweils vier bis sechs Spielern gegeneinander an. Bereits am Freitag fand eine ähnliche Veranstaltung statt, dort waren 20 Teams am Start. Die Teilnehmer kommen aus Osnabrück, Hagen aTW, eine Mannschaft sogar von der ostfriesischen Insel Juist. Eine von denen, die in der Botschaft feiern möchte, ist Sina Bulenda.
„Wir sind hier, um einfach viel Spaß zu haben“, sagt sie und lacht. Gemeinsam mit drei Freundinnen ist Bulenda aus Melle angereist. „Wir spielen schon seit fünf Jahren in Westernhausen beim Partydarts mit und wollten diesmal sehen, wie die Stimmung in Osnabrück ist.“ Ihr Team, die Mascara Maniacs, setzt auf gute Laune – und auf Ehrgeiz: „Unsere Männer sind heute auch hier. Falls wir gegen sie spielen, wollen wir natürlich gewinnen.“
Wie bei allen Teams zählt auch bei ihnen der Name. Kreativität ist gefragt – je mehr Wortwitz, desto besser. So treffen an diesem Abend unter anderem die Beck’Street Boys, Dirty Darting oder die Panzerknacker aufeinander.
Die kreativen Teamnamen werden durch passende Verkleidungen ergänzt. Wie beim berühmten Ally Pally in London herrscht auch in der Botschaft an diesem Abend Kostümpflicht – zumindest gefühlt. Wer die Halle betritt, könnte meinen, er sei auf einer Karnevalssitzung.
Die Spieler tragen Vokuhila-Perücken, glitzernde Anzüge, Bierflaschen-Kostüme oder ein aufblasbares Huhn. Sina Bulenda und ihre Mitspielerinnen haben sich als Pippi Langstrumpf verkleidet, erkennbar an den Zöpfen und bunten Kleidern. Warum sich beim Darts alle verkleiden, kann an diesem Abend niemand erklären. Aber eines steht für die Mellerin fest: „Das gehört zur Grundausstattung einfach dazu.“
Ab 18 Uhr werfen die ersten Teams ihre Trainingsdarts. Um 19.15 Uhr beginnt das eigentliche Programm – mit den Walk-ons. Wie bei den Profis betreten auch beim Partydarts in der Botschaft alle Teams die Bühne mit eigener Einlaufmusik.
Jedes Team hat im Vorfeld einen Song gewählt, der zu ihnen passt. Nico Patzer und seine Freunde aus Hasbergen laufen zu „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang ein. Warum gerade dieses Lied? „Das Lied verbreitet gute Laune – bei uns Jüngeren und auch bei den Älteren“, sagt der 18-Jährige.
Dann wird es laut und bunt: 41 Teams laufen nacheinander durch die Halle, auf die Bühne und posieren für ein Gruppenfoto. Die Stimmung ist euphorisch. Einige stehen auf Bänken, tanzen oder schwenken die bekannten „180“-Schilder. Die Musik reicht von Ballermann-Hits bis zur Champions-League-Hymne. Je verrückter der Auftritt, desto größer der Applaus.
Ein Team verteilt Tulpen bei ihrem Walk-on, ein anderes probiert die Hebefigur aus „Dirty Dancing“ und die Cowboys der Illoshöhe Mountain Gang galoppieren im Reitschritt hinein. Als Überraschungsgast tritt beim letzten Walk-on der Partyschlager-Sänger Breitner mit seinem Lied „Baby Bell“ auf.
Nach 75 Minuten lautstarker Walk-ons beginnt das eigentliche Turnier. Gespielt wird im Modus „301 Open Out“. Anders als bei den Profis müssen die Spieler dabei nicht mit einem Doppelfeld beenden – jedes Feld zählt. Ziel ist es, von 301 Punkten möglichst schnell auf null zu kommen.
Gespielt wird vier gegen vier an zwei benachbarten E-Dart-Automaten. Jeder Spieler tritt einzeln an. Wer ein Leg zuerst beendet, holt einen Punkt für das eigene Team. Wer drei Legs gewinnt, entscheidet das Spiel für sich.
„Die Richtung trifft man meistens, aber die letzten Zentimeter sind die schwierigsten“, sagt Nico Patzer. Der 18-Jährige spielt sonst mit den schwereren Steel-Darts. Beim Partydarts muss er zu den leichteren E-Dart-Pfeilen greifen.
Während manche froh sind, überhaupt die Scheibe zu treffen, zeigen andere beachtliches Können. Roman Fokken vom Team Grillgranaten Grönegau wirft in drei Aufnahmen zweimal die Triple 20 – das höchste Feld auf der Scheibe. „Man muss den Arm gerade halten und durchziehen“, erklärt er. „Wichtig ist auch, den Fokus zu behalten und cool zu bleiben.“
Trotz allem steht der Spaß an erster Stelle. Zwischen den Würfen wird Bier getrunken, gelacht und gefeiert. Und je später der Abend, desto öfter fallen die Pfeile auch mal wieder aus der Scheibe.
Gegen 2 Uhr endet die Veranstaltung. Da durch die vielen Teams in drei Ligen gespielt wurde, gibt es drei Gewinner-Teams: die Illushöhe Mountain Gang, die Allerletzten und die Nichtraucher.
Am nächsten Tag wurde am selben Ort die große Osnabrücker E-Dart-Meisterschaft ausgetragen, bei der Hobbyspieler ihr Können zeigen durften. Andreas Schüring gewann die Meisterschaft, an der rund 50 Spieler teilgenommen hatten. Nach dem ausgelassenen Partydarts stand damit auch der sportliche Wettbewerb im Mittelpunkt – ganz im Sinne des besonderen Darts-Wochenendes in Osnabrück.