Achtung, Betrüger  So versuchen Betrüger, Jobsuchende zu locken

| | 24.01.2026 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Betrüger locken Jobsuchende oft mit dem schnellen Geld. Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpa
Betrüger locken Jobsuchende oft mit dem schnellen Geld. Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpa
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Fake-Stellenanzeigen, „Task Scamming“ und Warenagenten: Polizei und Unternehmen warnen vor Datenklau und Betrugsmasche.

Ostfriesland - Jüngst hat es den in Friedeburg ansässigen Netzdienstleister TBD erwischt: Betrüger hatten im Netz Stellenanzeigen verbreitet, die aussahen, als stammten sie von TBD. Dahinter steckte aber eine Betrugsmasche. Das Ziel: An Geld und persönliche Daten von Jobsuchenden heranzukommen.

Diese Zeitung hat bei der Polizei nachgefragt, was genau hinter der Betrugsmasche steckt und wie Betrüger ansonsten noch versuchen, vor allem Jobsuchende hinters Licht zu führen.

Betrug „Task Scamming“ – Das steckt dahinter

Unter dem Oberbegriff „Job-Scamming“, also Betrugsmaschen (Scam) rund um Jobs, gehört der sogenannte Task-Scam“ oder übersetzt „Aufgaben-Betrug“ laut Polizei zu einer relativ neuen Masche. Hier, wie bei vielen anderen Job-Scamming-Fällen, werden die Opfer direkt über Dienste wie Telegram, aber auch Instagram angeschrieben. Die Betrüger geben sich als Jobvermittler im Namen einer namhaften Firma aus. „Sie werben mit attraktiver Bezahlung für scheinbar einfache Tätigkeiten wie das Bewerten von Hotels, Testen von Produkten, ‚Liken‘ von Youtube-Videos oder Social-Media-Beiträgen. Lockmittel sind häufig Gruppen-Chats und vermeintliche Erfolgsstorys“, so die Polizei Aurich auf Nachfrage dieser Zeitung. Die angeblichen Jobvermittler gehen dabei geschickt vor: Für die ersten einfachen Aufgaben gebe es „meist tatsächlich kleine Auszahlungen“, so die Polizei. Damit wollen die Betrüger Vertrauen aufbauen und Seriosität vorgaukeln.

Der Betrug nimmt danach aber volle Fahrt auf: „Für die besser bezahlten Aufgaben sollen Betroffene dann jedoch Geld in Vorkasse leisten, etwa über Krypto-Apps oder dubiose Plattformen.“ Diese Vorausleistung soll sich, so die Betrüger, dann direkt nach der Aufgabe sofort auszahlen. Im Fall des gefälschten TBD-Angebots sollten die Opfer für eine angebliche TBD-Bankagentur, die es nicht gibt, „bei Bank-Portalen Konten eröffnen und sich über zugesandte Links in Video-Calls mit Ausweisdokumenten und persönlichen Daten verifizieren“, so das Friedeburger Unternehmen. „Das versprochene Guthaben wird jedoch nie ausgezahlt, die Vorauszahlungen sind verloren“, so die Polizei. Außerdem haben die Betrüger dann die persönlichen Daten der Opfer – was zum Beispiel Bestellungen und Verträgen im Namen der Opfer Tür und Tor öffnet.

Warenagenten & Co – Achtung vor diesen Jobangeboten

Ebenfalls mit dem schnellen Geld locken Jobangebote, bei denen zum Beispiel „Warenagenten“, „Paketmanager“ oder „Prüfer im Identverfahren“ gesucht werden.

Hier läuft die Masche so: Die Jobsuchenden sollen zum Beispiel Warensendungen annehmen und diese an eine meist im Ausland gelegene Adresse weiterschicken. Die Waren wurden zuvor auf den Namen des Jobsuchenden und mit dessen Daten von den Betrügern bestellt. Die Betrüger tun alles, um ihrer Masche ein professionelles und somit legitimes Aussehen zu geben: Professionelle Firmenlogos, „Arbeitsverträge“ und so weiter geben den E-Mails, die allerdings meist von kostenlosen Anbietern wie Yahoo, GMX, Mail.ru kommen, einen professionellen und legal wirkenden Anstrich. Oft werden, so erklärt es die Polizei, die „Warenagenten“ angewiesen, die angenommenen Waren auszupacken, den Zustand zu „dokumentieren“ und die Rechnung zu entnehmen, bevor die Weitersendung erfolgt. „Die Täter geben klare Handlungsanweisungen, vermitteln das Gefühl einer guten Betreuung und sind jederzeit erreichbar. Selbst kritische Nachfragen werden freundlich und glaubwürdig beantwortet“, so die Polizei. Die in Aussicht gestellte Bezahlung wird nie überwiesen.

Die Krux an der Sache: Die Waren wurden auf den Namen des Jobsuchenden bestellt – und nicht bezahlt. „Da die Waren nicht bezahlt sind, wenden sich die geschädigten Firmen an die Bestelladresse“, so die Polizei gegenüber dieser Zeitung. Die Polizei Berlin gibt noch zu bedenken: „Der ,Paketagent‘ dient lediglich dazu, die Spur zu den Haupttätern zu verschleiern. Auf diese Weise wird er leichtfertig zum Geldwäscher, macht sich strafbar und sieht sich regelmäßig mit zivilrechtlichen Forderungen der geschädigten Firmen konfrontiert, da er der ,Besteller‘ und Empfänger der Waren ist.“ Die Betrüger haben derweil die meist teuren, bestellten Waren, die sie wiederum verkaufen können.

Nach ähnlichen Maschen funktionieren die sogenannten „Finanzagenten“ oder auch die „Prüfer für Ident-Verfahren“. Beim Ident-Verfahren-Betrug werden Arbeitssuchende aufgefordert, Kontoeröffnungen auf ihren Namen durchzuführen.

Schutz vor Betrügern und dubiosen Jobs: Was rät die Polizei?

Gerade dubiose Job-Angebote werden oft über Messengerdienste verteilt. Die Polizei hat ein paar Tipps zusammengestellt, die man nicht nur bei den Job-Scams beachten sollte:

  • Deaktivieren Sie Gruppen-Einladungen, damit Unbekannte Sie nicht ungefragt zu Gruppen hinzufügen können. Wenn es doch passiert, melden Sie den Administrator, sperren Sie die Nummer und verlassen Sie die Gruppe sofort.
  • Nehmen Sie keine Jobs per Messenger- oder Kurznachrichtendienst (SMS) an.
  • Lassen Sie sich nicht von lukrativen Angeboten mit scheinbar einfachen Aufgaben blenden.
  • Gehen Sie niemals in Vorkasse, um Geld zu verdienen.
  • Vorsicht bei der Nutzung von Kryptowährung-Apps im Zusammenhang mit der Tätigkeit (z. B. für Gehaltszahlungen).
  • Verlassen Sie Gruppen, in denen entsprechende Jobangebote gemacht werden.
  • Übermitteln Sie keine persönlichen und sensiblen Daten an Unbekannte (Identitätsdiebstahl).
  • Stellen Sie Ihr Konto keinesfalls für Überweisungen zur Verfügung. Sie könnten sich damit der Geldwäsche strafbar machen.

Was tun, wenn man Opfer von Betrügern geworden ist?

  • Sollten Sie bereits Opfer geworden sein, handeln Sie schnell, um den Schaden zu begrenzen.
  • Sichern Sie Beweise mittels Screenshots (Chatverläufe, gefälschte Angebote usw.).
  • Informieren Sie Ihre Bank, um Transaktionen zu stoppen und Konten sperren zu lassen.
  • Erstatten Sie Anzeige bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle.
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